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14:12 22.08.2018
Beim Parkour geht es darum, möglichst schnell und elegant Hindernisse zu überwinden und von A nach B zu gelangen. Quelle: Marcel Sacha
Kirchdorf

 Das scheint ja gar nicht so schwierig zu sein, denke ich mir, als mein Trainer Dennis Gref mir die einzelnen Varianten erklärt, wie ich das etwa ein Meter hohe Hindernis überwinden kann. Doch schnell muss ich erkennen, dass Theorie und Praxis wie so häufig voneinander abweichen. Zwar schaffe ich es, über den aufgestellten Kasten zu springen, doch ich merke noch während des Sprungs: Elegant sieht das nicht aus.

Gref gibt mir Recht. Seit rund zwei Monaten leitet der Abiturient den Parkour-Kurs des TSV Kirchdorf. Bei der in Frankreich entstandenen Sportart geht es darum, möglichst schnell von einem Ort zum anderen zu gelangen – und zwar nur mit der Kraft und der Fähigkeit des eigenen Körpers. Schnelligkeit ist jedoch nicht das einzige Kriterium. „Du musst dabei auch Kreativität an den Tag legen“, sagt er. „Und elegant muss es auch aussehen.“

HAZ/NP-Mitarbeiter Marcel Sacha hat am Parkour-Training des TSV Kirchdorf teilgenommen.

Letzteres Ziel habe ich auf jeden Fall verfehlt. Nach mehrmaligen Versuchen merke ich allerdings schnell, dass mir die Sprünge zunehmend leichter fallen. Das sei auch zu sehen, sagt Gref. Die steile Entwicklungskurve können auch die Kursteilnehmer bestätigen. „Ich bin auch erst seit sechs Wochen dabei“, sagt Noah. Bereits nach einem Monat habe er es jedoch geschafft, nach einem Trampolinsprung einen zweifachen Salto zu stehen. „Da bist du doch sicherlich sehr stolz drauf, oder?“, frage ich ihn. „Nicht unbedingt auf die sportliche Leistung“, antwortet Noah. Vielmehr freue ihn, dass er den Mut aufgebracht habe, überhaupt einen solchen Sprung zu wagen.

Dieses Selbstbewusstsein, das er durch Parkour erlange, könne ihm auch in anderen Lebenssituationen helfen, ist sich Noah sicher. Nach eigenen Angaben gehöre er in der Schule „nicht unbedingt zu den Draufgängern“. Bei Referaten habe er bislang immer eine innere Verunsicherung gespürt, berichtet er. Seine Hoffnung bestehe darin, durch den Sport diese Unsicherheit zukünftig ablegen zu können.

„Mut ist sicherlich eine der wichtigsten Eigenschaften beim Parkour“, bestätigt der Trainer. Den muss auch ich aufbringen, als Gref mich auffordert, den einen Meter hohen Kasten mit einer Rolle vorwärts zu überwinden. Kein Problem, denke ich mir zunächst. Schließlich konnte ich Purzelbäume auf dem Boden bereits als Kind sehr gut. Ich nehme also Anlauf, doch kurz vor dem Kasten stoppe ich abrupt ab. Dasselbe passiert auch beim zweiten, dritten und vierten Versuch. „Das ist eine mentale Blockade“, sagt Gref. Auch er habe die am Anfang seiner Parkour-Karriere in bestimmten Situationen gehabt, berichtet er. Doch sobald diese Blockade einmal aufgebrochen wurde, komme sie auch nicht mehr zurück. Daher sei die Sportart vor allem ein Kampf mit sich selbst und nicht gegen andere, sagt Gref.

Dies zeigt sich auch in der mentalen Unterstützung, die ich von den Kursteilnehmern erhalte, um über den Kasten zu rollen. Doch obwohl mich die anderen anfeuern, mir Mut machen und ich weiß, dass mir eigentlich nichts passieren kann, schaffe ich es auch nach einem Dutzend Anläufen nicht, meine Hemmung zu überwinden. Innerlich ärgere ich mich tierisch. Der Kampf gegen mich selbst ist also noch nicht vorbei.

Parkour beim TSV Kirchdorf

Das Parkour-Angebot der Turnsparte des TSV Kirchdorf findet jeweils sonntags von 18 bis 20 Uhr in der Turnhalle der Astrid-Lindgren-Schule statt und richtet sich an Jugendliche ab 13 Jahren. Mitzubringen sind neben Hallenschuhen auch ausreichend Getränke. Trainer Dennis Gref turnt seit zehn Jahren und verfügt auch im Parkour über eine langjährige Erfahrung. Zudem ist er in der Lage, im Fall von Verletzungen Erste Hilfe zu leisten. Anmeldungen nimmt Spartenleiterin Carolin Behnsen telefonisch unter (0 51 05) 8 49 36 entgegen.

Von Marcel Sacha

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