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Burgdorf Der letzte Stellmacher hat 1975 aufgehört
Umland Burgdorf Der letzte Stellmacher hat 1975 aufgehört
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16:14 26.07.2018
Dieses Foto aus der Stellmacherei Menke wird in der Ausstellung "Burgdorf in Schwarz-Weiß" gezeigt. Quelle: Friedrich-Wilhelm Schiller (Repro)
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Burgdorf

In der Ausstellung „Burgdorf in Schwarz-Weiß“ darf eine alte Aufnahme der Stellmacherei Menke nicht fehlen. Die Familie Menke hat das Stellmacherhandwerk bis 1975 im Gebäude Schmiedestraße 6 betrieben. Das Haus ist heute das Stadtmuseum und damit der Ort der Ausstellung.

Das Fachwerkgebäude ist vermutlich in der Zeit von 1632 bis 1658 erbaut worden. Im Laufe der Geschichte wechselte es mehrfach den Eigentümer. 1898 erwarb es der Stellmachermeister Adolf Menke. Damals verlief noch hinter dem Gebäude der offene Wallgraben, in dem sich nicht nur Regen-, sondern auch Abwasser sammelte. 1904 wurde er kanalisiert und zugeschüttet. Die Stellmacherei, in der Räder, Wagen und andere landwirtschaftliche Geräte aus Holz hergestellt und repariert wurden, habe damals wie andere Gebäude eine zweite Einfahrt von der heutigen Straße Am Wall erhalten, berichtet der frühere Stadtführer Erich Rode. Das brachte nach seinen Worten für die Werkstatt einen wesentlichen Vorteil: „Auf der einen Seite konnte man mit dem Wagen rein- und auf der anderen Seite wieder rausfahren.“

„Ich kann mich noch erinnern, dass auf der Straße Am Wall immer mehrere Milchwagen standen, die repariert werden sollten“, erzählt der 83-Jährige. Die Milchwagen hatten vorn einen Aufbau, der den Kutschern als Wetterschutz diente. „Der Aufbau war bei Regen nach den Kinovorstellungen ein beliebter Platz für Liebespaare.“ Bei schönem Wetter seien die Liebespaare nach dem Kino durch den Stadtpark gebummelt.

Im Obergeschoss des Hauses Schmiedestraße 6 gab es zwei Mietwohnungen. „Die hatte Stellmacher Menke vermietet“, erinnert sich Rode.

Als nach dem Zweiten Weltkrieg immer mehr Traktoren die Pferdegespanne in der Landwirtschaft verdrängten, wurden immer weniger herkömmliche Ackerwagen mit Holzrädern und Eisenbereifung benötigt. Das hatte zur Folge, dass die Wagnereien weniger Arbeit hatten. Die Stellmacherei Menke verkleinerte ihren Betrieb nach und nach und schloss ihn 1975 schließlich ganz, berichtet Rode.

Für 1,1 Millionen Euro hat die Stadt Burgdorf das Haus Schmiedestraße 6 sanieren lassen – heute beherbergt es das Stadtmuseum. Quelle: Friedrich-Wilhelm Schiller (Repro)

Danach kaufte die Stadt das Fachwerkgebäude und sanierte es für 1,1 Millionen Euro. Seit dem 9. Dezember 1983 ist das Haus Stadtmuseum.

Zeitzeuge Erich Rode führt durch die Schau

100 Schwarz-Weiß-Fotos erzählen von 100 Jahre Stadtgeschichte. Die Ausstellung „Burgdorf in Schwarz-Weiß“ im Stadtmuseum an der Schmiedestraße ist am Sonnabend und Sonntag, 28. und 29. Juli, jeweils von 14 bis 17 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist frei. Kostenlos für die Besucher ist auch die Teilnahme an einer Führung am Sonntag ab 14.30 Uhr mit Erich Rode. Rode ist ein Zeitzeuge, denn seit seiner Geburt im Jahr 1934 lebt er in Burgdorf. So sind seine Erzählungen oft von persönlichen Erfahrungen geprägt und reich an Anekdoten über die geschichtlichen Hintergründe der ausgestellten Fotos.

Ebenfalls am Sonntag läuft die VVV-Aktion „Wir suchen historische Fotos aus Burgdorf für das Museumsarchiv“. Der Verkehrs- und Verschönerungs-Verein, der das Stadtmuseum betreut und mit Leben erfüllt, ruft die Bürger auf, in eigenen Fotosammlungen nach erhaltenswerten Bildern aus früheren Zeiten zu suchen, auf denen besondere stadtgeschichtliche Ereignisse, wie größere Feste und alte inzwischen aus dem Stadtbild verschwundene Gebäude, festgehalten sind. Diese Aufnahmen können am Sonntag ins Museum mitgebracht werden, wo sie direkt eingescannt und sofort danach an die Besitzer zurückgegeben werden.

Von Friedrich-Wilhelm Schiller

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