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Umland Burgdorf Nachrichten Försterhaus brennt lichterloh nieder
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15:47 14.06.2018
Das historische Haus zum Reitenden Förster ist in der Nacht zum Donnerstag bis auf die Grundmauern abgebrannt. Quelle: Dege
Burgdorf

Großbrand am Fösterberg: Feuer hat das denkmalgeschützte historische Försterhaus an der Immenser Straße 3 in der Nacht zum Donnerstag völlig zerstört. Das Haus war unbewohnt. Es sollte saniert werden.

Als bei der Feuerwehr um 23.10 der Alarm einging, stand bereits fest, dass das Haus kaum mehr zu retten sein würde. Das sollte sich wenig später bestätigen. Ein 55-Jähriger hatte Flammen am Dachstuhl des Hauses bemerkt und die Rettungskräfte alarmiert. So hoch schlugen die Flammen aus dem Dach des auf einer Anhöhe am Kreisel Schwarzer Herzog stehenden Gebäudes, dass die Feuerwehrleute auf der Anfahrt zur Unglücksstelle nurmehr dem hellen Schein folgen mussten. Das tat auch Stadtbrandmeister Dennis-Frederik Heuer.

Dennoch ließen die herbeieilenden Feuerwehrleute aus der Kernstadt, aus Hülptingsen, Dachtmissen, Weferlingsen, Ramlingen und Ehlershausen nichts unversucht, den aus dem Dachstuhl lodernden Flammen Herr zu werden und das Feuer zumindest soweit unter Kontrolle zu bekommen, dass die umliegenden Doppel- und Reihenhäuser keinen Schaden nahmen.

Den Einsatz leitete Burgdorfs Ortsbrandmeister Florian Bethmann. Er forderte aus Lehrte und Altwarmbüchen umgehend Unterstützung an, sodass er mit den Einsatzkräften das Feuer mithilfe von drei Drehleitern bekämpfen konnte, und zwar sowohl von der Straße Am Försterberg als auch von der Immenser Straße aus. Insgesamt seien einschließlich Polizei, THW und DRK 140 Kräfte zur Stelle gewesen, rekapitulierte er am Donnerstagmittag.

Großbrand an der Immenser Straße: Eines der ältesten Häuser Burgdorfs, das historische Haus zum reitenden Förster an der Immenser Straße, ist niedergebrannt.

Während der bis 5 Uhr morgens andauernden Löscharbeiten konnte keiner der Feuerwehrleute das alte Fachwerkhaus betreten. Die Hitzeentwicklung sei einfach zu groß gewesen. Bis in die Gärten der Nachbarhäuser flogen glühende Holzkohleteile. Die Nachbarn lasen sie am Morgen nach der Brandnacht auf. Zwei Feuerwehrleute erlitten leichte Verletzungen. Einer bekam Kreislaufprobleme, ein weiterer zog sich eine Verstauchung zu.

Weil das Areal auf dem Försterberg relativ dicht bebaut ist, bestand die akute Gefahr, dass das Feuer auf ein Blockheizkraftwerk, Garagen und Reihenhäuser übergreifen könnte. Die Polizisten forderten Anlieger deshalb auf, sicherheitshalber ihre Häuser zu verlassen. Laut Bethmann wurden 34 Menschen evakuiert, darunter sieben Kinder.

Um sie kümmerten sich Helfer des Roten Kreuzes, die ein Versorgungszelt auf dem Parkplatz des nahen Penny-Parkplatzes aufgebaut hatten. Dort mussten die Anwohner bis zum Ende der Löscharbeiten stundenlang ausharren. Unter ihnen auch Uwe Meyer und sein Boxer Kimba: „Unser erster Gedanke war, hoffentlich schlägt das Feuer nicht über.“ Meyer lobte die Rettungskräfte in den höchsten Tönen. Dass das Försterhaus nun Geschichte ist, bedauerte er. Ein Bauunternehmen, welches das Haus vor Kurzem erst erworben habe, habe gerade mit den Sanierungsarbeiten begonnen und fünf barrierefreie Wohnungen schaffen wollen, sagte er. Auch er selbst und seine Frau hätten sich mit Blick auf ihr Alter dafür interessiert. Das habe sich nun wohl erledigt.

Was Ortsbrandmeister Bethmann bestätigte, der von einem Totalschaden spricht. Die Polizei beziffert die Schadenssumme auf 200.000 Euro. Sie geht nach einer ersten Untersuchung des Gebäudes von Brandstiftung aus und sucht nun mögliche Zeugen, die verdächtige Beobachtungen gemacht haben. Um Hinweise bittet der Kriminaldauerdienst in Hannover unter Telefon (0511) 1095555.

Dienstwohnung des Reitenden Försters

Das alte Forsthaus auf dem Försterberg – ursprünglich Wasselberg – gehört zweifellos zu den ältesten in der Stadt. Der Heimatforscher Wilhelm Kleeberg gibt das Jahr seiner Errichtung in einem 1951 geschriebenen Artikel mit 1680 an. Das Haus liegt zu dieser Zeit einsam vor dem Braunschweiger Tor am Rande des Burgdorfer Holzes.

Die Datierung hält auch der Hobbystadthistoriker Heinz Neumann für zutreffend. Er hat für den Verkehrs- und Verschönerungs-Verein eine Chronik des Gebäudes zu Papier gebracht. Wiewohl es Hinweise darauf gebe, dass Teile des Gebäudes älteren Datum seien. In einem Querbalken der hinteren Hausfront etwa finde sich die Jahreszahl 1506, wie Neumann notiert. Was auch daran liegen könnte, dass der Balken aus einem anderen Haus stamme und am Försterberg lediglich wiederverwendet worden sei.

Den ältesten urkundliche Nachweis des Hauses auf dem Wasselberg fand Neumann in einer im Stadtarchiv verwahrten Akte aus dem Jahr 1686: Dem damals dort wohnenden Förster wird darin von den Fürstlich Braunschweigisch-Lüneburgerisch Geheimen Kammerräten vorgeworfen, dass er auf dem Wasselberg eigenmächtig eine Leinwandbleiche angelegt habe. Der Platz gehöre aber der Herrschaft und solle eingefriedet werden. Darum hätten solche Eigenmächtigkeiten zu unterbleiben. Der Förster freilich weist auf seine Armut hin. Er bietet eine Vergütung für die Bleiche an, wenn er sie behalten dürfe.

1767 bewohnt Oberförster von Lüpke das Haus auf dem Försterberg, wie es inzwischen bezeichnet wird. Die Königlich Kurfürstliche Regierung in Hannover verlegt die Försterei in diesem Jahr nach Uetze und veräußert das Haus des Reitenden Försters auf Erbzinsbasis an den Magistrat der Stadt Burgdorf. Die Eigentümer wechseln mehrmals. Später ist das Haus erneut Wohnsitz eines Reitendes Försters. Seit 1884 schließlich erwirbt es der Gärtner Wilhelm Tegtmeyer. Seit 1961 gehörte es mehr als Jahrzehnte lang der Familie Marsch, deren Erben am Försterberg das Floristikgeschäft „Vier Jahreszeiten“ betreiben. Sie haben das unter Denkmalschutz stehende Fachwerkhaus Ende vergangenen Jahres an ein Burgdorfer Bauunternehmen veräußert.

Von Joachim Dege

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