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Barsinghausen Trinkwasserengpass: Situation hat sich leicht entspannt
Umland Barsinghausen Trinkwasserengpass: Situation hat sich leicht entspannt
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00:17 28.07.2018
Das Grundwasserwerk Eckerde ist technisch veraltet und soll möglichst schnell von einem Neubau auf dem Nachbargrundstück ersetzt werden. Quelle: Archiv (Kannegießer)
Barsinghausen/Eckerde

Die Versorgungskrise beim Trinkwasser in Barsinghausen hat sich zur Wochenmitte hin leicht entspannt. Nach Mitteilung der Stadtwerke sind am Dienstag binnen 24 Stunden 6700 Kubikmeter Trinkwasser verbraucht worden – das sind 800 Kubikmeter weniger als noch am Vortag. Die Stadtwerke-Führung geht davon aus, dass die Appelle zum Wassersparen und den Verzicht auf die Garten- und Sportplatzbewässerung gefruchtet haben. Mit 6700 Kubikmetern Abgabemenge bewegten sich die Stadtwerke „ziemlich am Limit“, sagt deren Geschäftsführer Jochen Möller. „Aber wir hoffen, dass wir das irgendwie hinkriegen.“

Am Dienstag hatte es Krisengespräche gegeben, bei denen die Stadtwerke-Verantwortlichen diskutiert haben, welche Optionen es gibt, falls der Wasserverbrauch längere Zeit die Aufbereitungskapazitäten des Versorgungsunternehmens übersteigen sollten. „Wir hätten nur die Möglichkeit, einzelne Ortsteile zeitweise vom Versorgungsnetz abzuschiebern“, sagt Möller. Allerdings sei das nicht nur für Betroffene schwierig, sondern auch technisch „nicht unkompliziert“. Sobald kein Druck auf den Versorgungsleitungen sei, drohe Fremdwasser von außen einzudringen, erläutert der Stadtwerke-Chef. Die Folge: Die hohen lebensmittelrechtlichen Standards für das Trinkwasser könnten unmittelbar nach dem Versorgungsstopp nicht gewährleistet werden. „Wir müssten den Bürgern sagen, dass das Wasser zum Trinken vorübergehend nicht geeignet ist“, sagt Möller.

Die Versorgungsprobleme im Barsinghäuser Stadtgebiet sind eine Folge der begrenzten Kapazität im Grundwasserwerk Eckerde. Dort könnte aus den Tiefbrunnen zwar deutlich mehr Grundwasser an die Oberfläche gepumpt werden als zurzeit, allerdings kann das Werk nur maximal rund 5000 Kubikmeter täglich enthärten und aufbereiten. Umso dringlicher ist aus Sicht der Stadtwerke-Verantwortlichen der geplante Neubau des Wasserwerks. Den Grundsatzbeschluss hat der Aufsichtsrat des Versorgers längst gefasst, nun soll das Gremium in den nächsten Monate den Planungsstart freigeben. Nach Einschätzung von Möller könnte es vom Beginn der Ausschreibung des Projekts an etwa zweieinhalb Jahre dauern, bis das neue Werk mit deutlich erweiterter Kapazität in Betrieb gehen könnte. Auch das Speichervolumen wird dann deutlich größer sein: Statt 1000 Kubikmeter Wasser wie bisher sollen im neuen Werk mindestens 3000 Kubikmeter Trinkwasser zwischengelagert werden können.

Das Barsinghäuser Trinkwasser-Leitungsnetz ist an zwei Stellen mit benachbarten Versorgungsnetzen verbunden. Vom Wasserwerk Eckerde aus führt eine Leitung nach Langreder zum Netz der Harzwasserwerke. Von dort fließe dauerhaft Wasser ins Barsinghäuser Netz zu, sagt Möller. Allerdings sei die Leitung mit maximal 20 Kubikmeter Kapazität pro Stunde „leider viel zu klein dimensioniert“. Binnen eines Jahres können die Stadtwerke demnach etwa 100.000 Kubikmeter Trinkwasser von den Harzwasserwerken beziehen. „Das ist nur ein Sechzehntel unserer Gesamtabgabemenge“, sagt Möller.

Die zweite Verbindung besteht in Landringhausen zum Netz des Wasserverbandes Nordschaumburg. Auch diese Leitung hat nach Stadtwerke-Angaben nur eine sehr begrenzte Kapazität. Zudem hat das Nachbarunternehmen derzeit selbst mit Engpässen zu kämpfen und kann kein Trinkwasser an die Barsinghäuser Stadtwerke abgeben.

Experte: Trockener Rasen erholt sich wieder

Was können Gartenbesitzer tun, um Wasser zu sparen und dennoch das Überleben ihrer Pflanzen in der lange anhaltenden Trockenperiode zu sichern? Der städtische Experte Rainer Bernsdorff vom Fachdienst Tiefbau sieht die geringsten Probleme bei trockenem Zierrasen, der langsam braun wird: „Der wird vermutlich wieder durchtreiben, wenn endlich Regen fällt“, sagt der Garten- und Landschaftsbaumeister und -techniker. Schwieriger sei die Situation bei Jungpflanzen, die noch keine tiefen Wurzeln gebildet haben. Er empfiehlt einen „moderaten Rückschnitt“. So könne die Verdunstungsfläche verringert werden. Wer seinen Pflanzen Wasser gibt, solle das unbedingt in den Abendstunden tun, um Verdunstungsverluste zu vermeiden, sagt Bernsdorff. Er empfiehlt, Wasser nach Möglichkeit in Regentonnen oder Zisternen zu sammeln, um kein Trinkwasser zum Gießen einsetzen zu müssen. „Aber die meisten Tonnen sind inzwischen fast leer.“

Der städtische Baubetriebshof hat das Wässern von öffentlichem Grün und Jungpflanzen im Zuge der Versorgungskrise eingeschränkt, aber nicht ganz aufgegeben. Besonders empfindliche Pflanzen erhalten weiterhin ihre Wasserration. „Es sind Werte, für die wir verantwortlich sind“, sagt Bernsdorff. „Außerdem wären alle bisherigen Bemühungen umsonst gewesen, wenn wir jetzt ganz aufhören würden.“

Von Andreas Kannegießer

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