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Burgdorf SPD macht Landwirtschaft zum Gesprächsthema
Umland Burgdorf SPD macht Landwirtschaft zum Gesprächsthema
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13:12 12.09.2018
Gut besucht sind die ersten Burgdorfer Gespräche auf dem Roten Sofa, auf dem Thordies Hanisch und Holger Hennies Platz genommen haben. Quelle: Anette Wulf-Dettmer
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Burgdorf/Uetze

Der Auftakt der „Burgdorfer Gespräche auf dem Roten Sofa“ ist vielversprechend gewesen. „Dass so viele Menschen gekommen sind, das haben wir nicht zu hoffen gewagt“, sagte Matthias Paul, Pastor, SPD-Ratsherr und Bürgermeisterkandidat. Offenbar zog das Thema, das der SPD-Ortsverein ausgewählt hatte: „Landwirtschaft im Spagat zwischen Anspruch und Wirklichkeit“.

Die Besucher hatten viele Fragen zum Thema Landwirtschaft, die sie den Gästen auf dem Roten Sofa sachlich und unaufgeregt stellten. Platz genommen hatten dort die SPD-Landtagsabgeordnete Thordies Hanisch aus Eltze und Landvolkvizepräsident Holger Hennies, der in Schwüblingsen einen 100 Hektar großen Betrieb bewirtschaftet. Paul moderierte die Gespräche. Der Katalog an Fragen reichte von der Nitratbelastung des Grundwassers, über das Insektensterben, die Düngemittelverordnung, die EU-Subventionen, eine stärkere Förderung des Öko-Landbaus bis zum Strukturwandel und den Verlust landwirtschaftlich zu nutzender Fläche durch die Ausweisung immer neuer Wohn- und Gewerbegebiete.

Informationen aus erster Hand

Lösungen konnten weder Hanisch und Hennies präsentieren. Aber die Zuhörer bekamen Informationen aus erster Hand über die Herausforderungen, denen sich die Landwirte angesichts des Preisdiktats der vier Lebensmittelkonzerne, der stetig wachsenden Dokumentationspflicht und den Wünschen der Gesellschaft an den Tier- und Naturschutz stellen müssen. „Je mehr Auflagen es gibt, desto größer müssen die Betriebe werden“, warnte Hennies vor der Industrialisierung der Landwirtschaft, die doch wohl keiner wolle. Das fange bei den Kreditbedingungen für Betriebsinvestionen an und höre beim Arbeitsaufwand für die Produktionskontrollen durch Behörden nicht auf. „Die Rahmenbedingungen für die landwirtschaftliche Produktion müssen schlanker gestaltet werden, damit die Landwirte nicht so hohe Kosten haben“, mahnte der Vizepräsident. „Lasst uns Luft zum Atmen.“

Diskussion auf dem Roten Sofa in der SPD-Geschäftsstelle:Matthias Paul (von links), Holger Hennies und Thordies Hanisch. Quelle: Anette Wulf-Dettmer

Das würde Hanisch den Landwirten gern zugestehen. Aber es brauche Verordnungen, vor allem zum Schutz der Umwelt und zum Tierwohl, sagte sie und zeigte sich gleichzeitig optimistisch, dass Politik und Landwirtschaft einen Korridor finden, der den Anforderungen gerecht werde. Angesichts der vielen Ansprüche an die Landwirtschaft stellt sich nach Ansicht von Hennies die Frage: „Wollen wir uns die Lebensmittelproduktion in Deutschland noch leisten oder wollen wir importieren, um so dem Naturschutz Priorität einräumen zu können?“ Darauf Hanisch: „In Deutschland haben wir gute Bedingungen für die Tierhaltung. Mit dem Import werden Systeme gestärkt, die für Klima und Natur viel schlechter sind.“

Landwirtschaft fördert Neubildung von Trinkwasser

Paul lenkte die Diskussion auf die Frage, was die Landwirtschaft über die Nahrungsmittelproduktion hinaus für die Gesellschaft leistet. Hennies’ Antworten kamen prompt: „Ohne Ackerbau hätten wir nur Wald.“ Die Landwirtschaft sorge nicht nur für ein vielfältiges Landschaftsbild, sondern fördere auch die Artenvielfalt. „Zudem ist die Neubildung von Trinkwasser unter Äckern und Wiesen auf leichten Böden (300 Millimeter pro Jahr) höher als unter Laubwäldern (200 Millimeter) und Nadelholzbeständen (100 Millimeter)“, sagte er.

Das neue Format der „Burgdorfer Gespräche auf dem Roten Sofa“ ist Teil des Wahlkampfes für Paul, der im Mai kommenden Jahres zum Bürgermeister gewählt werden will. Die nächste Gesprächsrunde ist für Dienstag, 23. Oktober, 19 Uhr, im Jürgen-Rodehorst-Haus der SPD geplant. Das Thema lautet dann: Burgdorf ganz nah draußen – Nahverkehr und Wohnen. Auf dem Sofa werden der Regionsabgeordnete Rudolf Alker und der Verkehrsexperte der SPD-Regionsfraktion Detlev Herzig sitzen.

Von Anette Wulf-Dettmer

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