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Umland Burgdorf Nachrichten Gastronom sucht Azubi mit ungewöhnlicher Idee
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00:37 20.05.2018
Christos Triantis (Mitte) serviert Amra (von links), Andrea und Wolfgang Haas sowie Maren Haas die Getränke – gern würde der Gastwirt einen Azubi auch dafür einstellen. Quelle: Bismark
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Burgdorf

 Seit mehr als zwei Jahren sucht der Gastwirt Christos Triantis einen Auszubildenden für sein Restaurant Parthenon in der Kernstadt – bislang vergeblich. Nun überlegt er, den Nachwuchs mit ungewöhnlichen Aktionen zu ködern. Dazu gehört auch eine Kreuzfahrt zum bestandenen Abschluss.

„Ich lege keinen Wert auf ein besonders gutes Zeugnis“, sagt der Gastronom, der einen jungen Menschen entweder zur Fachkraft im Gastgewerbe oder als Restauranfachmann/-frau ausbilden möchte. Wichtiger sei ihm, dass der oder die Neue im Familienbetrieb pünktlich zur Arbeit kommt, sich gut um die Gäste kümmert und keine Fehltage in der Schule aufzuweisen hat. „Bei mir bekommt jeder eine Chance“, sagt Triantis, dessen Vater Sotirios einst das Restaurant gründete. Inzwischen aber könne die Familie, die auch das Bistro im Schwimmbad betreibt, die Arbeit nicht mehr allein managen.

Vor drei Jahren verließ ein Azubi kurz vor dem Abschluss das Restaurant, um bei einem Freund zu jobben. Dann stellte Christos Triantis eine junge Frau ein, die erst drei Monate nicht arbeitete, dann zwei Wochen vorbeischaute und schließlich den Vertrag kündigte. „Natürlich öffnen wir auch am Wochenende, bedienen also unsere Gäste“, sagt der Unternehmer, der darin einen Grund sieht, weshalb sich junge Leute nicht bewerben sollten. Dabei könne gerade ein Familienbetrieb wie der seine auch einmal freie Zeit organisieren.

All diese Vorteile würde Christos Triantis gern mit Schülern besprechen, doch sie lassen sich bislang nicht sehen. Dabei hat der Gastronom schon bei Facebook um den Nachwuchs geworben, Stellenanzeigen geschaltet, beim Jobcenter seinen Bedarf gemeldet. „Vielleicht hänge ich die Stelle noch einmal in der Hauptschule aus“, sagt er. Oder er suche nach Bewerbern in Polen, die gut Deutsch sprechen. Oder er biete dem neuen Mitstreiter eine Kreuzfahrt an, wenn dieser die Ausbildung beendet hat. Denn dass er intensiv suchen müsse, wisse er aus Gesprächen mit anderen Gastronomen. „In meiner Familie gibt es viele, die ein Restaurant betreiben. Die Situation ist überall die gleich – ob in Hildesheim oder in Hannover oder in Lippstadt.“

Nur wenige Schüler bewerben sich im Handwerk

Auch aus Sicht von Ahmed Kuyucu, bei der Arbeitsagentur zuständig für den Arbeitgeberservice, gehört die Gastronomie zu den Branchen, die bei der Suche nach Azubis leer ausgehen wird. Wieder einmal, wie Kuyucu sagt. Gleiches gelte für das Handwerk: „Angesichts des Niedrigzinsniveaus sind die Auftragsbücher voll, doch es findet sich kaum noch Nachwuchs, der die Arbeit einmal übernehmen wird“, sagt der Burgdorfer. Allein in der Region Burgdorf seien derzeit 60 Stellen für Handwerker unbesetzt. Das reiche vom Garten- und Landschaftsbau über Dachdecker bis hin zum Tischler. Besonders begehrt bei Schülern seien hingegen kaufmännische Berufe oder eine Ausbildung als Kfz-Mechatroniker, sagt Christian Minuth, Teamleiter Berufsberatung bei der Arbeitsagentur.

Viele Schüler, wissen Kuyucu und Minuth aus Erfahrung, seien unsicher, welcher Beruf zu ihnen passe. Sie empfehlen deshalb ein Praktikum oder Probearbeiten. Auch Christos Triantis sieht ein Praktikum als guten Einstieg in die Ausbildung: „Dann können beide Seiten schauen, ob sie zueinander passen“, sagt er. 

163 Jugendliche stehen noch auf der Such-Liste

Insgesamt 282 Jugendliche haben sich bei der Arbeitsagentur gemeldet – auf der Suche nach dem richtigen Ausbildungsplatz. Bis zum Beginn dieser Woche waren nach Aussage von Christian Minuth, Teamleiter Berufsberatung, noch 163 unversorgt. „Das bedeutet aber nicht, dass sie noch keinen Vertrag unterschrieben haben“, sagt Minuth. Denn längst nicht alle Arbeitgeber oder Schüler meldeten sich, wenn sie einen Ausbildungsvertrag geschlossen hätten. Mit dem jetzigen Wert liege die Behörde in Burgdorf auf Vorjahresniveau: Seinerzeit suchten 293 Jungen und Mädchen eine Ausbildung. 174 galten als noch nicht versorgt. 

Gleichwohl empfehlen Minuth und Behördenchef Michael Brandes den Jugendlichen, sich jetzt schnell zu melden, wenn sie ihren Plan A nicht realisieren könnten oder überhaupt noch nicht wüssten, welchen Beruf sie erlernen wollen. „Das Ausbildungsjahr beginnt am 1. August, aber bis 30. September können Azubis noch einsteigen“, sagt Minuth. Am Sonnabend, 4. August, biete die Arbeitsagentur deshalb die Messe „Endspurt“ an, bei der Arbeitgeber und Bewerber zusammenfinden können. „Wir haben die Instrumente für beide Seiten“, ergänzt Ahmet Kuyucu, bei der Arbeitsagentur Burgdorf für die Arbeitgeber zuständig. 

Denn Berufsberatung bedeute nicht nur ein einzelnes Gespräch, sondern einen kontinuierlichen Prozess, bei dem Jungen und Mädchen ihre Stärken und Wünsche herausarbeiten könnten, sagt Minuth, aber: „Junge Menschen sind leider oft unverbindlich in der Terminvereinbarung.“ Soll heißen: Sie nehmen die Beratungstermine, zumeist über die Schulen organisiert, nicht regelmäßig wahr. Dabei, so der Fachmann, könnten sie auch bei privaten Problemen auf die Unterstützung der Arbeitsagentur setzen: „ Das geht bis hin zur assistierten Ausbildung, bei der wir Azubis bei häuslichen Problemen oder Schulden begleiten.“ Einzige Voraussetzung sei, dass der Nachwuchs sich darauf einlässt.

Jugendliche auf der Suche nach der richtigen Ausbildung erreichen Minuth die Arbeitsagentur per E-Mail an hannover.u25-351@arbeitsagentur.de und unter Telefon (0800) 4555500. Arbeitgeber können Ahmet Kuyucu per E-Mail an burgdorf.arbeitgeber@arbeitsagentur.de sowie unter Telefon (05136) 8997385 kontaktieren.

Von Antje Bismark

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