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Umland Burgdorf Nachrichten Amtsgericht verurteilt Frau wegen Geldwäsche
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14:04 23.02.2018
Der Glaube an die Liebe hat eine 55-Jährige jetzt vor Gericht gebracht. Quelle: Symbolbild
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Burgdorf

Ihre Gutgläubigkeit kommt eine 55-Jährige aus Burgdorf nun teuer zu stehen: Amtsrichterin Stephanie Rohe verurteilte die Frau wegen fahrlässiger Geldwäsche zu einer Geldstrafe. Das Urteil liegt am unteren Rand des möglichen Strafmaßes. In der Verhandlung indes offenbarten sich gleich mehrere Schicksale von Frauen, die via Love Scamming betrogen worden sind.

Seit dem Jahr 2012 steht die Burgdorferin mit einem ihr unbekannten Mann namens Alex Abele in Kontakt, nach eigenen Angaben ein US-amerikanischer Soldat, der in Ghana seinen Dienst leisten muss und gern mit seinem Sohn nach Deutschland ziehen möchte. Eben zu jener geschiedenen 55-Jährigen, die der Betrüger mit weiteren Tätern offenbar zuvor gezielt ausgesucht hatte. Denn seit dem Besuch eines Dating-Portals im Internet erhält die 55-Jährige in schöner Regelmäßigkeit neue E-Mails und Anrufe, in denen der Unbekannte ihr seine Liebe versichert und die Hochzeit verspricht – vorausgesetzt, seine finanzielle Lage bessert sich.

Daran wollte die Burgdorferin  gern mitwirken und überwies 2016 zunächst einen fünfstelligen Betrag, wie sie in der Verhandlung am Montag sagte. Dafür hatte sie einen Kredit aufgenommen und sich selbst hoch verschuldet. Mehr noch: Auf ihr Konto bei der Stadtsparkasse flossen zudem größere Summen, die sie im Auftrag von Alex Abele an Konten im Ausland hätte weiterleiten sollen. Das Geld stammte von Frauen, die über das Love Scamming betrogen worden waren. Schon damals landete die 55-Jährige, die eine Erwerbsminderungsrente von etwa 1000 Euro bezieht und 425 Euro im Nebenjob verdient, wegen des Verdachts der Geldwäsche vor dem Amtsgericht. Das Verfahren wurde eingestellt, weil die Frau den Opfern das Geld zurückzahlte und beteuerte, sich nicht mehr mit Alex Abele und seinen Komplizen einzulassen.

Allerdings schaffte es die Frau wohl nicht, sich den Anrufern zu widersetzen. „Ich habe mich in die Person verliebt und in das, was sie mir geschrieben hat“, sagte die 55-Jährige vor Gericht und fügte hinzu, sie habe mit dem Unbekannten geskypt und sein Sohn habe sie bereits Stiefmama genannt. Dass dies zur Masche des Betrügers gehört habe, wisse sie erst seit Kurzem. „Ich bin halt so dumm“, sagte sie. „Wenn jemand Hilfe benötigt, dann gebe ich sie.“ 

Deshalb stimmte sie im September 2017 zu, erneut Geld zu überweisen – unter anderem auf Konten in Spanien. Insgesamt 36.180 Euro landeten innerhalb weniger Tage auf dem Konto der 55-Jährigen bei der Stadtsparkasse Burgdorf. Dort fielen die ungewöhnlichen Geldbewegungen jener Mitarbeiterin auf, die Vergehen wegen Geldwäsche prüft. „Die Kundenberater haben mit der Frau gesprochen und nachgefragt“, sagte die Bankangestellte in der Verhandlung. Die Bank wiederum habe die Absender der Summen überprüft, auf diese Weise gab es einen Kontakt zur Sparkasse in Sonnenberg.

In Sonnenberg hatte eine Kundin zunächst 2500 Euro angewiesen, das Geld dann aber zurückgefordert. Sie erzählte dem dortigen Kundenberater, dass sie auf Wunsch eines Bekannten das Geld eigentlich in die Türkei überweisen sollte. Die Angestellten konnten dies unterbinden, dann aber erfüllte die Sonnenbergerin den neuen Überweisungswunsch nach Burgdorf. „Erst danach hat sie realisiert, dass sie vielleicht einem Betrüger aufgesessen ist“, sagte die Sparkassen-Mitarbeiterin. Ihren Angaben zufolge verhinderten die Frau und die Banken einen Schaden, denn die Burgdorferin hatte bei der Rückbuchung die 2500 Euro noch nicht abgehoben.

