Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Nachrichten Stadt erinnert sich der Heimatlosen
Umland Burgdorf Nachrichten Stadt erinnert sich der Heimatlosen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:16 26.08.2017
Von Joachim Dege
Diese große Halle des ehemaligen Lagers Ohio stand dort, wo heute das StadtHaus steht. Quelle: privat
Burgdorf

Das Buch, das den Titel "Im Schatten des Vergessens" trägt, ist gegenwärtig im Druck. Ende August erscheint es als Sonderedition in der Schriftenreihe der Gedenkstätte Ahlem. Als Herausgeber fungiert die Region Hannover.

Die Autoren stellen mit dem Buch das Ergebnis ihrer intensiven stadtgeschichtlichen Forschungsarbeit über das Schicksal sogenannter Displaced Persons vor, also nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs heimatlos gewordener Menschen. 320 Seiten stark ist das Werk über das ehemalige Barackenlager Ohio und seine Bewohner: ehemalige Kriegsgefangene, Zwangsarbeiter und heimatlos gewordene Ausländer. Das riesige Lager mit seinen 50 Baracken hatte die britische Militärregierung am nordöstlichen Stadtrand Burgdorfs eingerichtet. Ende 1945 lebten dort 1000 Menschen.

Zwei der Autoren des Arbeitskreises Stadtgeschichte, Heidi Rust und Dieter Heun, informierten jetzt die Kulturpolitiker des Rates vorab über Ergebnisse des Forschungsprojekts, an dem auch Rudolf Bembenneck, Ralf Gräfenstein, Peter Pfeiffenbring, Harald Scherdin-Wendlandt und Tobias Teuber mitwirkten.

Das Buch soll die Erinnerung an dieses Kapitel der Stadtgeschichte wach halten, so die Intention. Bei den umfangreichen Nachforschungen auch in Archiven der ehemaligen Alliierten in London und in New York kam laut Heun freilich eine solche Materialfülle zusammen, dass im Buch gar nicht alles habe aufgenommen werden können. Der Arbeitskreis denke deshalb über weitere Möglichkeiten einer Auswertung nach, beispielsweise über die Veröffentlichung einer eigenen Internetseite sowie Broschüren.

Denn schier in Vergessenheit geraten sei das Schicksal der heimatlosen Kinder, Frauen und Männer, die in den Jahren von 1939 bis 1959 in Burgdorf lebten. Viele von ihnen seien von den Deutschen aufgrund der nationalsozialistischen Ideologie als Menschen von geringem Wert betrachtet und erniedrigend behandelt worden. Das belegten beispielsweise Protokolle von Nazi-Verhören von Polen im Jahr 1944, die der Arbeitskreis Stadtgeschichte für sein Buch ebenso auswertete wie das Tagebuch eines Lagerbewohners.

Außer dem Buch soll fortan eine Gedenktafel an die einstigen Bewohner des Lagers erinnern. Sie wird am Freitag, 1. September, 11 Uhr, am StadtHaus enthüllt, und zwar an der Wand links neben dem Eingang. Wegen des Standorts hatte die WGS-Ratsfraktion Gesprächsbedarf angemeldet. Ihr Vorsitzender Kurt-Ulrich Schulz sah in der Stadtbücherei einen geeigneteren Ort des Gedenkens. Denn erstens habe sich das Lager, noch dazu der größere Teil, auch auf dieser Seite der Sorgenser Straße befunden. Zudem könnten an Stadtgeschichte interesssierte Menschen sich in der Bücherei in Ruhe über das Lager informieren. Schulz beugte sich aber letztlich dem Wunsch des Arbeitskreises. Dieser hatte argumentiert, dass das StadtHaus im Gegensatz zur Stadtbücherei barrierefrei zugänglich sei.

Buchvorstellung: "Im Schatten des Vergessens"

Der Arbeitskreis Stadtgeschichte, die Region Hannover und die Stadt Burgdorf laden gemeinsam für Donnerstag, 31. August, 19 Uhr, in die St.-Pankratius-Kirche an der Marktstraße ein, um dort das Buch "Im Schatten des Vergessens" der Öffentlichkeit vorzustellen und Abschnitte daraus vorzulesen.

Zahlreise Gäste aus dem Ausland, etwa aus den Niederlanden, aus den USA und womöglich sogar aus Australien haben laut Buchmitautor Dieter Heun ihr Kommen angekündigt. Bürgermeister Alfred Baxmann und die stellvertretende Regionspräsidentin Petra Rudszuck sprechen Grußworte. Der frühere niedersächsische Kultusminister Rolf Wernstedt spricht über das Thema "Verweigerte Würde". Für die musikalische Untermalung der Veranstaltung sorgen Matthias Schorr (Violine) und Michael Chalamov, (Klavier).

Eine weitere Gelegenheit, sich mit dem Schicksal der Kriegsgefangenen, Zwangsarbeiter und heimatlosen Ausländer in Burgdorf auseinanderzusetzen, gibt es am Sonntag, 10. September, 15 Uhr, in der Gedenkstätte Hannover-Ahlem, Heisterbergallee 10. Rudolf Bembenneck und Dieter Heun vom Arbeitskreis Stadtgeschichte wollen dort das Buch vorstellen und Fragen aus dem Publikum beantworten.

Der Eingang zum Lager Ohio lag auf der Nordseite der heutigen Sorgenser Straße. Quelle: privat

In der Stadt hat sich eine Initiative gegründet, die ein gemeinschaftliches, generationsübergreifendes Wohnprojekt auf die Beine stellen will. Für das Zukunftsprojekt sucht sie sowohl Gleichgesinnte als auch Vermieter.

25.08.2017

Pressefotografie ist das Thema des Herbstsalons in Marlies Kramskis Galerie. Die Ausstellung mit Arbeiten von Susanne Schumacher wird zwei Tage zu sehen sein: am Sonnabend und Sonntag, 9. und 10. September.

25.08.2017

Die Selbsthilfegruppen sind aus Burgdorfs Angeboten rund um die Gesundheit nicht mehr weg zu denken. Am Sonnabend, 26. August, beteiligen sich mehr als 30 Gruppen am 25. Selbsthilfetag auf den Spittaplatz. Es ist eine Veranstaltung, die Vorbildcharakter in der Region hat.

24.08.2017