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Burgdorf Kirche verlässt ihr Schneckenhaus
Umland Burgdorf Kirche verlässt ihr Schneckenhaus
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00:16 30.07.2018
Pfarrer Martin Karras hatte die Idee, den alten Gemeindebus zum Infomobil zu machen. Quelle: Sandra Köhler
Burgdorf/Uetze

St. Nikolaus, die katholische Pfarrgemeinde für Burgdorf und Uetze, geht auf Tour: Am jüngsten Wochenende hat der blaue VW-Transporter als Infomobil auf dem Wochenmarkt in Burgdorf Station gemacht – zum zweiten Mal schon. Pfarrer Martin Karras und Mitglieder des Teams verteilten dort Gummibärchen, Streichholzschachteln und Lose mit Sinnsprüchen und kamen mit Menschen ins Gespräch. „Kirche muss zu den Leuten auf die Straße und in die Dörfer kommen“, sagt Karras. Die Zeiten, in denen die Menschen von allein in die Gotteshäuser und Gemeindezentren strömten und man dort nur auf sie warten konnte, seien lange vorbei.

Karras hatte die Idee, den 17 Jahre alten Gemeindebus zum Infomobil umzufunktionieren. Kirchenvorstand, der Verein Benefizz Gutes Leben und der Förderverein der Gemeinde gaben jeweils 500 Euro. Damit konnte der Geistliche den Bus mit Sesseln, Tisch und Informationsmaterialien aufrüsten. Das Projekt, das im März startete, ist vorerst auf ein Jahr befristet.

Kleine Geschenke, die das Infobusteam verteilt, sind mit Aufklebern versehen, die die drei Kirchen der Gemeinde zeigen. Quelle: Sandra Köhler

Nicht jedes Gemeindemitglied sei von der Idee ihres Pfarrers gleich begeistert gewesen: „Wir sind doch nicht die Zeugen Jehovas“, habe er schon zu hören bekommen, sagt Karras. Sogar Mitglieder des Bus-Teams hatten zunächst Zweifel, ob sie theologische und seelsorgerliche Gespräche führen könnten. Karras hielt fest an seiner Idee. Und er stellt klar: „Darum geht es nicht. Die Mission geschieht in der Kirche. Mit dem Infobus wollen wir Leute auf der Straße und in den Dörfern erreichen, Präsenz zeigen und über uns informieren, einfach miteinander ins Gespräch kommen. Wenn dabei Glaube und Religion anklingen, ist das gut. Wenn nicht, dann auch.“ In den Uetzer Dörfern gelinge es, so auch Menschen zu erreichen, die gerade erst zugezogen sind.

Laut Karras seien die sechs Mitglieder des Teams auf großes Interesse gestoßen, hätten viele Gespräche geführt. „Die Kinder kommen wegen der Gummibärchen. So kommen wir mit den Eltern ins Gespräch.“ Mit Sinnsprüchen erreiche man eher reife Semester: „Die, die mit Kalendersprüchen etwas anfangen können.“ Als Eisbrecher bei den mittleren Altersgruppen hätten sich Tütchen mit Ahoi-Brause erwiesen: „Die Leute erinnern sich an ihre Kindheit und erzählen von sich. Das ist etwas, was viele manchmal jahrelang nicht mehr getan haben.“

Für das nächste Jahr will Karras den neuen Hildesheimer Bischof Heiner Willmer gewinnen, bei einer seiner Touren dabei zu sein. „Noch weiß der nichts davon. Ich werde auch erst nach der Weihe im September versuchen, zu ihm Kontakt aufzunehmen“, sagt der Nikolaus-Pfarrer. „Aber es wäre schön, wenn ihn die Burgdorfer und Uetzer hautnah und auf der Straße kennenlernen können.“ Dass Willmer mitmacht, hält Karras für nicht für ausgeschlossen: „Nach all dem, was ich bisher von ihm gelesen habe, denke ich, dass er das macht, wenn er die Zeit dazu findet. Aktuell wandert der Bischof mit Jugendlichen, um ihre Wünsche und Ideen kennenzulernen. Das ist ja etwas ganz ähnliches.“

Pfarrer sucht noch Mitstreiter

Der Infobus der St.-Nikolaus-Kirchengemeinde macht am Sonntag, 16. September, in Hänigsen beim Pappaulfest Station. Am 20. Oktober wird er erneut auf dem Wochenmarkt in Burgdorf stehen. Zur Kirchenvorstands- und Gemeinderatswahl am 10. und 11. November könnte er als Wahllokal in Uetzer Ortsteilen dienen, sagt Pfarrer Martin Karras. Das könnte im Zusammenspiel mit der geplanten Briefwahl helfen, mehr als die durchschnittlichen sieben Prozent Gemeindemitglieder zu erreichen, sagt Karras: „Dann müssen die Leute nicht nach Burgdorf kommen. In ihrem Dorf bewegen sie sich ja schon, etwa zum Einkaufen.“

Ob St. Nikolaus mit den Infobus auch beim Uetzer Zwiebelfest vertreten sein wird, steht noch nicht fest. Die Gemeinde erwägt, sich beim Pferdemarkt zu präsentieren. „Eigentlich wollten wir auch am 26. August in Steinwedel beim Dorf- und Gemeindefest sein. Aber das hat dann nicht gepasst.“ Denn, so räumt Karras ein, das Team sei recht klein. Noch. „Wenn es zehn oder zwölf werden, würde ich mich freuen“, wirbt der Seelsorger um Mitstreiter.

Wer Interesse hat dazuzustoßen – als Fahrer, als Ansprechpartner oder im Hintergrund für die Ideensammlung und das Gestalten von Infomaterialien – kann sich im Pfarrbüro, Im Langen Mühlenfeld 19, sowie unter Telefon (0 51 36) 80 92 90 melden.

Von Sandra Köhler

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