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Burgdorf Schwalben schwirren um die Wassermühle
Umland Burgdorf Schwalben schwirren um die Wassermühle
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13:04 31.07.2018
Hier herrscht reger Flugverkehr: Unterm Dachfirst der ehemaligen Dachtmisser Wassermühle gibt es rund 20 Schwalben- und Mauerseglernester. Quelle: Köhler
Dachtmissen

Früher gehörten sie auf dem Land zum Sommer: die Schwalben. Doch wie die Maikäfer und die oft mit ihnen verwechselten Mauersegler trifft man sie immer seltener an, nicht zuletzt infolge der Landwirtschaft, die durchgreifende Veränderungen erlebte. Mittlerweile sind die Vögel so selten, dass sie unter Artenschutz stehen. An der alten Mühle in Dachtmissen leben und brüten beide Vogelarten. Mehr als 20 Nester haben sie dort gebaut.

Hier herrscht reger Flugverkehr: Unter dem Dachfirst der ehemaligen Dachtmisser Wassermühle gibt es rund 20 Schwalben- und Mauerseglernester. Quelle: Köhler

„Das Problem ist, dass viele Menschen bei einem Neubau, einer Dach- oder Fassadensanierung bestehende Nester entfernen und keinen Ersatz schaffen“, beklagt Ernst Schmidt vom Naturschutzbund (Nabu). Er kennt die Vögel und deren Bedürfnisse an ihren Lebensraum. Dessen bisweilen unbedachte Zerstörung wie bis hin zum mutwilligen Abschlagen – auch von Resten von Schwalbennestern – verstößt laut Schmidt gegen geltendes Recht. Nach dem Willen des Gesetzgebers müsse der Mensch den Vögeln das Beenden der Brut ohne Störung ermöglichen – wenn es sein muss mithilfe eines Ersatzschwalbenhauses. „Architekten wissen das. Und wenn man den Erhalt im Blick hat, gibt es einfache und wenig kostspielige Methoden“, sagt Schmidt. Etwa künstliche Schwalbennester, die gut angenommen würden. Ein gutes Beispiel dafür sei ein saniertes Haus an der Zintener Straße. „Die Besitzerin ist Nabu-Mitglied und hat sich im Vorfeld an uns gewandt.“

Schwalben, erläutert Schmidt, seien sogenannte Kulturfolger und nisteten von April bis Ende September in der Nähe von Menschen. Zwei- bis dreimal brüteten die Vögel jedes Jahr. „Mehlschwalben bauen Nester unter Dachvorsprüngen. Die sind geschlossen bis auf das Einflugsloch. Dazu benutzen sie ihre klebrige Spucke, mit der sie bis zu 60.000 kleine Lehmkügelchen zusammenkleben. Bis zu vier Wochen kann der Bau dauern.“ In Ställen und Schuppen auf den Dörfern nisteten meist die Rauchschwalben. Die verbauten auch Heu und Tierhaare in ihren schalenförmigen Nester. Beiden Zugvogelarten gemein sei, dass sie ihr Nest immer wieder aufsuchten und bebrüteten. Gegebenenfalls reparierten sie es, wenn es Schaden genommen habe. „Die Rauchschwalbe hat längere Schwanzfedern, sogenannte Spieße“, nennt Schmidt ein Erkennungsmerkmal. Mehlschwalben brüteten gern in Kolonien, Rauchschwalben bevorzugt einzeln.

Wie Schwalben ernähren sich auch die Mauersegler, die im Flug eine deutlich sichelförmige Silhouette aufweisen, von Insekten. Weil sie aufgrund ihrer Konstitution eigentlich ihr ganzes Leben in der Luft verbrächten, trieben sie mit dem Nestbau wesentlich weniger Aufwand als die Schwalben, sagt Schmidt: „Sie nutzen als Nistmaterial nur, was sie im Flug erhaschen können. Also Hälmchen und Federn.“ Ihre sehr sparsamen Nester bauten sie in Hohlräumen von Hauswänden, in Mauerspalten und unter Dachziegeln. „Sie kommen im April und fliegen, je nach Wetter, Anfang bis Ende August zurück nach Afrika.“ Im Gegensatz zu den Schwalben, die nur kleine Mengen an Insekten sammelten und häufig fütterten, gingen Mauersegler ausgiebig auf Nahrungssuche, von der sie dann mit jeweils vollem Kehlsack zurückkehren.

„Bei schlechtem Wetter fliegen sie Hunderte Kilometer weit weg – die Jungen fallen in der Zeit in eine Art Starre, in der der Körper alle Funktionen stark herunter fährt“, sagt Schmidt. „Wenn ein älterer Mauersegler auf dem Boden landet, kann man ihn hochwerfen. Wenn er unverletzt ist, wird er wieder starten. Handelt es sich aber um einen Jungvogel, ist der absolut hilflos.“ Solche Tiere sollten in Auffangstationen wie dem Artenschutzzentrum des Nabu in Leiferde abgegeben werden. „Die können die Vögel dann solange aufpäppeln, bis sie flugfähig sind“, sagt Schmidt.

Plaketten für Schwalbenschützer

Mit der Aktion „Schwalbenfreundliches Haus“ würdigt der Nabu das Engagement von Bürgern zum Erhalt der bedrohten Vogelart: Wer Schwalbennester an oder in seinem Gebäude erhält, wird dafür mit einer Plakette und einer Urkunde ausgezeichnet. Interessierte finden Informationen und ein Online-Formular, über das sie sich bewerben können, im Internet unter www.nabu.de. Dort bietet der Nabu auch eine kostenlose Informationsschrift über die Vögel an.

Von Sandra Köhler

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