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Burgdorf Frau misshandelt, Amt betrogen
Umland Burgdorf Frau misshandelt, Amt betrogen
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16:58 10.09.2018
Amtsgericht Burgdorf. Quelle: Joachim Dege
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Burgdorf

Immer wenn er trinkt, rastet er aus: Zuletzt schlug der 44-Jährige in einer durchzechten Dezembernacht seine Frau und den Stiefsohn zu Boden. Dann widersetzte er sich der Polizei, die ihn festnehmen wollte. Mehr noch: Vergangenes Jahr ergaunerte er sich 1111,07 Euro vom Arbeitsamt, weil er eine Nebentätigkeit nicht angab – Betrug durch Unterlassung. Das Amtsgericht verurteilte den Mann am Montag zu einer Freiheitsstrafe von fünf Monaten. Eine Bewährungsstrafe kam für Strafrichterin Stephanie Rohe nicht in Betracht, weil der Mann noch zweifach unter Bewährung stand, als er wieder straffällig geworden war.

Zehn Zeugen hatte das Gericht geladen, um die Straftaten aufzuklären. Im Fall des Betrugs herrschte schnell Klarheit: Den räumte der 44-Jährige nämlich frank und frei ein. Er hatte einen Job angenommen, die Einkünfte aber nicht angegeben, obwohl er von der Arbeitsagentur Geld zum Lebensunterhalt ausgezahlt bekam, das ihm in der Höhe freilich nicht zustand. Aufgefallen war das, weil die Behörde ihre Daten mit denen der Krankenkasse abglich.

Komplizierter geriet die Wahrheitsfindung in den angeklagten Fällen von Körperverletzung und Widerstand gegen Polizeibeamte. Den Körperverletzungen war juristisch nicht beizukommen. Die Opfer machten als Familienangehörige von ihrem Zeugnisverweigerungsrecht Gebrauch. Das war insofern bedeutsam, weil das Gericht damit auch die Zeugenaussage der geschlagenen Ehefrau bei der Polizei nicht verwerten durfte. Und der Angeklagte? Der gab vor, keine Erinnerung mehr zu besitzen an die unselige Winternacht, in der er nach einer Kneipentour seine Frau auf offener Straße niedergebrüllt und zu Boden geschlagen haben sollte, wie ein Zeuge vom Balkon seiner Wohnung beobachtet haben wollte. Weil der Zeuge von seinem Aussichtsposten zwar das Geschrei vernommen hatte, die Schläge aber eher als gescheiterte Züchtigungsversuche schilderte, stellte das Gericht in Abstimmung mit der Staatsanwaltschaft diese Verfahren vorläufig ein.

23 Einträge stehen im Strafregister

Immerhin war die Polizei der Frau zu Hilfe geeilt, mit ihr zu ihrer Wohnung in der Weststadt gefahren, um dort den wütenden Ehemann zu stellen. Der versteckte sich im Gebüsch. Dort entdeckt, streckte er zunächst den Stiefsohn nieder. Dann flüchtete er vor den Beamten durch mehrere Gärten, bis ein Polizist ihn schließlich unter Mühen schnappte. Gegen das Anlegen der Handfesseln wehrte sich der Mann heftig. Nur gewaltsam gelang es, ihn in die Ausnüchterungszelle aufs Revier zu verfrachten.

Der Angeklagte ist kein unbeschriebenes Blatt. 23 Einträge schlagen in seinem Strafregister zu Buche, unter anderem wegen Betrügereien und Körperverletzungen. Zuletzt stand er immer noch unter Bewährung. Und dass er gerade erst ein Antigewalttraining absolviert hatte, als er seiner Frau im Suff erneut gewalttätig zu Leibe rückte, machte die schlechte Sozialprognose komplett. Strafrichterin Stephanie Rohe schickte den Mann ins Gefängnis – obwohl er aktuell einen festen Wohnsitz und einen Arbeitsplatz hat.

Von Joachim Dege

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