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00:18 11.06.2018
Ines Leitner, Sozialarbeiterin und Organisatorin der Job-Messe auf dem Gelände der Justizvollzugsanstalt (JVA), spricht mit Strafgefangenen über Themen, die nach der Entlassung aus der JVA, wichtig sind Quelle: Holger Hollemann
Burgdorf

Wie geht es nach der Entlassung weiter? Diese Frage beschäftigt viele Strafgefangene der Justizvollzugsanstalt Sehnde, die sich bereits im offenen Vollzug in Burgdorf befinden. Um ihnen die größten Ängste zu nehmen, hat Sozialarbeiterin Ines Leitner ein entspanntes Beisammensein mit Vertretern von Institutionen, aber auch mit Unternehmern organisiert. Denn: „Die Hürden werden kleiner, wenn man sein Gegenüber schon einmal gesehen hat“, ist Leitner überzeugt.

Neben Mitarbeitern des Jobcenters kamen am Donnerstagnachmittag auch Beschäftigte einer Schuldnerberatungsstelle, der Diakonie, der Tageswohnung Burgdorf und von Zeitarbeitsfirmen an den Peiner Weg. Bei einem gemeinsamen Grillen konnten die mehr als 60 Männer den Gästen ihre Fragen stellen und damit selbst entscheiden, welches Thema sie vertiefen wollen. Zu denjenigen, die Rede und Antwort standen, gehörte auch Martina Kraatz vom bfw. Ihre Einrichtung begleitet Strafgefangene auf dem Weg in die Freiheit, wie sie es formuliert. Und das bedeute, dass sie und ihr Kollege Michael Schlote bereits während der Haft den Kontakt aufnehmen. „Für uns liegt der Schwerpunkt auf der beruflichen Orientierung und der Integration“, sagt sie, aber: „Als größtes Problem stellt sich zunehmend die Suche nach Wohnungen heraus.“

Diese Sorge treibe die Männer um – während der Haft und auch in den ersten Monaten nach der Entlassung. Denn Kraatz und Schlote begleiten ihre Schützlinge bis zu sechs Monate in Freiheit, kümmern sich um den Einstieg in den Arbeitsmarkt ebenso wie um Behördengänge und eben um Wohnraum. „Inzwischen mieten wir Monteurszimmer an, damit die Entlassenen nicht in Obdachlosenunterkünfte einziehen müssen“, sagt Kraatz. Dort gerieten sie zu schnell in den alten Trott. Ein weiteres Problem sei für viele Männer, wieder Kontakt zu ihren Familien aufzunehmen. „Auch dabei unterstützen wir sie.“

Marcus Schmidt (links) und Selbi Kurtulus-Yavuz (rechts) informieren zwei Strafgefangene über das Thema Zeitarbeit nach der Entlassung aus der JVA. Quelle: Hollemann

Dicht umlagert sind an diesem Tag alle Gesprächspartner, auch Selbi Kurtulus-Yavuz von der Firma Kurt-Zeitarbeit kommt aus dem Reden kaum noch heraus. Denn viele Gefangene versuchen, über die Zeitarbeit den Einstieg in den Beruf zu schaffen. Durchaus mit Erfolg, wie sich an diesem Nachmittag zeigt. Während Kurtulus-Yavuz und ihre Kollegen für eine Arbeit im Metallbereich, Lager und Logistik werben, unterschreibt ein Mittvierziger bereits ein Anfrageformular. In seinem Fall decken sich seine frühere Arbeit im Metallbau mit offenen Stellen: „Das wäre gut, wenn es klappt, denn in zwei Wochen bin ich draußen“, sagt er. Kurtulus-Yavuz betont, dass ihr Unternehmen bislang nur gute Erfahrungen mit der Einstellung von ehemaligen Gefangenen gesammelt habe. „Und letztlich hat jeder eine zweite Chance verdient“, sagt sie. Auch Sven Wichmann stellt sich als potenzieller Arbeitgeber den Häftlingen vor: Er kümmert sich um die Ausbildung von Berufskraftfahrern, Nachwuchs ist dringend gesucht. „Ich hoffe, dass ich Interessierte finde“, sagt er.

Eine Wiederholung des ungewöhnlichen Treffens kann sich Sozialarbeiterin Leitner im nächsten Jahr durchaus vorstellen – wenn die Resonanz der Gefangenen ebenso gut ausfällt wie die der Institutionen und Firmen.

Ria Annese, Mitarbeiterin der Diakonischen Heime im niedersächsischen Kästorf, berät einen Strafgefangenen um Thema Wohnen und Arbeiten nach der Entlassung aus der JVA. Quelle: dpa

Von Antje Bismark

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