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Burgdorf IGS-Oberstufe: Entscheidung aufgeschoben
Umland Burgdorf IGS-Oberstufe: Entscheidung aufgeschoben
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00:18 08.12.2018
Etliche Schüler zeigten mit selbst gebastelten Plakaten und Tafeln, was sie von der Politik erwarten. Quelle: Joachim Dege
Burgdorf

Ob die IGS zum Schuljahr 2021/2022 eine Oberstufe bekommt oder nicht, ist nach wie vor offen. Der Schulausschuss des Rates hat am Dienstagabend nach fünfeinhalbstündiger IGS-Debatte keine Entscheidung darüber getroffen, ob die Stadt als Schulträger bei der Landesschulbehörde einen entsprechenden Antrag stellen soll. Bei der Abstimmung gab es ein Patt.

So voller Menschen war der Ratssaal bei einer Ausschusssitzung noch selten: Mehr als 100 Zuhörer – Schüler, Eltern und Lehrer – waren ins Schloss geeilt, um zu hören, was die Kommunalpolitiker über die IGS denken und wie sie entscheiden werden. Zu einer Vorentscheidung über die von der Schule herbeigesehnte und der Stadtverwaltung vorgeschlagene Einführung einer Oberstufe allerdings kam es am Ende nicht. Fünf Befürworter und fünf Gegner hielten sich bei der Abstimmung die Waage, auch weil sich die Lehrervertreterin Felicitas Kittel und der Schülervertreter Mikhail Kasiyanov der Stimme enthielten.

Mehr als 100 Schüler, Eltern und Lehrer verfolgten die Debatte der Kommunalpolitiker zur IGS im Ratssaal. Quelle: Joachim Dege

Sprecher beider Lager lieferten sich eine stellenweise hoch emotionale Redeschlacht, die immer wieder unterbrochen wurde von Zustimmungsbezeugungen und Empörungsbekundungen aus dem Publikum. Die Fraktion der Befürworter bildeten SPD, Grüne, Freie Burgdorfer (FB) und der vom Stadtelternrat entsandte Eltervertreter im Schulausschuss. Die Gegenposition bezogen CDU, FDP, WGS und AfD.

Flammende Plädoyers für die Oberstufe hielten FB-Fraktionschef Rüdiger Nijenhof und Elternvertreter Günter Eggers. Nijenhof argumentierte, dass die IGS ohne Oberstufe in Wahrheit nur eine Oberschule sei. Eine solche aber lehne er ab. Vielmehr forderte er, die Schule ihrer Pädagogik entsprechend auszustatten, damit sie ihre dafür begabten Schüler bis zum Abitur führen könne. Eggers ging noch weiter: Er bescheinigte der IGS, dass sie die Potenziale von Schülern, bei denen der Knoten womöglich später platzt als bei Gymnasiasten, mit ihrem differenzierten Unterrichtsangeboten besser heben könne. Eine Oberstufe werde obendrein eine Sogwirkung entfalten, sagte der Elternvertreter mit Blick auf die Nachbarkommune Uetze, die sich dafür entschieden hat, dass ihre eigene IGS keine Oberstufe bekommen soll. Lehrervertreterin Kittel, die am Gymnasium unterrichtet, räumte immerhin ein, dass die Schule mit einer Oberstufe für gute Lehrer attraktiver sei.

CDU-Fraktionschef und Bürgermeister-Kandidat Armin Pollehn nannte als Gegenargument die Kosten. Der IGS-Neubau werde mit einer Oberstufe vier bis fünf Millionen Euro mehr kosten als ohne – Geld, das die Stadt nicht habe. Außerdem gebe es am Gymnasium und an den BBS-Fachgymnasien Wirtschaft und Technik bereits Oberstufen. Er riet der IGS, mit diesen zu kooperieren. Eine eigene IGS-Oberstufe dagegen entzöge den bestehenden Oberstufen Schüler, sodass deren Profilangebote Schaden nähmen. Diese Sorge teilten auch Schülervertreter Mikhail Kasiyanov und Lehrervertreterin Kittel. Aus den gleichen Gründen wie Pollehn sprach sich FDP-Ratsherr Thomas Dreeskornfeld gegen die Oberstufe aus. Auch WGS-Fraktionsvorsitzender Kurt-Ulrich Schulz opponierte dagegen, weil die Stadt bei Grundschulen in der Südstadt (Neubau) und in Otze (Anbau) im Wort stehe.

Der Schulausschuss sprach am Ende für den Rat keine Empfehlung aus. Das bleibt jetzt dem Verwaltungsausschuss vorbehalten, bevor der Rat am 13. Dezember das letzte Wort hat. Dort gibt es rein rechnerisch eine Mehrheit von einer Stimme pro Oberstufe. Denn auch der Linke Michael Fleischmann lehnt die Oberstufe ab.

Kurz vor der gemeinsamen Sitzung von Bau- und Schulausschuss des Rates zum IGS-Neubau und zur Oberstufe haben sich die Ortsvorsteher von Beinhorn, Dachtmissen, Heeßel, Hülptingsen und Weferlingsen, ferner die Ortsbürgermeister aus Otze und Schillerslage sowie Ortsratsmitglieder der CDU aus Ehlershausen schriftlich an die Ausschussmitglieder gewandt mit der Bitte, noch keine Entscheidungen zu treffen. Jedenfalls noch nicht jetzt. Erst müsse geklärt sein, welche Bauprojekte die Stadt in welcher Reihenfolge angeht, zumal auch die Ortsteile betroffen seien. Die von der Stadtverwaltung vorgeschlagene Reihenfolge, zugunsten der IGS den Neubau Pausewang-Schule und den Anbau an die Grundschule in Otze sowie den Anbau für die Kita in Ehlershausen zurückzustellen, sei politisch noch längst nicht entschieden.

Von Joachim Dege

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