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Umland Burgdorf Nachrichten Angst vor der Afrikanischer Schweinepest geht um
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14:51 24.02.2018
Der Bestand an Wildscheinen ist in der Gemeinde Uetze in den vergangenen Jahrzehnten rapide gewachsen. Quelle: Fredrik Von Erichsen
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Uetze/Schwüblingsen

 Für Kreisjägermeister Eckhard Baars aus Uetze ist es nur eine Frage der Zeit, bis die Afrikanische Schweinepest (ASP) in Deutschland ausbricht. Auch unter Landwirten geht die Angst vor der Tierseuche um, weil diese von Wild- auf Hausschweine verschleppt werden könnte.  Das hätte verheerende wirtschaftliche Folgen.

Die größte Gefahr sieht Baars darin, dass Saisonarbeitskräfte, Lastwagenfahrer und Touristen aus Osteuropa die Tierseuche mit Lebensmitteln aus Ländern einschleppen, in denen diese grassiert. Die ASP ist für den Menschen selbst ungefährlich. Aber Reisende könnten Essensreste mit infizierter Wurst während einer Rast achtlos wegwerfen, die dann von Wildschweinen gefressen werden, sagt Baars. So könne die Seuche große Strecken überwinden.

„Das Virus lässt sich im Blut eines toten Schweines noch zehn Wochen später feststellen, 15 Wochen lang in gekühltem Fleich, sechs Monate in Salami und Schinken, sieben Monate in blutverschmierter Erde, 18 Monate in Knochen und sechs Jahre in tief gefrorenem Fleisch“, gibt der Uetzer zu bedenken. Daher sei es ein Fehler gewesen, aus Kostengründen die Abfallbehälter auf Parkplätzen an Bundes-, Landes- und Kreisstraßen abzubauen. Die Erspranis stehe in keinem Verhältnis zum wirtschaftlichen Schaden durch die ASP.

Kreisjägermeister Eckhard Baars befürchtet , dass die Schweinepest über kurz oder lang aus Osteuropa nach Deutschland eingeschleppt wird. Quelle: Friedrich-Wilhelm Schiller

Menschen können den Erreger aber auch mit ihrer Kleidung, ihrem Auto oder mit Jagdutensilien wie Messern übertragen. „Der Jagdtourismus in gefährdete Gebiete müsste verboten werden“, fordert daher Baars.

Gegen die ASP gibt es keinen Impfstoff. „Der Jägerschaft kommt in dieser Situation eine ganz besondere Verantwortung zu“, schreibt die Jägerschaft Burgdorf auf ihrer Homepage. Falls die Seuche nach Deutschland eingeschleppt werde, sei es wichtig, diese frühzeitig zu erkennen, um eine Ausbreitung einzudämmen, sagt der Kreisjägermeister. Von geschossenen Wildschweinen, die sich vor dem Abschuss auffällig verhalten haben, müssten Jäger unbedingt eine Probe nehmen und diese auf ASP untersuchen lassen. Das erkrankte Schwarzwild falle dadurch auf, dass es seine Scheu verloren habe und einen schwankenden Gang habe. Außerdem sei es oft abgemagert. 

Jäger, die ein totes Wildschwein, das keine Schussverletzung aufweist, finden, sollen den Fund dem Vetreinäramt der Region Hannover melden,  den Fundort mit Flatterband absperren und das weitere Vorgehen mit dem Veterinäramt absprechen. Baars rät, Handschuhe und andere Utensilien, die mit dem Tier in Kontakt gekommen sind, sorgfältig zu desinfizieren.

Nach den Worten des Uetzers kann die ASP auf Hausschweine übertragen werden, wenn erkrankte Wildschweine das Virus an Futterpflanzen hinterlassen oder Schweinehalter zum Beispiel mit ihren Stiefeln den Erreger in den Stall tragen.

Auch der Landvolk-Kreisvorsitzende Holger Hennies aus Schwüblingsen, der Weideschweine hält, sieht  die Hauptrisiko für die Ausbreitung der ASP in Deutschland darin, dass sie mit verseuchten Lebensmitteln eingeschleppt wird. Weil die Tröpfcheninfektion anders als bei der klassischen Schweinepest bei der ASP keine Rolle spielt, ist nach Hennies’ Ansicht die Gefahr nicht groß, dass sich Hausschweine bei einem direkten Kontakt mit Schwarzwild anstecken.

Aber die Landwirte müssten die Hygienevorschriften für Schweineställe peinlich genau einhalten.  Sie dürften keine fremden Personen hineinlassen und nur mit desinfizierter Kleidung den Stall betreten.

Die ASP bereitet auch dem Schwüblingser Biolandwirt Hendrik Stolze Sorgen. Er hat daher zusätzlich zur gesetzlichen eine private Tierseuchenversicherung abgeschlossen. „Aufgrund des hohen Risikos ist sie mir das wert“, sagt er.

Wildschweine finden Schutz in Maisfeldern

Wildschweine haben sich vielerorts zu einer Plage geworden. Auch im Osten der Region Hannover ist deren Population über Jahrzehnte hinweg ständig gewachsen. Kreisjägermeister Eckhard Baars aus Uetze macht das an den Abschusszahlen fest. 1954 hätten die Jäger im früheren Landkreis Burgdorf nur 46 Wildschweine geschossen. 2017  waren es 1699 im Bereich der Jägerschaft Burgdorf, der fast mit dem Altkreis identisch ist.

„Schuld für den Anstieg ist meiner Meinung nach die Politik“, sagt Baars. Sie habe den Bau von Biogasanlagen gefördert. „Deshalb wird Mais angebaut“,  zeigt der Uetzer die Folgen auf. Für den Maisanbau hätten Landwirte unbewirtschaftete Flächen umgebrochen. Sie drillten Mais bis an  Waldränder und Feldgehölze heran. „Auf diesen Flächen kann man von Juli bis zur Ernte nicht Schwarzwild bejagen“, stellt Baars fest. Zwischen den hohen Maispflanzen könnten die Jäger das Schwarzwild nicht sehen.

„Der Klimawandel spielt auch eine Rolle“, nennt Baars einen weiteren Grund für die Schwarzwildvermehrung. Früher hatte viele Frischlinge längere Frostperioden mit hohem Schnee nicht überlebt. fs

Von Friedrich-Wilhelm Schiller

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