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Burgdorf Kitas: Land genehmigt weitere Fachkräfte
Umland Burgdorf Kitas: Land genehmigt weitere Fachkräfte
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16:06 13.07.2018
Kita-Leiterin Ilona Bormann (Zweite von links) spricht mit der SPD-Landtagsabgeordneten Silke Lesemann, dem SPD-Bürgermeisterkandidaten Matthias Paul, den SPD-Landtagsabgeordneten Thordies Hanisch und Stefan Politze sowie Knud Hendricks, stellvertretender Vorsitzender der AWO Region Hannover, über Herausforderungen im Kita-Alltag. Quelle: Antje Bismark
Burgdorf

Mit einer dauerhaften Unterstützung für zusätzliche Fachkräfte können Kindertagesstätten wie die AWO-Kita am Schwüblingser Weg rechnen: Diese Zusage gab jetzt die SPD-Landtagsabgeordnete Thordies Hanisch, die gemeinsam mit anderen SPD-Politikern während einer Sommertour die Einrichtung besuchte. Dort betreuen 19 pädagogische Mitarbeiter bis zu 30 Krippenkinder sowie mehr als 90 Jungen und Mädchen zwischen drei und sechs Jahren, wie Leiterin Ilona Bormann sagte. Burgdorf erhält nach Aussage von Hanisch insgesamt 153.200 Euro für die zusätzlichen Fachkräfte.

Bormann nutzte den Besuch, um den Politikern den Kita-Alltag zu erklären – mit Sternen, die positive Aspekte symbolisieren, und mit Steinen als Symbol für mühsame Arbeit, die die Erzieher Tag für Tag ameisengleich bewältigen müssen. „Nicht alles ist schlecht in Niedersachsen“, betonte Bormann mit Verweis auf eine dritte Fachkraft für Krippengruppen und die Beitragsfreiheit für Kitas. Lob gab es auch für die Stadt, deren Mitarbeiter alle Träger gleichberechtigt behandelten und ihnen auf Augenhöhe unter anderem Fortbildung oder den Fachaustausch ermöglichten.

Bormann und ihre Stellvertreterin Bianca Ruttloff erläuterten bei einem Rundgang durch das Gebäude aber auch, an welchen Stellen sie dringenden Handlungsbedarf sehen. „Eine dritte Kraft in der Gruppe erfordert mehr Vorbereitungszeit und Absprachen, um Missverständnisse zu vermeiden“, berichtete die Leiterin aus Erfahrung. Ihr Wunsch lautet deshalb: „Wir brauchen kleinere Gruppen mit zwei Kräften.“ Dem erteilte der bildungspolitische Sprecher Stefan Politze eine klare Absage: „Damit bringen wir die Kommunen und Träger in noch mehr Schwierigkeiten.“

Denn diese bauten immer neue Einrichtungen, ohne den wachsenden Bedarf decken zu können. Bei zusätzlichen Gruppen, wie Bormann sie fordere, verschärfe sich die Situation. „Den Fachkraft-Kind-Schlüssel aber können wir verbessern“, sagte Politze in bestem Verwaltungsdeutsch und schob als Erklärung hinterher, dass die Landesregierung die Stellen der sogenannten Quik-Kräfte (Qualität im Kindergarten), die derzeit bis 31. Dezember 2018 befristet sind, dauerhaft in den Kitas installieren werde. „Die Entfristung steht im nächsten Haushalt“, versprach Politze. Auch wenn Bormann einen anderen Weg favorisiert: „Das ist eine gute Nachricht“, sagte sie.

Ihren Angaben zufolge benötigen Einrichtungen wie die am Schwüblingser Weg eine breite Unterstützung angesichts der kulturellen und sprachlichen Vielfalt der Jüngsten und ihrer Eltern sowie veränderter Familienstrukturen. „Wir sehen uns als Lotsen im System“, begründete sie, weshalb sich die Kita als Familienzentrum bezeichne. So vermittele das Team bei Bedarf den Kontakt zu Jugendamt, Schuldnerberatung oder anderen Institutionen. Zugleich müssten die Mitarbeiter feststellen, dass die Familien zunehmend unter großem Druck stünden: „Eltern haben einen hohen Bildungsanspruch und möchten gern schon in der Kita den Grundstein fürs Abitur legen.“ Dabei brauchten Kinder Zeit, um sich entwickeln zu können. Und noch einen Trend beobachten Bormann und Ruttloff: Familien wollen viel Verantwortung an die Kitas übergeben.

