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Burgdorf Deutschritter streiten um Hügelgrab
Umland Burgdorf Deutschritter streiten um Hügelgrab
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00:18 06.07.2018
Um diesen Grabhügel auf dem Friedhof in Schillerslage gibt es seit Jahren Streit. Quelle: Stadt Burgdorf
Schillerslage

 Die Stadt Burgdorf und Angehörige eines 2011 verstorbenen Mannes streiten sich seit Jahren über die Höhe seines Grabhügels auf dem Schillerslager Friedhof. Die Familie gehört dem Deutschritterorden an und verweist darauf, dass die Aufschüttung auf den Gräbern ihrer Verstorbenen aufgrund jahrhundertealter Traditionen 40 Zentimeter hoch sein müsse. Die Stadt hat sich bereits bewegt und die Friedhofsordnung großzügig gedehnt, beharrt nun aber darauf, dass eine Vergleichsvereinbarung – mit einer ausgehandelten Grabhöhe von 20 Zentimetern – Bestand haben müsse.

Am Dienstag beschäftigte sich die 1. Kammer des Verwaltungsgerichts Hannover mit dem Fall: Rund anderthalb Stunden dauerte die Verhandlung, die mit einem klaren Urteilsspruch der drei hauptamtlichen und zwei ehrenamtlichen Richter endete. Sohn und Enkelsohn des Verstorbenen müssen 20 Zentimeter Mutterboden und Grasnarbe abtragen, der Hügel in Schillerslage darf nicht höher als 20 Zentimeter sein.

Rechtsanwalt Matthias Doehring, der die Verwandten vertrat, verwies auf Traditionen des Ritterordens, die aus dem 13. Jahrhundert stammen. Konkrete Textstellen, wo etwas über eine Hügelhöhe von 40 Zentimetern vermerkt ist, konnte der Anwalt allerdings nicht vorlegen. Der Vorsitzende Richter Sven-Marcus Süllow spekulierte, ob das Gebot einer „Beisetzung auf erhöhtem Boden“ etwas mit der Aufschüttung des Gabes zu tun haben könne. Er kam zu dem Ergebnis, dass damit wohl eher die Bestattung auf einem Hügel gemeint ist, wo ein Toter dem Himmel näher sei als in einer Senke. Der in Schillerslage zur Ruhe gebettete Verstorbene liege aber nicht höher als die in den Nachbargräbern ruhenden Toten, und mit der Höhe des darüber aufgetürmten Erdreichs habe dies nichts zu tun.

Bis 2014 hatte niemand an dem 40-Zentimeter-Hügel Anstoß genommen, die Stadt verließ sich auf die Zusicherung der Verwandten, das Grab nach drei Jahren den Normen der Friedhofssatzung anzupassen. Doch dann begann ein Hickhack mit Anschreiben, Gesprächen und Ortsterminen, an denen auch der damalige Ortsbürgermeister Manfred Dunker beteiligt war. Angeblich, so die Verwaltung, hätten sich Friedhofsbesucher über das Hügelgrab beschwert, weil es sie Jahr um Jahr an frisch ausgehobene Grabstätten erinnere. Monate währte das Geschacher, ob der Erdhügel künftig 10, 20 oder 30 Zentimeter hoch sein dürfe. Ende 2014 einigte man sich auf 20 Zentimeter Mutterboden plus Rasenhalmhöhe – wovon die Familie 2015 aber nichts mehr wissen wollte. Im Mai 2016 riss der Verwaltung der Geduldsfaden: Sie schickte Sohn und Enkelsohn einen Bescheid, dass sie den Hügel auf 20 Zentimeter Höhe stutzen müssten.

Diesen Bescheid erklärte das Verwaltungsgericht nun für rechtens. Kein Gehör fand der Einwand von Anwalt Doehring, dass Buchs und Bäumchen rund ums Grab doch höher seien als der Hügel und das Gesamtbild des Friedhofs nicht gestört werde durch die Begräbnisstätte des Deutschritterordens. 20 Zentimeter Erdhöhe, so Richter Süllow, seien ein akzeptabler Kompromiss, der sowohl der Religionsfreiheit wie der Friedhofssatzung Rechnung trage. 

Von Michael Zgoll

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