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Burgdorf Waldbad: Ärger mit der Neuanpflanzung
Umland Burgdorf Waldbad: Ärger mit der Neuanpflanzung
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00:19 30.07.2018
Die Ausgleichspflanzung mit heimischen Gehölzen ist gut angewachsen, steht aber an der falschen Stelle, moniert die Untere Naturschutzbehörde. Quelle: Dege
Ramlingen

Die Untere Naturschutzbehörde und das Waldbad in Ramlingen sind sich aktuell nicht sonderlich grün. Schuld ist eine als Kompensation vorgesehene Pflanzung heimischer Büsche. Die war fällig geworden nach dem Umbau zum Bio-Bad. Denn der Förderverein hatte für die Filteranlage und ein Beachvolleyballfeld zusätzlich eine ehemalige Pferdeweide angepachtet und die Freibadfläche somit erweitert.

Die vom damaligen Planungsbüro vorgesehene Ausgleichspflanzung ist vier Jahre alt. An ihr sei im Prinzip nichts auszusetzen, steht im Bericht des Sachbearbeiters, der vor zwei Wochen im Waldbad zur Kontrolle auftauchte und alles mit Fotos dokumentierte: Die gewählten Gehölze seien die richtigen, die Abstände der drei Buschreihen stimmten ebenfalls. Und auch angewachsen seien die Pflanzen nachgerade vorbildlich – nur: Sie stünden an der falschen Stelle, gab der Kontrolleur der Fördervereinsvorsitzenden Sabine Scheems-Schnellinger Auskunft, als sie ihn fragte, weshalb er die Büsche fotografiere. Die Büsche dürften nicht neben Neptun-Filter und Volleyball-Feld im Süden der Liegewiese stehen, sondern hätten im Osten zum Wald hin gepflanzt werden müssen als natürliche Barriere zwischen Bad und Landschaftsschutzgebiet. Der Mann wollte nicht ausschließen, dass ein Bußgeld fällig werden könnte.

Das erhitzte mitten in der aktuellen Hitzeperiode zusätzlich die Gemüter des Fördervereinsvorstands, der die Welt nicht mehr verstand. Ja, die Pflanzen stünden nicht dort, wo sie hätten stehen sollen, räumt Scheems-Schnellinger ein. Aber: Dort, wo sie hingesollt hätten, stünden bereits seit 14 Jahren prächtig gewachsene Kirschlorbeerbüsche und schirmten die Liegewiese ab gegen Blicke von außen. Außerdem stehe dort seit den 1970-er Jahren neben einer Tischtennisplatte aus Beton auch noch eine große Buche, unter der nichts als Schatten sei, der wohl kaum das angemessene Wachstumsambiente biete für die Kompensationspflanzung. „Hätten wir den Baum fällen und die Tischtennisplatte abreißen sollen?“, fragt die Vereinsvorsitzende: „Wir haben das Beste aus der Situation gemacht.“

Inzwischen haben sich die Gemüter schon wieder etwas abgekühlt, nachdem Regionssprecher Klaus Abelmann nach Rücksprache mit der Unteren Naturschutzbehörde im Hause klargestellt hat: „Ein Bußgeld wird dies nicht zur Folge haben.“ Die Behörde werde nun prüfen, ob der Standort in der Baugenehmigung verpflichtend vorgeschrieben sei. Falls ja, müsste diese nachträglich geändert werden. „Das lässt sich sicherlich heilen“, so der Regionssprecher.

Im Osten schirmt Kirschlorbeer die Liegewiese gegen Blicke von aßen ab. Die Büsche haben aber im Landschaftsschutzgebiet nichts verloren, sagt die Naturschutzbehörde. Quelle: Dege

Ein Problem freilich bleibt: Der Kirschlorbeer muss weichen. Der Zierstrauch, der sich selbst aussät, habe im Landschaftsschutzgebiet nichts verloren, weil er sich schnell zum Unkraut auswachsen könne. „Dies ist problematisch, wenn sich die Pflanze im Unterholz der Wälder ausbreitet und so die einheimische natürliche Vegetation verdrängt“, lässt die Region wissen. „Damit können wir leben“, entgegnet Scheems-Schnellinger: „Wenn die Region sagt, der Kirschlorbeer muss da weg, machen wir das.“

Es kommen so viele Badegäste wie nie

„Wir sind mit der Saison sehr zufrieden“, sagt Fördervereinsvorsitzende Sabine Scheems-Schnellinger in aller Bescheidenheit. Tatsächlich kommen so viele Badegäste wie nie. An einem Tag in dieser Woche seien es „gefühlt 500“ in dem kleinen Bad gewesen – aus Burgdorf, Hänigsen, Isernhagen und sogar aus Hannover. Alle schätzten bei der aktuellen Hitze den gesunden Erfrischungseffekt im 22 Grad kühlen, chlorfreien Wasser. Zumal die Idylle im Landschaftsschutzgebiet Urlaubsgefühle aufkommen lässt.

Mit zwei Musikveranstaltungen wollen die ehrenamtlich organisieren Bio-Badbetreiber zusätzlich Publikum anlocken: Am Sonntag, 5. August, spielt ab 14 Uhr der Ehlershäuser Barde Daniel Fernholz mit Liedgut „aus der guten, alten Zeit“ auf und erfüllt obendrein Musikwünsche. Am Sonntag, 26. August, herrscht SambaZamba im Waldbad. So heißt die Sambagruppe der Musikschule Ostkreis, die ab 15 Uhr auftritt.

So schön badet es sich chlorfrei inmitten der Natur.

Von Joachim Dege

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