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Umland Burgdorf Nachrichten IGS: Alle Schüler lieben Schulhündin Nala
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00:15 29.12.2017
Der Mischlingshund Nala, ein sogenannter Doodle, ist der neue Star an der Integrierten Gesamtschule.  Quelle: Joachim Dege
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Burgdorf

  Die Integrierte Gesamtschule (IGS) hat eine neue pädagogische Mitarbeiterin. Die besitzt ein Fell. Sie hört auf den Namen Nala und ist die neue Schulhündin. Das fünf Monate junge Tier ist ein Doodle, eine Kreuzung aus Golden Retriever und Pudel. Nala gehört Sportlehrerin Kathrin Palandt.

Wenn Palandt mit Nala den Unterrichtsraum ihrer Klasse 6c betritt, wird es dort schlagartig ruhig. Das liegt nur bedingt an der Lehrerin. „Psssst, Nala ist da“, raunen sich die Schüler zu. Ihre Blicke folgen aufmerksam dem hellbraunen Fell auf vier Beinen, das seelenruhig von Bankreihe zu Bankreihe spaziert und jedes Kind freundlich begrüßt, indem es am ihm schnuppert und sich von allen geduldig streicheln lässt.

Alle IGS-Schüler lieben Schülhündin Nala. Quelle: Joachim Dege

Die IGS ist die erste und bislang einzige Schule in der Stadt mit einem Schulhund. Und mit einem Schulhundekonzept, das Palandt, eine Quereinsteigerin in den Lehrerberuf, ausgearbeitet und dann in der Gesamtkonferenz vorgestellt hat. Mit einem Elternbrief informierte die 42-Jährige anschließend die Erziehungsberechtigten darüber, was es mit ihrer vierbeinigen Kollegin und der sogenannten tiergestützten Pädagogik auf sich hat.

Der Hund bringe automatisch Ruhe in die Klasse, ohne dass sie etwas sagen müsse. Allein das Streicheln seines Fell bringe unruhige Kinderrunter. Das Tier reagiere stets unmittelbar und spiegele so das Verhalten der Schüler, zählt Palandt positive Effekte auf. Seit Nala mit in ihre Klasse gehe, reguliere sie die Lautstärke dort. Die Kinder wüssten, dass der Hund nervös werde, wenn es zu laut zugeht, und dass sie nichts auf dem Boden herumliegen lassen dürften, weil Nala es andernfalls sofort ins Maul nehme. „Die sind da ganz penibel mittlerweile“, lobt Palandt ihre 6c.

Der Hund ist noch in der Ausbildung. Und zwar in der Hundesschule Langenhagen, wo Palandt, ursprünglich geleernte Sporttherapeutin, die theoretischen Prüfung schon bestanden hat. In vier bis fünf Wochen steht die praktische Prüfung an. Dann muss Nala einer Jury nachweisen, dass sie das Zeug hat zum zertifizierten Schulhund. Seit zwei Wochen darf Nala am lebenden Objekt das Gelernte üben und mit Palandt in die Klasse gehen.

Nala zieht für einen Quiz aus einem Fächer, den ihr Kathrin Palandt hinhält, eine Karte. Quelle: Joachim Dege
Nala zieht für einen Quiz aus einem Fächer, den ihr Kathrin Palandt hinhält, eine Karte. Quelle: Joachim Dege

Dort setzt Palandt ihre Hündin, die als Familienmitglied bei ihr daheim lebt seitdem sie 9 Wochen alt war, im normalen Unterricht ein. So sei Nalas Nähe etwa die Belohnung, wenn ein Schüler etwas gut gemacht habe. Bei einem Quiz ziehe Nala aus einem Fächer eine Karte. Bei Gesprächen von Schülern mit Sozialarbeiterin könne der Hund beruhigend wirken. Zum Einsatz komme Nala auch bei besonderen Unterrichtseinheiten, etwa im Fach Biologie. Doch nie länger als einen Unterrichtsblock lang, also maximal 80 Minuten. Danach brauche Nala eine Pause und kehre zurück an ihren Ruheplatz im Büro der Dikatischen Leiterin Saskia Matschke.

In der Schule ist Nala ein kleiner Star. Die Schüler liebten die Doodlehündin, sagt Palandt. Der Förderverein der Schule gebe einen Zuschuss von 300 Euro zur 800 Euro teuren Schulhundeausbildung. Den Rest trägt die Lehrerin selbst. Auch bei ihren Kollegen habe das Tier ein Stein im Brett und dürfe jederzeit ins Lehrerzimmer: „Manchmal gehen Kollegen auch mit ihr Gassi.“

Gehorsam ist die Grundvoraussetzung

Nala absolviert ihre Ausbildung zur Schulhündin in der Hundesschule Langenhagen/Neustadt von Hundetrainer Stefan Hoffmann. Der attestiert Nala einen hohen Will-to-please-Faktor, was bedeutet, dass das Tier die Nähe zu Menschen sucht und diesen gefallen will. Das sei eine gute Voraussetzung für einen Schulhund. Frauchen Kathrin Palandt habe ein Händchen für Hunde, sagt Hoffmann.

Hoffmanns Hundeschule durchlaufen – vom Welpenkurs bis zur Verhaltentherapie – bis zu 300 Hunde im Jahr. Nach eigener Darstellung hat Hoffmann bereits 20 Schulhunde aus ganz Niedersachsen und benachbarten Bundesländern ausgebildet. Aktuell seien mit Nala zehn Hunde unterschiedlicher Rassen in der Schulhundeausbildung, die vom Niedersächsischen Landesinstitut für schulische Qualitätsentwicklung anerkannt sei. Grundsätzlich eigne sich jede Rasse. Sogar eine Dogge habe er schon ausgebildet zum Schulhund, die an jeder Schulform ebenso eingesetzt werden könnten wie in Kitas.

Grundvorraussetzung sei bei einem so eingesetzten Tier der Gehorsamen. Der Hund müsse in der Lage sein, ruhig zu bleiben, auch und gerade bei Berührungen. Und er müsse sich zurücknehmen können auch dann, wenn es einmal laut wird. Die Fähigkeit zum Apportieren sei ebenfalls ein Muss. Beherrsche er all dies und habe die anspruchsvolle, mindestens 3 bis 4 Monate dauernde Ausbildung durchlaufen, könne ein Schulhund das Lernklima positiv beeinflussen, Kinder ruhiger machen. Schüler lernten plötzlich nicht mehr für den Lehrer, sondern für den Hund, was ihnen viel leichter falle.

Hoffmann nennt als Beispiel die Rechenschwäche Dyskalkulie als Einsatzgebiet. Aus einem Fächer von Karten mit Zahlen darauf könne der Hund die Faktoren ziehen. Die Kinder rechneten dann das Produkt aus. Lägen sie richtig, bekomme der Hund ein Leckerli. Da seien die Kinder auf einmal ganz anders motiviert mitzuarbeiten, sagt Hoffmann.

Ein Schnäppchen ist die Ausbildung nicht. 795 Euro muss hinblättern, wer sie mit seinem Hund in Hoffmanns Hundeschule durchläuft. Dafür bekommt er vom Team des zertifizierten Hundetrainers und Hundeverhaltenstherapeuten nicht nur die Theorie gelehrt und Gruppenunterricht auf dem Hundeplatz. Auch sogenannte Hospitationen sind Teil der Ausbildung.  Dabei begleiten die „Azubis“ fertig ausgebildete Schulhunde und deren Besitzer im Einsatz. Am Ende gibt es nach bestandener Prüfung das vom Kultusministerium goutierte Zertifikat.

Von Joachim Dege

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