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Nachrichten Gaukler, Erfinder und Wikinger tummeln sich im Schlosspark
Umland Burgdorf Nachrichten Gaukler, Erfinder und Wikinger tummeln sich im Schlosspark
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00:35 16.05.2018
Fin de Filou vom Gauklerduo ConFilio zeigt Feuerjonglage. Quelle: Köhler
Burgdorf

 Seltsame Gestalten hatten den Schlosspark am Wochenende fest in ihrer Hand: Gaukler und Spielleute, Ritter, Wikinger und sogar Indianer schlugen dort ihre Lager auf. Verrückte Gefährte, anscheinend direkt aus einer Zeit entsprungen, in der die Dampfmaschine und nicht der Elektroantrieb das Nonplusultra war, zogen die Blicke auf sich. „Fantastische Welten“ hieß das Festival, das Mittelalterfans und Gothics am Wochenende ebenso anzog wie Anhänger der Steampunkszene.

Diese Mischung war es, die nicht nur Mittelalterfan Sandra Wolf aus Sehnde, sondern auch Magdalene Bine aus Vechta nach Burgdorf lockte: „Bei uns gibt es sowas nicht“, sagte Bine, die vor allem die Möglichkeiten liebt, mit Kleidung zu spielen, und bereits seit Jahren im Fantasybereich unterwegs ist. 

Ein Kindermagnet war das Mäuseroulette von Alex: „Sind die süß“, schallte es aus dem Mund der Kleinsten angesichts der possierlichen Wüstenrennmäuse. Aus welchem Loch streckt wohl die erste ihr Köpfchen? Ein Vergnügen, dass übrigens tatsächlich dem Mittelalter entstammt, wie Alex versicherte: „Die Landsknechte haben sich das ausgedacht und gewettet, um sich so die Zeit zu vertreiben. Viehzeug gab’s zu der Zeit ja reichlich.“  Mit den Frettchen Maja und Elli hatten Roja Wilcke und Melissa Pufe ebenfalls tierische Verstärkung dabei. Beide gehören zu den Saupark-Rüpeln, einer Gruppe von etwa 20 Leuten, die auf Märkten das Lagerleben der Wikinger zeigen. „Wir nehmen nur mit, was es damals gab: Kartoffeln, Paprika und Tomaten fallen damit weg“, sagten die jungen Frauen. 

Dass das Mittelalter auf der Straße nichts für  Feingeister war, machten die Gaukler  von der Gruppe ConFilio klar: „Das war ja gar nichts“, schalt die rote Füchsin den zaghaften Applaus: „Wir fangen noch mal an. Ich bin es gewohnt, dass die Leute ausrasten und die Männer ihre Kleidung ablegen vor Begeisterung.“ Leise ging es beim Auftritt der Formation Pestilenzia ebenfalls nicht zu. Ein Grund dafür, weshalb Anwohner wie Hermann Wietfeldt mit dem Festival haderten: Der beklagte die Dauerbeschallung von der Bühne ebenso wie die Sperrung des öffentlichen Areals aus kommerziellen Gründen. 

Als Mann der leisen Töne zeigte sich Miniaturenmaler Meister Georgius, der im wahren Leben Jörg Wedemeyer heißt. Der fertigt nach historischen Vorbildern Malereien auf Pergament an, die Minne- und Kampfszenen zeigen. Interessierten erklärte er, wie die Menschen damals tickten. „Bei mir darf man auch mal ausprobieren, mit der Feder zu schreiben“, sagte der Künstler. Bei den Glücksrittern Thomas, Sonja und Reiner konnten kleine und große Besucher sich selbst als Ritter ausstaffieren – mit Schwert, Helm und Schild. „Meist schicken die Eltern erst mal ihre Kinder vor. Dann hat Papa doch das Schwert, und Mama macht das Foto“, berichtete Reiner amüsiert.  

Für Uli Schulz von den Freunden Historischer Fahrzeuge Immensen war es der erste Ausflug als Aussteller in die Welt des Steampunk. „Bei einem Dampftreffen in Bochum liefen bei Hitze Leute in langen Mänteln und mit Gasmaske rum. Was sind das für Vögel?, hab ich erst gedacht, dann aber festgestellt, dass die alle total entspannt sind.“ Als Tüftler in technischen Dingen fühlte er sich im Kreis der Erfinder auf den Spuren von Jules Verne schnell wohl. 

Wem das alles noch nicht genügte, wurde bei Graaf Horatio Hieronymus van de Dampmolen (Thomas Wenzel) fündig: Im dessen Steampunk-Warenhaus gab es sogar es eine Adoptionsstelle für sogenannte Zwergschlammelfen. Die kleinen grünen Plüschtiere lieben laut Erfinder Baron Peter von Heim (Simon Hirt) Schokolade sowie Glitzerndes – und haben im Steampunk-Kosmos längst Kultstatus erlangt. 

Das Fantasy-Festival zieht viele ungewöhnliche Gestalten an

Steampunk: Das Spiel mit den Möglichkeiten

„Steampunk ist Leben und Leben lassen. Macht, was Ihr wollt und habt Spaß dabei“, sagt Festival-Besucherin Dorothee, die ihren Nachnamen für die Fantastischen Welten abgelegt hat: Die entspannte Entstellung und die Möglichkeit, Kreativität und Verrücktheit freien Lauf lassen zu können, fasziniert die Frau an diesem Phänomen, das in den Achtzigerjahren zuerst in der Literatur auftrat: „Heute kann ich eine Lady darstellen. Morgen etwas ganz anders.“ Zum Festival in Burgdorf hat sie die Rolle einer Minerin der fiktiven Schaumburger Aetherwerke angenommen. In langem Rock, mit Grubenlampe und Trompete, Helm und Umhängetasche mit dem Logo ihrer erfundenen Firma.  Auch die Googles, also die typische Steampunk-Brille, darf nicht fehlen. 

Ihre Rolle ist eine Reminiszenz an die Autorin Anja Bagus, wegen der sie zum Steampunk kam. „Die hat eine Welt erfunden, die um 1910 spielt. Es gibt kein Benzin, alles wird mit Dampf angetrieben. Doch es existiert Aether, ein Stoff, der in der Natur vorkommt und Maschinen viel effektiver antreibt als Dampf. „Aber Aether kann noch anderes: Er verändert Menschen, auch in ihrer Gestalt. So gibt es dort etwa Wolfsmenschen. Nach diesem Stoff suche ich als Minerin in Stollen und Kohlenbergwerken“, gibt sie, sichtlich fasziniert, eine Einführung in die fantastische Welt, in die sie geschlüpft ist. ks 

Von Sandra Köhler

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