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Umland Burgdorf Nachrichten Als Aufmärsche zum Alltag gehörten
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00:16 30.08.2017
Der Bund deutscher Mädchen organisierte in Burgdorf Propaganda-Aufmärsche. Quelle: privat
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Burgdorf

Eröffnet wird die Schau, die aufzeigen will, wie genau Propaganda im Nationalsozialismus funktionierte und welche Mechanismen sich die Machthaber in den Jahren von 1933 bis 1945 zunutze machten, am Sonnabend, 2. September, um 11 Uhr vom VVV-Vorsitzenden Karl-Ludwig Schrader im Stadtmuseum an der Schmiedestraße. Die Einführung ins Thema übernehmen Bürgermeister Alfred Baxmann und der Leiter der Projektgruppe, Horst Regenthal.

Adolf Hitler und sein Propagandaminister Joseph Goebbels nutzten alle damals zur Verfügung stehenden technischen Möglichkeiten, um die deutsche Bevölkerung nach ihrem Willen zu lenken. Im Mittelpunkt der Manipulation standen die neuen Medien Rundfunk, Fernsehen und Tonfilm. Wie die Fernseher damals aussahen, zeigt die Nachbildung einer öffentlichen Fernsehstube, die es in Berlin gab.

Damit die über das Radio verbreitete Propaganda in jeden Haushalt gelangte, wurden die sogenannten Volksempfänger, produziert, die auch für Arbeiter erschwinglich waren. Burgdorfer Rundfunkgeschäfte boten den verbesserten Volksempfänger im Jahr 1938 zum Preis von 65 Reichsmark mit Ratenzahlung an. In den Betrieben gab es zusätzlich „Arbeitsfrontempfänger“ für den Gemeinschaftsempfang. Ablenken vom Kampfgeschehen mit Unterhaltungsfilmen und stärken des Durchhaltewillens via Wochenschau: So nutzten die Machthaber das Medium Film.

Einen kaum zu überschätzenden Stellenwert hatten auch öffentliche Versammlungen, Parteitage und Aufmärsche, der Schulunterricht und NS-Organisationen wie Hitlerjugend, Bund Deutscher Mädel und das Winterhilfswerk. Auch in Burgdorf waren diese Einrichtungen aktiv. Sie organisierten große Aufmärsche durch die Innenstadt und im Stadion.

Das vom Geschäftsführer der Burgdorfer Konservenfabrik geleitete Winterhilfswerk führte regelmäßige Haus- und Straßensammlungen zugunsten der Hilfsorganisation durch. Daran beteiligte sich auch die Ortsfeuerwehr. Mehrfach lud das Burgdorfer Hilfswerk zum Eintopfessen in Gaststätten ein. Zu diesen Eintopfsonntagen sollten alle privaten Haushalte kommen und das dabei gesparte Geld spenden. Die Ausstellung berichtet davon, dass im Kreis Burgdorf auf diese Weise in zwei Jahren Geldspenden von 131.000 Mark und Sachspenden im Werte von 122.000 Mark zusammenkamen.

Die Dokumentation im Museum informiert auch über die Kraft-durch-Freude-Reisen und den Kraft-durch-Freude(KdF)-Wagen. Anmeldungen für die Reisen nahm die Burgdorfer KdF-Dienststelle in der Marktstraße 40 entgegen. Die Kreisleitung der NSDAP, die wie die SA in der Hannoverschen Neustadt 49 (heute Neustadt-Apotheke) untergebracht war, sorgte ebenso wie die Ortsgruppenleitung in der Hannoverschen Neustadt 20 dafür, dass das Alltagsleben im Sinne der Machthaber ablief. Insgesamt gab es mehr als 20 NS-Organisationen in der Stadt.

Schautafeln zeigen die verschiedenen Methoden, mit denen die  Emotionen der Menschen beeinflusst wurden, um ihnen die Ideologie "Ein Volk, ein Reich, ein Führer" einzupflanzen. Exponate veranschaulichen die damaligen Möglichkeiten des Rundfunks und des Fernsehens. Dazu kommen Nachbildungen von sogenannten Vergeltungswaffen, Propagandaplakate, Modellen von Kraft durch Freude-Wagen, Berichte über Kraft durch Freude-Reisen, nachgebildete Schilder von in der Nazizeit umbenannten Straßen, Fahnen und Wimpel, historische Uniformen, Kriegsspielzeug und Bücher, die damals der Bücherverbrennung zum Opfer fielen.

Die Ausstellung ist sonnabends und sonntags von 14 bis 17 Uhr geöffnet. Für Vereine, Schulen und Gruppen werden nach Absprache mit VVV-Geschäftsführer Gerhard Bleich, Telefon (05136) 1862,  auch Führungen innerhalb der Woche angeboten. Der Eintritt ist frei.

Fotostrecke Burgdorf: Als Aufmärsche zum Alltag gehörten

Von Sandra Köhler

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