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Burgdorf Schwarzer Herzog wandelt sich in Mietshaus
Umland Burgdorf Schwarzer Herzog wandelt sich in Mietshaus
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14:30 13.09.2018
Ende einer Gastronomie-Brache: Das Hotel Schwarzer Herzog hat einen neuen Eigentümer, der das Gebäude in diesen Tagen ausräumen lässt. Quelle: Joachim Dege
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Burgdorf

Seit Jahren schon pausiert der Hotel- und Gaststättenbetrieb im Schwarzen Herzog – seit 1. September steht fest: Er gehört ab sofort der Stadtgeschichte an. Denn anstelle von Hotelgästen für wenige Nächte ziehen künftig Mieter in das historische Gebäude an der Immenser Straße. Anna Suhanova und Eike Faeser haben das Haus mit dem markanten Turm gekauft. Für eine sechsstellige Summe baut das Paar Mietwohnungen. Dazu nutzt es weitgehend die bestehende Raumaufteilung, wie Suhanova sagt.

„Wir haben uns gleich in das Gebäude verliebt“, schwärmt Suhanova, deren Vater Nikolaj mit seiner gleichnamigen Firma den Innenausbau übernimmt. Über ihn bestehe eine große Affinität zu Häusern mit einem ganz eigenen Charme. Den bescheinigt sie auch dem einstigen Hotel, dessen Fassaden erhalten bleiben. Mehr noch: Die Wohnungen bekommen Bezeichnungen, die an das Hotel erinnern sollen. Suhanova nennt als Beispiel den einstigen Schankraum mit Saal und Küche. Dort entsteht nach den jetzigen Plänen eine Drei-Zimmer-Wohnung mit den typischen großen Fenstern, den vorhandenen Stufen zwischen den Räumen – und mit der Bezeichnung: Wohnung Kneipe. Im Obergeschoss findet sich wiederum die Wohnung Turm, weil sie eben jenen markanten Anbau umfasst. Und das Gesamtprojekt trägt den Titel Wohnen im Schwarzen Herzog.

Im Juli unterschrieben Suhanova und Faeser den Kaufvertrag mit den Alteigentümern, der Familie Rokahr. Am 1. September folgte die Schlüsselübergabe. Seitdem räumen Arbeiter die Einrichtungsgegenstände heraus. „Es war schon sehr skurril: Als wir die Zimmer betraten, waren die Betten noch mit weißen, gestärkten Decken bezogen“, sagt Suhanova. Ihren Angaben zufolge sollen gut erhaltene Teile nicht entsorgt, sondern Bedürftigen zur Verfügung gestellt werden. Gleiches gelte für das Inventar wie Gläser, Tassen und Besteck. Für den großen Tresen indes gebe es den ersten Interessenten.

Am 1. September haben die Umbauarbeiten im Schwarzen Herzog begonnen – bis zu diesem Zeitpunkt versprühte das Haus mitsamt seiner Einrichtung noch den Charme vergangener Jahrzehnte.

Nach dem Ausräumen folgt der Innenausbau: „Wir nutzen dazu die bestehenden Wände“, sagt Suhanova, die zwei Wochen nach dem Baustart bereits die ersten Besichtigungen mit Schornsteinfeger und Klempner organisiert hat. Trotz des von Anfang an hohen Tempos geht sie davon aus, dass die drei Wohnungen im Erd- und Obergeschoss sowie eine weitere im Dachgeschoss erst in acht Monaten bezogen werden können. „Sie werden vermietet“, kündigt sie an und hofft auf Interessenten, die eine besondere Wohnung schätzen.

Überrascht sind die Bauherren von der Resonanz, die die Bauarbeiten bei den Burgdorfern ausgelöst haben. „Viele schauen rein oder sprechen uns an, weil sie wissen wollen, wie es weitergeht. Andere erzählen etwas aus der Geschichte des Hauses“, berichtet Suhanova.

Mehr Bilder auf haz.de/herzog

Schmiede, Kolonialwarenhandel, Gastwirtschaft

Der Name des Hotels geht auf den Schwarzen Herzog, Friedrich-Wilhelm I. von Braunschweig-Lüneburg-Oels, zurück. Der lagerte am 2. August 1809 vor den Toren Burgdorfs mit seinem Freikorps, der Schwarzen Schar. Daran erinnert ein Gedenkstein an der Immenser Straße. Ein zweites Mal übernachtete der sagenumwobene Freiheitskämpfer in der Stadt nach seiner Rückkehr aus dem englischen Exil am 21. Dezember 1813.

In den folgenden Jahren erlebte das Grundstück immer neue Eigentümer, wie Jürgen Mollenhauer in den Zeitgeschichtlichen Heften der Stadt Burgdorf beschreibt. Erst 1907 erteilte der Magistrat dem Besitzer Schinkel die Erlaubnis, ein Haus zu bauen. Daran öffnete zunächst ein Kolonialwarenhandel. Es folgten ein Stall samt Schmiede. Vor 90 Jahren erwarben Friedrich und Emmi Rokahr das Gebäude, sie betrieben den Kolonialwarenhandel, später Flaschenbierverkauf – aber eine Gastwirtschaft genehmigte die Stadt nicht. Das gelang erst 1953. In den 1960-er Jahren übernahmen Heinrich und Rosemarie Rokahr das Unternehmen. Sie ließen 1976 die ersten Fremdenzimmer bauen. Beide setzten sich 2001 zur Ruhe, wechselnde Pächter folgen. Wenige Jahre später schloss das Hotel.

Von Antje Bismark

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