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Windpark wird zur gemeinsamen Herausforderung

Degersen Windpark wird zur gemeinsamen Herausforderung

Gegen die sieben, 229 Meter hohen Windräder, die der Bremer Windparkentwickler WPD bei Degersen bauen will, darf die Gemeinde keine reine Verhinderungsplanung betreiben. In Abstimmung mit den Nachbarstädten tastet sich Wennigsen gerade langsam und sorgfältig heran. 

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Der Bremer Windparkentwickler WPD will zwischen Degersen und Redderse mehrere Windräder bauen.

Quelle: Jens Büttner

Degersen.  Der Projektierer ist ausgewählt worden bei einer Ausschreibung, die die Grundbesitzer durchgeführt haben. Mehrere Landwirte müssten ihr Land für einen Windpark zwischen Degersen und Redderse verpachten. Den Bau von sieben, 229 Meter hohen Windkraftanlagen soll der Bremer Windparkentwickler WPD auf einem 107 Hektar großen Areal planen. Die Flächen in der Feldmark sind eng parzelliert und es gibt eine Vielzahl an Grundeigentümern.

Bei den Windpark-Plänen stoßen völlig unterschiedliche Handlungsfelder und Interessen aufeinander. Das eigentliche Genehmigungsverfahren läuft bei der Region Hannover. „Wir werden aber angehört und uns obliegt auch die Flächennutzungsplanung“, sagt Wennigens Bürgermeister Christoph Meineke. Dabei würden alle Belange berücksichtigt – die der Befürworter und die der Gegner. Der Ortsrat Degersen beispielsweise habe sich mit seiner Bürgerumfrage sehr deutlich ablehnend positioniert, auch der Wennigser Rat ist überwiegend kritisch gestimmt. 

Einen Bauantrag gibt es noch nicht

Ein Bauantrag ist noch nicht gestellt worden. Dafür sind noch umfassende Gutachten zu Umwelt- und Naturschutz und Stellungnahmen notwendig, die die Projektierer derzeit einholen. Unter anderem müssen seltene Tierarten kartiert werden. Es geht um den Grundwasserschutz, die Flugsicherung und auch die Frage nach dem Umgang mit dem Modellflugplatz in der Feldmark zwischen Egestorf und Langreder.

„Die Kommunen können im Zuge der Flächennutzungsplanung davon unabhängig eigenständig Gutachten einholen“, betont Wennigsens Bürgermeister Christoph Meineke. Ob dies gewünscht wird, sagt Meineke, müsse die Diskussion in den kommenden Sitzungen der Verwaltungs- und Fachausschüsse dann zeigen.

Viele Wennigser lehnen den Standort Degersen als Vorranggebiet für Windenergie ab. 650 Wennigser Windkraftgegner hatten mit Unterschriften und Formaleinsprüchen im Vorfeld gegen die Regionspläne protestiert – ohne Erfolg.

Das Regionale Raumordnungsprogramm der Region, das neue Windkraftanlagen bei Degersen zulässt, ist im August in Kraft getreten. Wennigsen stimmt sich eng mit den anderen betroffenen Kommunen Barsinghausen und Gehrden ab. „Die Zusammenarbeit der drei Kommunen in der Raumplanung hat es in dieser Form noch nicht gegeben, da es die gemeinsame Herausforderung eines interkommunalen Windparks unter den drei Nachbarn noch nicht gab“, sagt Meineke. Noch im Januar soll es eine gemeinsame Sitzung der Verwaltungsausschüsse gehen, an der alle Ratsmitglieder teilnehmen dürfen, die ansonsten aber nicht-öffentlich ist. „Die Bürger müssen sich aber keine Sorgen machen, dass hinter verschlossenen Türen Entscheidungen gefällt werden“, versichert Meineke. Zunächst sollen lediglich die rechtlichen Grundlagen vorgestellt und mit Fachleuten diskutiert werden, welche Rechte und Pflichten die Kommunen treffen.

Windkraftanlagenbetreiber lässt RROP gerichtlich überprüfen

Ein Betreiber von Windkraftanlagen hat einen Normenkontrollantrag gegen das Regionale Raumordnungsprogramm (RROP) der Region Hannover gestellt, um den Plan auf seine Rechtmäßigkeit gerichtlich überprüfen zu lassen. Es geht um Standorte für Windenergieanlagen beziehungsweise um nicht mehr ausgewiesene Flächen. Die Normenkontrolle beziehe sich nur auf diesen Aspekt, sagt Regionssprecher Klaus Abelmann.  Monatelang war um die Neuauflage des RROP durch die Region Hannover gestritten worden, in dem die Vorrangflächen für den Ausbau von Windparks festgelegt sind. Ein Normenkontrollverfahren gilt als langwierig und teuer. Generell könne gegen das RROP beziehungsweise gegen die im Regionalplan getroffenen Festlegungen innerhalb von einem Jahr nach Veröffentlichung und mit  Rechtswirksamkeit ein solches Verfahren angestrengt werden, erklärt Abelmann – wenn eine unmittelbare Betroffenheit besteht. Das Amt für regionale Landentwicklung Leine-Weser (ArL) genehmigte das RROP im Mai 2017, bevor die Regionsversammlung vor der Sommerpause abschließend über die Inhalte entschied. Ein Antrag auf Normenkontrolle hat keine aufschiebende Wirkung. Das zuständige Oberverwaltungsgericht kann allerdings eine einstweilige Anordnung erlassen, wenn dies „zur Abwehr schwerer Nachteile dringend geboten“ scheint. 

„Der Sachverhalt ist komplex“, sagt Meineke. Auch die grundlegende Frage sei zu stellen, ob es in der Abwägung der Fläche Fehler seitens der Region gegeben hat und wie damit umzugehen wäre. Mit seinen Nachbarn will Wennigsen eine einheitliche Position vorbereiten. Immerhin gebe es erhebliche Überschneidungen, sagt Meineke und verweist auf das Barsinghäuser Wassergewinnungsgebiet, das auch tief im Wennigser Gebiet bis fast zur Bebauungsgrenze Degersen liegt. Die Windkraft könnte darauf negative Auswirkungen bei den Bodenschichten haben. Auch die Lebensräume gefährdeter Vogelarten würden nicht an Stadtgrenzen enden.

Von Jennifer Krebs

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