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00:16 01.01.2018
Gemeinsam Billard-Spielen gehört für Kilinc Ertugrul genauso zum Job wie mit Jugendlichen über Ängste und Sorgen sprechen. Quelle: Lisa Malecha
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Barsinghausen

 Laute Hip-Hop-Beats tönen aus der Box in dem großen Raum mit den Billardtischen, ein paar Jugendliche unterhalten sich. Nebenan wird Tischtennis gespielt und ein paar Jungen sitzen vor dem Fernseher und zocken. Es wird gelacht, gestritten und gesprochen – ein ganz normaler Freitagnachmittag im Jugendtreff an der Goetheschule. Mitten drin steht Kilinc Ertugrul. Seit September ist der 42-Jährige Barsinghausens neuer Streetworker. Ein Job, den man aus Leidenschaft macht, sagt Ertugrul. Und einer, der einen auch mitnimmt. 

Denn egal ob es um den ersten Liebeskummer, Probleme mit den Eltern oder aber Sucht geht, Ertugrul ist Ansprechpartner für alles, was den Kindern und Jugendlichen auf dem Herzen liegt. Und das ist manchmal gar nicht so einfach. „Gerade bei Jugendlichen mit massiven Problemen fragt man sich dann, was man hätte anders machen können, um ihnen zu helfen“, sagt Ertugrul und wirkt dabei nachdenklich. Man merkt, dass dem 42-Jährigen die Schicksalsschläge der Problemfälle nahegehen. „Man hat immer auch eine persönliche Bindung“, sagt er. 

Das Team des Jugendtreffs: Kilinc Ertugrul, Anna Fiechel und Nurcan Yildirim. Quelle: Lisa Malecha

Bevor er nach Barsinghausen kam hat Ertugrul Sozialpädagogik studiert, arbeitete  zuletzt an der VHS Hannover mit Flüchtlingen gearbeitet hat. „Aber jetzt war es höchste Zeit für mich, wieder mit Jugendlichen zu arbeiten“, sagt er. Denn das sei es schließlich, was ihm am meisten Spaß macht. „Man kann den Jugendlichen zeigen, wo es lang geht und ihnen unter die Arme greifen“, sagt er. Das sei vor allem bei Menschen wichtig, die aus Familien mit sozialen Problemen kommen. Aber auch Jugendliche, bei denen zu Hause alles gut zu sein scheint, bräuchten oft Hilfe  oder zumindest einen Gesprächspartner mit einem offenen Ohr.

Dass Ertugrul in Barsinghausen angekommen ist, merkt man schnell. Immer wieder kommen die Jugendlichen und Kinder im Jugendtreff auf ihn zu, wollen mit ihm Billard spielen oder einfach nur neben ihm sitzen und dem Gespräch zuhören. „Er ist echt cool“, sagt einer der Jungen. „Kilinc macht viel mit uns, aber man kann auch einfach mit ihm reden.“ Das Verhältnis wirkt fast freundschaftlich. „Naja, ich bin schon eher etwas wie ein großer Bruder als ein Freund“, sagt Ertugrul. Und zwar einer, den die Jugendlichen respektieren. Das müssen sie auch, immerhin geht es nicht nur um Liebeskummer oder schlechte Noten, sondern auch um Gewalt, Schlägereien und Waffen. 

Gemeinsam Billard-Spielen gehört für Kilinc Ertugrul genauso zum Job wie mit Jugendlichen über Ängste und Sorgen sprechen. Quelle: Lisa Malecha

Um eben bei diesen extremen Fällen auch helfen zu können, hat sich Ertugrul bewusst dazu entschieden, Streetworker zu werden und nicht nur ein „normaler“ Jugendsozialarbeiter zu sein. „Wenn ich auf der Straße unterwegs bin kann ich verhindern, dass aus Langeweile gepöbelt und randaliert wird“, sagt er. Und nur auf der Straße, an den Plätzen wo sich die Jugend trifft, mache es Sinn, sie anzusprechen, zu zeigen „da ist jemand, der sich um uns kümmert“. Ab kommendem Frühjahr will Ertugrul dann durch die Straßen Barsinghausens ziehen. 

Nur so kann ein weites Netzwerk aufgebaut werden. Und das sei absolut notwendig, um wirklich an Kinder und Jugendliche ranzukommen, die Probleme haben. Denn ein Jugendlicher, der Drogen nimmt oder gewalttätig ist, der kommt im Normalfall nicht von selbst auf den Streetworker zu. „Wenn jemand beim Streit einen Schlagring zückt, dann sind wir darauf angewiesen, dass sich das bis zu uns rumspricht“, sagt Ertugrul. 

Wer mehr über Ertugrul erfahren möchte, kann ihn jeweils montags, dienstags, mittwochs und freitags ab 14 im Jugendtreff an der Goetheschule kennenlernen. 

Von Lisa Malecha

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