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18:19 16.11.2017
Hans-Georg Dehne in der von ihm sanierten Diele von Burgdorfs ältestem Haus. Quelle: Fotos: Wulf-Dettmer
Burgdorf

 Das Foyer des Rathauses an der Marktstraße ist rappelvoll, als Andreas Thomann dort am Mittwochabend seine Ausstellung „Mit meiner Hände Arbeit – Hans-Georg Dehne und die Sanierung von Burgdorfs ältestem Haus“ eröffnet. Rund 50 Besucher drängten sich im Erdgeschoss, als Bürgermeister Alfred Baxmann das Engagement Dehnes würdigte: „Es war ein Glücksfall für Burgdorf.“

Denn ohne den Einsatz der Familie Dehne, wäre das Haus Kleine Bahnhofstraße 9 wohl abgerissen worden. Ein Architekt hatte im Rahmen seiner Diplomarbeit zwar festgestellt, dass das Haus noch erhaltenswerte Substanz hat, aber der Kreis der Interessenten, die sich Burgdorfs ältestem Haus annnehmen wollten, war laut Baxmann sehr klein. Deshalb hatte die Stadt dem Vorbesitzer auch bereits die Abrissgenehmigung versprochen. Das war im Frühjahr 2005.  

Doch Hans-Georg Dehne ging das Risiko, das mit der Sanierung eines solch alten Gebäudes verbunden ist, ein und kaufte das Haus. „Die Stadt hat 10.000 Euro dazugegeben“, erinnerte Baxmann: „Im Nachhinein war diese Summe natürlich ein Scherz.“ Denn im Laufe der Jahre hat der Bauherr an die 100.000 Euro in den Wiederaufbau der Ruine investiert – seine Arbeitsstunden nicht gerechnet. 

Wer die alte Tür zum Ackerbürgerhaus Kleine Bahnhofstraße 9 öffnet, tritt in eine großzügige, behagliche Diele – der Auftakt zu einer faszinierenden Besichtigung.

Diese Geduld ist es, die auch den Fotografen Andreas Thomann beeindruckt. „Mir ging es bei meiner Dokumentation darum darzustellen, was das für ein Mensch ist, der solch einen langen Atem hat. Ich wollte wissen, was Hans-Georg Dehne antreibt“, sagte Thomann

Andreas Thomann hat die Sanierung des Haus seit 12 Jahren fotografisch dokumentiert. Quelle: Anette Wulf-Dettmer

Inzwischen sei ihm klar: „Es ist die Liebe zum Material, das er nach historischem Vorbild gestaltet.“ Fasziniert habe ihn auch die Entschleunigung des Alltags, die mit der langwierigen Sanierung einhergegangen sei. „Bei meinen Bildern geht es mir deshalb auch darum, diese Entschleunigung zu zeigen.“ 

Ein Bild aus der Ausstellung: Hans-Georg Dehne baut eine Lehmputzwand per Hand auf. Quelle: Andreas Thomann

Für die Sanierung des Ackerbürgerhauses aus dem Jahr 1648 hat Dehne nach eigenen Angaben fast nur Material eingesetzt, das von abgerissenen Gebäuden stammt. „Für den Lehmputz habe ich alte Lehmsteine über Nacht ins Wasser gelegt. Am nächsten Morgen war der Lehm herausgelöst und ich konnte ihn mit Sand mischen und die Wände damit putzen“, berichtete Dehne beim Rundgang durch das Haus. Auch die Balken für das Fachwerk, das teilweise ersetzt werden musste, stammen aus alten Gebäuden. „Es ist wichtig, Altes mit Altem zu verbinden“, sagte Dehne

Er selbst wird ins Dachgeschoss des Hauses einziehen. Das Erd- und das erste Obergeschoss würde er gern vermieten. Was jedoch angesichts der historischen Baumaterialien und einer Raumhöhe von teilweise nur 1,70 Meter besondere Ansprüche an die Mieter stellt. Dafür ist es schön warm: Es gibt Fußboden- und Wandheizung. Technisch stattet Dehne das Haus nach modernem Standard aus – mit Strom, Starkstrom und Internetanschluss. „Dafür brauche ich allerdings professionelle Handwerker“, sagt Dehne. Angesichts des Baubooms in der Stadt sind die jedoch Mangelware. Deshalb ruhen die Bauarbeiten zurzeit. 

Die Ausstellung im historischen Rathaus, Marktstraße 55, kann bis zum 26. Januar montags von 8 bis 15.30 Uhr, mittwochs und freitags von 8 bis 13 Uhr sowie donnerstags von 8 bis 18 Uhr.

Voles Haus bei der Ausstellungseröffnung am Mittwochabend im Rathaus I. Quelle: Wulf-Dettmer

Von Anette Wulf-Dettmer

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