Wohl aber das Geld anderer Frauen, die wie die Burgdorferin an die große Liebe glaubten, die sie mit finanzieller Unterstützung an ihre Seite holen wollten. Damit habe sie sich, so die Anklage, der leichtfertigen Geldwäsche schuldig gemacht. „Angesichts des Vorverfahrens könnnte man auch von Vorsatz ausgehen“, sagte Amtsrichterin Rohe. Sie habe den immens hohen Schaden billigend in Kauf genommen. Deshalb muss die 55-Jährige eine Geldstrafe von 900 Euro zahlen, zudem werde die Schadenssumme von 36.180 Euro eingezogen. „Sehen Sie ein, dass Sie Betrügern aufgesessen sind“, mahnte Rohe: „Wenn Sie noch einmal was in dieser Richtung machen, dann gibt es eine Freiheitsstrafe.“

So lassen sich Love Scammer erkennen

Über Netzwerke oder Dating-Seiten kommen Scammer an die Mailadressen der Opfer, warnt die Polizei auf ihrer Internetseite. Sie schicken zunächst eine knappe Mail in englischer Sprache mit einer Einladung zum Chat als Lockmittel. Da die Betrüger oft mit deutschen Mailadressen arbeiten, ist selten ersichtlich, dass sich hinter den netten Zeilen ein Scammer verbirgt. Die Betrüger kommunizieren meistens in gutem Englisch. Insider gehen davon aus, dass rund 95 Prozent der englisch sprechenden Kontakte auf deutschen Dating-Seiten Romance- oder Love-Scammer sind.

So lassen sich Scammer erkennen: Die Bilder sind unscharf und nur in sehr kleiner Auflösung im Internet eingestellt, da sie gestohlen wurden. Scammer überhäufen ihre Opfer schon nach dem ersten Kontakt mit ellenlangen Briefen voller schwülstiger Liebesschwüre. An den überbordenden Liebeserklärungen und Liebesbekundungen sind sie leicht zu erkennen. Aber es geht auch anders: Seriös wirkende Mails sollen das Interesse wecken. Oft wollen die Scammer alles über ihr Opfer wissen: Hobbies, ehemalige Partner, Kinder, Freunde, auch der Glaube an Gott spielt immer eine Rolle. Wichtig: Die Scammer bezeichnen ihre neuen Partner schon bald als "Ehemann" oder "Ehefrau" und schmieden Heiratspläne. Deswegen scheint die Bitte um ein Visum oder ein gemeinsames Konto gerechtfertigt.

Der große Wunsch nach Geld: Es gibt viele Gründe, das Opfer um Geld zu bitten. Weigert es sich, Geld zu schicken, finden Betrüger andere Wege. Gefälschte Schecks, die in Deutschland eingezahlt werden sollen, gehören dazu. Momentan sehr stark ausgeprägt ist der Wunsch nach einer Einladung nach Deutschland. Hier wollen die Betrüger nicht nur auf Kosten ihrer Opfer leben, sondern auch weiterhin im Auftrag der Nigeria Connection tätig sein. Die Betrüger schaffen es auch, geschickt die Opfer für ihre Zwecke zu missbrauchen, beispielsweise sollen diese Briefe oder Päckchen an dritte Personen verschicken. Oft geben die Betrüger vor, ein gemeinsames Konto mit dem Opfer eröffnen zu wollen und bitten um Kopien von Ausweisen. Die Daten werden für Fälschungen von Pässen genutzt.

So verhalten sich Opfer richtig: Opfer von Love Scamming sollten sofort jeglichen Kontakt abbrechen. Keine Mails, keine Anrufe des Scammers mehr entgegennehmen. Am besten ist es, sich eine neue Mailadresse und Telefonnummer zuzulegen. Gefahr besteht auch für Freunde im sozialen Netzwerk und für alle Kontakte im eigenen Mailadressbuch. Denn die Täter schicken mit ihren Mails meistens auch einen Computervirus mit. Dieser scannt die Daten im Mailadressbuch und erlaubt auch sonst eine Kontrolle über den Rechner ihrer Opfer.

Nicht auf Forderungen des Scammers eingehen. Auf keinen Fall Geld überweisen, Schecks einlösen oder Briefe und Päckchen weiterleiten – und auch nicht aufbewahren. Geleistete Zahlungen, wenn noch möglich, sofort rückgängig machen.

Opfer sollten alle Mails und Chat-Texte als Beweis auf einer CD-ROM abspeichern und Überweisungsbelege aufheben. Nach dem Sichern löschen Sie alle Beweisdaten von Ihrer Festplatte. Vergessen Sie nicht, auch den E-Mail-Account zu löschen. Außerdem sollten Opfer sofort die Polizei verständigen.

Von Antje Bismark

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