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Barsinghausen Wohin mit dem Klärschlamm?
Umland Barsinghausen Wohin mit dem Klärschlamm?
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00:19 14.09.2018
Abwassermeister Christian Bock (von links), Stadtentwässerungs-Leiterin Sandra Bosold und Kläranlagen-Leiter Christoph Kormann suchen gemeinsam nach einer Lösung für den in Langenhagen anfallenden Klärschlamm. Quelle: Rebekka Neander
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Langenhagen

Auf den ersten Blick sieht er aus wie Kompost. Braun, leicht puderig, eine leicht moderige Note liegt in der Luft. Doch der Inhalt dieses Containers auf dem Hof der Langenhagener Kläranlage hat es in sich. Buchstäblich. Denn für diesen bereits bearbeiteten und vorgetrockneten Klärschlamm braucht Langenhagen – wie alle Kommunen – bis 2029 eine neue Lösung. Dann, so schreibt es die neue Düngeverordnung vor, darf er weder auf den Feldern landen noch mit anderem Abfall mitverbrannt werden. Eine eigene sogenannte Monoverbrennungsanlage könnte die Lösung sein. Doch wer soll die bauen?

Die Stadtentwässerung Langenhagen (SE), eine hunderprozentige Tochter der Stadt, hat dazu in den vergangenen drei Jahren eine Idee erarbeitet. Am Montag hat SE-Leiterin Sandra Bosold diese erstmals dem Betriebsausschuss vorgestellt, am Dienstag, 18. September, wird der Finanzausschuss der Stadt darüber beraten: Langenhagen, so Bosolds Plan, soll mit acht weiteren Kommunen eine Gesellschaft mit dem einzigen Ziel gründen, den Klärschlamm der beteiligten Gesellschafter verordnungskonform zu entsorgen. Favorisierte Option ist der Bau einer sogenannten Monoverbrennungsanlage in Hildesheim, aus deren Asche – wie vom Gesetzgeber gewünscht – Phosphor gewonnen werden kann. Dieser wird danach wiederum der Düngemittelproduktion zugeführt.

Pläne in Hannover sind für Langenhagen keine Lösung

Intention der neuen Verordnung ist, der bisherigen Überdüngung der Felder und damit des Grundwassers entgegen zu treten. Beteiligt wären an dieser Gesellschaft neben Langenhagen nach derzeitigem Stand die Kommunen Barsinghausen, Celle, Göttingen, Hameln, Hildesheim, Peine, Salzgitter und Verden/Aller. Auch die Stadt Hannover plant mit ihren Stadtwerken eine vergleichbare Verbrennungsmöglichkeit. An dieser aber könne sich Langenhagen nicht beteiligen. „Für diese Anlage müssten wir unseren Klärschlamm vortrocknen“, sagte Bosold jetzt im Gespräch mit dieser Zeitung. Dafür habe Langenhagen aber zum einen keinen Platz auf dem Betriebsgelände der Kläranlage, zum anderen bedürfe es dafür enormer Energie. „Hannover nutzt die eigene Abwärme an Ort und Stelle dafür.“

Da Langenhagens Kläranlage mit dem Abwasser aus der Stadt selbst sowie aus Isernhagen und dem zu Hannover gehörenden Teil von Isernhagen-Süd pro Jahr 6400 Tonnen maschinell entwässerten Klärschlamms produziert, gehört sie laut Bosold im Bundesvergleich „zu den größeren Einheiten“, wenn auch dort zu den dann eher kleinen. Deshalb muss Langenhagen per Verordnung bis 2023 ein Konzept zur künftigen Entsorgung vorlegen. Nach Bosolds Einschätzung darf Langenhagen jedoch keine Zeit verlieren. „Die Entsorger haben verstärkt Probleme, den Klärschlamm unterzubringen“, heißt es in der von Bosold ausführlich aufbereiteten Drucksache 2018/317. „Die Betreiber der Kläranlagen haben ihrerseits zunehmend Probleme, überhaupt einen zuverlässigen Entsorger zu finden.“ Entsprechend sprunghaft nach oben entwickelten sich die Preise für die Entsorgung des Klärschlamms.

Seit Mai wird Klärschlamm in Bernburg verbrannt

Ursachen dieser Entwicklung seien die immer geringere Zahl an Kohlekraftwerken, die fehlenden technischen Voraussetzungen existierender Müllverbrennungsanlagen, Klärschlamm mitzuverbrennen und – wie vorgeschrieben – den Phosphor aus der Asche zu generieren, überdies existiere aktuell in Niedersachsen keine einzige Verbrennungsanlage speziell für Klärschlamm. „Die bestehenden derartigen Anlagen in anderen Bundesländern sind ausgelastet und haben keine freien Kapazitäten.“ Langenhagen lässt seit Mai dieses Jahres seinen kompletten Klärschlamm in einem Zementwerk in Bernburg verbrennen. Auf die Ausschreibung für eine Ausbringung auf landwirtschaftliche Flächen habe sich seinerzeit niemand gemeldet.

Aufgrund der aktuell technisch erprobten Verfahren und der zu erwartenden rechtlichen Entwicklung, plädiert Bosold mit den potentiellen Mitgesellschaftern derzeit für den Bau einer Monoverbrennungsanlage in unmittelbarer Nachbarschaft der Kläranlage in Hildesheim. Dieser Standort sei in einem Hamburger Beratungsunternehmen begleiteten Auswahlverfahren aus 40 möglichen Optionen ausgewählt worden.

Information: Der Finanzausschuss berät über dieses Vorhaben in seiner Sitzung am Dienstag, 18. September, von 17.45 Uhr an im Ratssaal. Für die Gesellschaft, die nach Plan am 1. Januar 2019 gegründet werden soll, würde die SE 5000 Euro zur Stammeinlage beisteuern sowie 145.000 Euro als Gesellschaftereinlage für die ersten zwei bis drei Jahre. Beide Beträge würden jedoch aus dem Etat der SE und nicht aus dem städtischen Haushalt entnommen.

Politik hat wohlwollende Fragen

Nach der Vorstellung im Betriebsausschuss Stadtentwässerung fühlt sich Sandra Bosold, Leiterin der Stadtentwässerung Langenhagen (SE), grundsätzlich auf dem richtigen Weg. Mit acht Ja-Stimmung und zwei Enthaltungen haben die Politiker dem Plan einer Gesellschaftsgründung erst einmal Rückenwind verschafft. Gleichwohl bleiben Fragen: Für Felicitas Weck (Linke) ist es derzeit zu früh, sich auf eine Monoverbrennungsanlage festzulegen. Sie verweist auf mehrere Machbarkeitsstudien für Verfahren, die sich unter Umständen als umweltverträglicher erweisen könnten. Bosold widerspricht dem nicht, verweist aber auf bislang fehlende Erfahrungen und eine zu erwartende Rechtsprechung, die in eine andere Richtung weise. Andreas Eilers (WAL) stellt sich die Frage, ob eine zu planende Verbrennungsanlage nicht in größeren Dimensionen gedacht werden müsse, um freie Kapazitäten vermarkten und darüber für die Stadt Zusatzeinnahmen erzielen zu können. Eilers beklagt zudem zu geringe Einflussmöglichkeiten seitens Langenhagen in der zu gründenden Gesellschaft. Bosold wird auch dazu gegebenenfalls im Finanzausschuss Fragen beantworten, gibt allerdings auf Nachfrage schon einmal Entwarnung: „Bis zur Ausschreibung und der konkreten Planung einer Anlage hat Langenhagen in jedem Fall eine Ausstiegsmöglichkeit.“

Von Rebekka Neander

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