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Burgdorf Hitzefrei im Rathaus
Umland Burgdorf Hitzefrei im Rathaus
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00:17 29.07.2018
Das Bürgerbüro der Stadt bleibt am langen Donnerstag wegen der Hitze geschlossen. Quelle: Sandra Köhler
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Burgdorf

Kurz nach 9 Uhr am Donnerstag kam die Mitteilung per E-Mail: Die Rathäuser und die Stadtbücherei schließen am langen Donnerstag bereits um 16 Uhr. Als Grund nennt Silke Vierke, Leiterin der Hauptabteilung, die Hitze in den Büros der Rathäuser. Die Temperaturen überstiegen dort nachmittags locker die 30 Grad.

Nach den allgemein gültigen Arbeitsstättenrichtlinien müssen Arbeitgeber ihren Mitarbeitern in einem solchen Fall Erleichterung verschaffen. Das sieht ihre Fürsorgepflicht. Da in den Rathäusern Möglichkeiten wie frühzeitiges Lüften und Abdunkeln der Fenster bereits ausgeschöpft seien, bliebe eben nur, die Mitarbeiter früher nach Hause zu schicken. Die Arbeitsstunden bekommen sie laut Vierke aber nicht geschenkt: „Sie werden mit den Überstunden verrechnet.“

Die Führungskraft will nicht ausschließen, dass die Stadt auch bauliche Maßnahmen ergreifen muss, damit die Büros kühler bleiben, „sollten sich solche Hitzeperioden häufen“. Die Stadtbücherei an der Sorgenser Straße wird auch am Freitag bereits um 16 Uhr schließen. In den Rathäusern dauert der Arbeitstag an einem Freitag regulär nur bis 13 Uhr. Auch in den Rathäusern anderer Regionskommunen wie Langenhagen, Laatzen und Neustadt dürfen die Mitarbeiter ihren Arbeitsplatz wegen der Hitze früher verlassen.

Bauarbeiter Anthony Godino freut sich auf der Baustelle am Schützenweg über jeden Moment im Schatten. Quelle: Sandra Köhler

Auf der Baustelle am Wächterstieg gibt es keine verkürzte Arbeitszeit. Dort dauert der Arbeitstag von 7 bis 16.30 Uhr. Ein Knochenjob, der bei dieser Hitze nur mit „viel trinken, sechs bis sieben Liter täglich“ durchzuhalten sei, sagt einer der Arbeiter. Sonst gebe es nicht viele Möglichkeiten, sich die Arbeit leichter zu machen: „ Nur ab und zu eine Pause im Schatten und ein nasses T-Shirt.“ Bei 35 Grad sei die Arbeit körperlich sehr anstrengend.

Auch am Bahnübergang in Ahrbeck, wo die Bahn gerade das Gleisbett erneuern lässt, ist Schwitzen angesagt – nicht nur bei den Bahnarbeitern, sondern auch bei dem über einen Dienstleister dort postierten Schrankenwärter, der den ganzen Tag über darüber wacht, dass den Übergang niemand überquert.

35 Grad zeigt das Thermometer um 13 Uhr in der Küche im Gasthaus Bähre an. „Aber wir arbeiten im Schatten“, flachst Ingmar Bähre: „Wir haben Ventilatoren und einen Abzug, sonst bleibt nur: viel trinken.“ Er habe schon erwogen, mittags zu schließen. Zumal zurzeit nicht so viele Gäste kämen. „Aber dann steht doch wer vor der Tür. Und das wollen wir den Leuten nicht antun.“

Morgens gut lüften, tagsüber abdunkeln, nach Möglichkeit eher mit der Arbeit beginnen und früher aufhören, dazu Pausen ermöglichen: So lauten die Ratschläge des Hänigser Allgemeinmediziners Eckart Lummert, Bezirkssprecher der Kassenärztlichen Vereinigung. Das setzte er auch selbst als Arbeitgeber so um: „Und wenn es gar nicht geht, muss man auch mal jemanden nach Hause schicken.“

Aufgrund der hohen Temperaturen kämen in diesen Tagen viele Patienten mit Kreislaufproblemen in die Praxis. Besonders für Ältere und kleine Kinder sei eine ausreichende Flüssigkeitszunahme immens wichtig. „Jeder Erwachsene schwitzt etwa 1,5 Liter täglich aus. Dazu kommt noch die Flüssigkeit, die der Körper durch Urin verliert.“ Das müsse auf jeden Fall ausgeglichen werden. Am besten mit Wasser, das aber nicht zu kalt sein dürfe. Denn sonst schwitze man noch mehr. Gegen den Salzverlust helfe eine lauwarme Brühe. Abkühlung brächten, wie bei hohem Fieber, nasse Tücher im Nacken und um die Beine.

Der Arzt rät zu moderatem Klimaanlageneinsatz. „Wer die zu weit runterdreht, riskiert Nebenhöhlen- oder Bronchalinfekte“, warnt Lummert. Im Freien gelte es, eine Sonnencreme mit hohem Lichtschutzfaktor nicht zu vergessen. Ein Hut mit breiter Krempe schütze vor einem Sonnenstich. „Es ist wichtig, dass man sich selbst beobachtet und bei Symptomen wie Übelkeit, Kopfschmerzen, Benommenheit entsprechend reagiert.“ Extremer Sport sei auch für Trainierte bei diesen Temperaturen nicht zu empfehlen.

Von Anette Wulf-Dettmer und Sandra Köhler

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