Diese Gemengelage erfordere viele Gespräche mit den Eltern, sagte die Leiterin – eine zusätzliche Belastung, für die es eigentlich keine Verfügungszeit gebe. „Umso erfreulicher sind die regelmäßigen Elterngespräche und Lesevormittag mit den Müttern und Vätern“, lobte Hanisch die Einrichtung.

AWO warnt vor personellem Engpass

Mit deutlichen Worten hat Knud Hendricks, stellvertretender Vorsitzender der AWO Region Hannover, auf die Personalnot hingewiesen: „Wir beschäftigen gut 800 Mitarbeiter. Eigentlich. Denn 52 Stellen können wir in unserem Bereich nicht besetzen.“ Das bedeute im schlimmsten Fall, dass bestimmte Gruppen zum 1. August nicht starten können – obwohl der Bedarf bestehe und die Räume dafür gebaut seien. „Natürlich ist es richtig, eine Qualitätsdebatte zu führen“, sagte er in Richtung der Landespolitiker. Aber: „Niemand darf den Ist-Zustand ignorieren.“ Deshalb müsse das Land über neue Schulen für Erzieher nachdenken und diese genehmigen sowie die Hürden für Quereinsteiger reduzieren.

Nach Aussage von Kita-Leiterin Ilona Bormann startet ihre Einrichtung mit dem kompletten Personal ins neue Kita-Jahr. „Das gelingt, weil Burgdorf noch in der Region liegt, aber nicht an Hannover grenzt“, sagte Hendricks: „Die Landeshauptstadt zahlt ihren Beschäftigten schlicht mehr.“ Bormann forderte mit Blick auf den „dramatischen Fachkräftemangel“, dass das Land eine Ausbildungsvergütung zahlen müsse. Die Einrichtungen wiederum benötigten für eine praxisnahe Ausbildung das notwendige Handwerkszeug und Vorbereitungszeit.

Mit Kinderliedern gegen die Sprachlosigkeit

Aus Polen, Vietnam, Italien und Russland kommen einige Mädchen aus der Gruppe von Bianca Ruttloff. „Damit stellt sich für uns die Frage, wie wir miteinander in Kontakt kommen können“, sagt die stellvertretende Kita-Leiterin. Denn: Längst nicht alle Eltern verstünden oder sprächen Deutsch, die Kinder würden dies lernen – aber das dauere eben seine Zeit. Deshalb gebe es anstelle der früheren Elternbriefe inzwischen Elternbilder, um den Kita-Alltag zu visualisieren. Mitunter greife das Team auch auf die Unterstützung von ehrenamtlichen Dolmetschern zurück. „Aber damit kommen wir an Grenzen, wenn es kritische Gespräche werden oder es um Details im Familienleben geht“, ergänzt Matthias Paul, Pastor in der Südstadt und zudem SPD-Bürgermeisterkandidat.

Für Kinder, die Deutsch nicht als erste Sprache lernen, nutze die Kita ganz unterschiedliche Förderprogramme, sagt Leiterin Ilona Bormann. Dank einer finanziellen Unterstützung der Stadt habe ihr Haus intensiv mit dem Burgdorfer Liedermacher Matthias Lück zusammengearbeitet, dessen Songs die Kinder beherrschen – und dank der sie Phonologie, Rhythmik, Takt, Wortschatz sehr spielerisch lernten. „Wir sehen Musik und Bewegung als Sprachförderung an.“ Ein weiterer Baustein sei die Kleingruppenarbeit mit einer Logopädin, die „alltagsbasiert“ die Jungen und Mädchen zum Sprechen animiere. Aber, betont Bormann: „Wortschatz und Grammatik fehlt auch bei Kindern, die Deutsch als erste Sprache haben.“

Von Antje Bismark

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