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Nachrichten Gegner von Hähnchenmastanlage besetzen falsches Feld
Umland Barsinghausen Nachrichten Gegner von Hähnchenmastanlage besetzen falsches Feld
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20:19 12.08.2011
Von Felix Harbart
Eine Gruppe von 20 Männern und Frauen hat in der Nacht zum Freitag ein Feld in Groß Munzel besetzt. Quelle: Christian Elsner
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Groß Munzel

Sie kamen in der Nacht, und das mag der Grund dafür gewesen sein, dass die Orientierung schwierig war. An sich hatten die elf militanten Tierschützer am Freitag im Barsinghäuser Ortsteil Groß Munzel eben dort gegen den Bau zweier riesiger Hähnchenmastställe protestieren wollen, wo die Stallungen des Landwirtes eines Tages auch stehen sollen. Mitten in der Nacht trafen sie ein, fällten in der Nähe drei Bäume, bauten daraus ein monströses Dreibein aus Holz und brachten Fässer und Beton zum Zwecke des Ankettens mit.

Doch als der Morgen graute, zeigte sich der Nachbar des umstrittenen Hühnerbauern überrascht – und teilte den Aktivisten mit, dass sie auf dem falschen Acker saßen. Nebenan seien Hühnerställe geplant, nicht hier. Hier gebe es nur abgeerntetes Getreide, sagte der Landwirt und rief die Polizei.

Seit Monaten treibt der geplante Bau der Mastanlage die Groß Munzeler um, in mehreren anderen Ecken der Region spielt sich derweil Ähnliches ab – etwa in Seelze-Dedensen, in Springe-Boitzum oder in Pattensen. Die verschiedenen Pläne zum Bau der Anlagen hängen mit dem Bau eines gewaltigen Schlachthofes in Wietze bei Celle zusammen, für den der Betreiber Mäster sucht. Weil die Geflügelmast angesichts der derzeitigen Marktlage goldenen Boden zu haben verspricht, haben sich gleich mehrere Landwirte aus der Region daran gemacht, Großmasten auf ihren Höfen zu etablieren. Auf dem am Freitag knapp verfehlten Acker des Groß Munzeler Landwirtes etwa sollen eines Tages mehr als 84.000 Hähnchen gemästet werden.

Aber weil die elf Aktivisten nun schonmal da waren und der Bau ihrer Proteststätte einige Mühe bereitet hatte, räumten sie den fälschlich besetzten Acker nicht. Also mussten die Höhenretter eines Spezialeinsatzkommandos einen 20-Jährigen von der Spitze des Dreibeins holen, während sich Kollegen mit schwerem Gerät daran machten, eine 22-Jährige und einen 26-Jährigen zu befreien, die sich mit den Armen in zwei Plastikfässern einbetoniert hatten.

Die Polizei leitete Verfahren gegen alle elf wegen Land- und Hausfriedensbruchs ein, und zum Schluss leistete sie sich den seltenen Luxus, in ihrer Pressemitteilung einen Wortwitz zu machen. Irgendwann, stand da, habe sich für die elf herausgestellt, dass sie „das falsche Feld beackert“ hatten.

Dieser Artikel wurde aktualisiert.

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