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Burgdorf Mörder sagt in Prozess als Raubopfer aus
Umland Burgdorf Mörder sagt in Prozess als Raubopfer aus
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00:20 13.01.2019
Das Jugendschöffengericht am Amtsgericht Burgdorf verhandelt den Fall, weil das Opfer zur Tatzeit minderjährig war. Quelle: Joachim Dege (Archiv)
Burgdorf

Wegen Raubes und Körperverletzung muss sich seit Mittwoch ein 24 Jahre alter Mann vor dem Jugendschöffengericht des Amtsgerichts verantworten. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Angeklagten vor, dass er mit einem Komplizen einen damals Minderjährigen im Parkhaus am Bahnhof vor einem Jahr überfallen und und um seine Habe gebracht hat. Beim Opfer handelt es sich um den jungen Mann, den das Landgericht Anfang dieser Woche erst wegen Mordes zu acht Jahren Gefängnis verurteilte, weil er mit einem gestohlenen Mercedes in der Fußgängerzone in Hannover einen Obdachlosen anfuhr und tötete.

Der Angeklagte, ein Flüchtling aus dem Irak und bei Polizei und Gericht kein Unbekannter, bestreitet jede Tatbeteiligung. Die Beweislast aber ist nach den Worten des Vorsitzenden Richters Klaus von Tiling erdrückend. Weshalb der Richter dem Mann auf der Anklagebank riet, reinen Tisch zu machen. Ein Geständnis habe schließlich strafmildernde Wirkung.

Doch es war nichts zu machen. Der Angeklagte blieb dabei, dass er unschuldig sei. Das Opfer identifizierte den 24-Jährigen im Gerichtssaal allerdings zweifelsfrei als einen der beiden Schläger und Räuber, die ihn in der Januar-Nacht vor einem Jahr im Parkhaus unvermittelt zu Boden schlugen, dann mit Fußtritten gegen den Kopf und in den Bauch brutal auf ihn eintraten, um schließlich mit seinem Rucksack Richtung Innenstadt zu flüchten.

Für die Flucht gibt es zwei Zeugen. Einer von ihnen sagte aus, dass einer der Täter eine Arbeitsjacke trug und wie der Angeklagte sehr dichtes schwarzes Haupthaar und einen Vollbart hatte. Dem Gericht liegen zudem Bilder einer Überwachungskamera vor, die den Angeklagten und seinen Begleiter in der S-Bahn von Hannover nach Burgdorf zeigen. Darauf trägt der Angeklagte Arbeitskleidung einer Elektrofirma.

Das von Wachtmeistern in Handschellen in den Gerichtssaal geführte Opfer, das in jener Nacht ebenfalls mit der S-Bahn von Hannover nach Burgdorf fuhr, will im Bahnhofsbereich mit dem Räuberduo ins Gespräch gekommen sein. Alle drei begaben sich auf das Parkdeck, rauchten und sprachen miteinander. „Das war ein normales Gespräch. Ich habe nicht gedacht, dass sowas passiert.“ Ohne Vorwarnung setzte es den ersten Schlag. Später blutete er heftig. Die beiden Zeugen alarmierten Polizei. Ein Rettungswagen brachte den jungen Mann ins Krankenhaus.

Weil der Angeklagte Arbeitsschuhe mit Stahlkappen trug und das Opfer sich sicher ist, dass auch der 24-Jährige zutrat, könnte der Fall noch vor dem Landgericht landen. Sollten sich die Opferangaben als korrekt erweisen, wäre das es kein Raub mehr, sondern schwerer Raub – weil ein gefährliches Werkzeug zum Einsatz kam. Angesichts der dann höheren Straferwartung müsste Richter von Tiling den Fall an die nächste Instanz weiterleiten. Vor einer Entscheidung will er aber noch einen vom Angeklagten benannten angeblichen Entlastungszeugen anhören. Mit diesem will der 24-Jährige in der S-Bahn nach Burgdorf gefahren sein, um unmittelbar den Heimweg anzutreten.

Das Gericht setzt den Prozess am 24. Januar, 14.30 Uhr, fort, um den letzten Zeugen zu hören, der womöglich als Mittäter in Betracht kommt.

Bizarrer Auftritt im Zeugenstand

Der Auftritt des heute 18 Jahre alten Raubopfers im Prozess hatte etwas Bizarres. Im Zeugenstand beantwortete ein kräftiger junger Mann mit Handschellen um die Handgelenke, auffallend leiser Stimme und ohne Belastungseifer nüchtern alle Fragen des Vorsitzenden Richters Klaus von Tiling. Der wusste offenbar nicht, wen er da vor sich sitzen hatte, als er während der Erörterung der Personalien des Zeugen nach dessen Beruf fragte und zur Antwort bekam: „Ich bin in Haft.“ Das sei ja nun nicht gerade eine Berufsangabe: Weshalb er denn in Haft sei, wollte der Richter noch wissen. – „Mord“, entgegnete der 18-Jährige knapp. Unweigerlich trat Stille ein, die erst der Zeuge mit dem Zusatz durchbrach: „Ich habe vor drei Tagen mein Urteil bekommen. Ich gehe in Revision.“

Von Joachim Dege

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