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Stiefvater schlägt Sohn mit Eisenstange

Burgdorf Stiefvater schlägt Sohn mit Eisenstange

In Deutschland hat jedes Kind das Recht auf eine gewaltfreie Erziehung. Das hat das Amtsgericht einem 72 Jahre alten Angeklagten eingeschärft und ihn wegen gefährlicher Körperverletzung verurteilt.

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Das Amtsgericht Burgdorf verurteilte einen 72-Jährigen, weil er seinen Stiefsohn auf einem Parkplatz in Hannover mit einer Eisenstange züchtigte.
 

Quelle: Joachim Dege

Burgdorf.   Klarer Fall von gefährlicher Körperverletzung: Das Amtsgericht hat am Donnerstag einen 72 Jahre alten Mann zur Mindestfreiheitsstrafe von sechs Monaten verurteilt, weil er im Juli vergangenen Jahres auf einem Baumarkt-Parkplatz im hannoverschen Stadtteil Vinnhorst seinen fünf Jahre alten Stiefsohn mit einer Eisenstange züchtigte.

Weil das Opfer ein Kind ist, bekam Jugendrichter Klaus von Tiling den Fall auf den Tisch. Der Prozess im Saal 25 geriet zu einer Art Therapiesitzung. Immer wieder musste der Richter den zu cholerischen Ausfällen neigenden Angeklagten anhalten, sich an den Riemen zu reißen, Zeugen nicht ins Wort zu fallen, diese nicht zu duzen und erst recht nicht anzuschreien. Was gleichwohl geschah. Der gebürtige Berliner, der in Turnschuhen zum Nadelstreifenanzug auf der Anklagebank Platz nahm, ließ sich kaum bändigen.

Der Mann bessert seine Rente mit Gelegenheitsjobs auf. Am fraglichen Tag stand Gartenarbeit auf dem Plan. Mit seiner Lebensgefährtin und deren fünf Jahre altem Sohn begab er sich zu einem Baumarkt an der Schulenburger Landstraße in Hannover. Dort versuchte der 72-Jährige mit einer Metallkurbel ein Rad an eine Schubkarre zu montieren. Weil das alles andere als geschmiert lief, geriet er in Rage. 

Als dann auch noch der Sohn mit dem Einkaufswagen aus dem Baumarkt dem neuen Auto des Angeklagten zu nahe kam, tickte der Mann aus: „Der Wagen ist zu teuer gewesen, als dass da eine Schramme reinkommen darf“, rechtfertigte er den Wutausbruch. Nach Aussage von drei Zeugen holte der Mann kurzerhand aus und züchtigte das Kind. 

Zwei der Männer, die das Geschehen aus wenigen Meter Entfernung verfolgt hatten, schilderten, wie der Schläger den Jungen mit der Metallkurbel am Bein traf und dieser dann schreiend zu Boden sank. Der Angeklagte behauptete steif und fest, nur mit der Hand zugeschlagen zu haben, was freilich auch schon den Straftatbestand der Körperverletzung erfüllte, wie Richter von Tiling klarstellte: „In Deutschland haben Kinder das Recht auf eine gewaltfreie Erziehung.“. 

Die Zeugen hatten noch versucht, auf den Wüterich einzuwirken. Als der dann aber einen Kaufhausdetektiv bedrohte, rief dieser die Polizei zu Hilfe. Als die eintraf, hatte der Angeklagte längst Reißaus genommen. Polizisten besuchten den Mann daher in seiner Wohnung in einem Burgdorfer Ortsteil. Dort trafen sie auch das Kind an, das angab, vom Stiefvater mit der Eisenstange geschlagen worden zu sein. Eine Rötung und eine Schwellung am Bein dokumentierte eine Polizistin mit der Digitalkamera.

Staatsanwaltschaft und Richter von Tiling hatten deshalb keinen Zweifel, dass sich der Übergriff wie von den Zeugen geschildert zugetragen hat. Das Gericht griff in seinem Urteil zur Mindeststrafe von sechs Monaten und setzte diese für zwei Jahre zur Bewährung aus. Obendrein brummte es dem uneinsichtigen Angeklagten 15 Stunden gemeinnützige Arbeit auf. „Noch so eine Nummer, und Sie landen im Knast“, gab der Richter dem Rentner mit auf den Weg.

Von Joachim Dege

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