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Nachrichten Beregnungskanonen laufen Tag und Nacht
Umland Burgdorf Nachrichten Beregnungskanonen laufen Tag und Nacht
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00:39 01.06.2018
In der Feldmark zwischen Dollbergen und Schwüblingsen beregnen die Landwirte ihre Getreideäcker bereits zum dritten Mal in diesem Jahr. Quelle: Wulf-Dettmer
Uetze/Burgdorf/Lehrte

Die Landwirte beregnen ihre Feldern in Uetze und Burgdorf fast rund um die Uhr. Die Wasserwerke des Wasserverbands Peine laufen unter Volllast. Das sind Folgen der anhaltenden Trockenheit und Hitze. „Noch müssen wir anders als in anderen Regionen Niedersachsens keine Nutzungseinschränkungen für die Bürger aussprechen“, sagt Sandra Ramdohr, Sprecherin der Wasserverbands Peine.

Der Verband betreibt unter anderem das Wasserwerk am Schwüblingser Kreisel und versorgt die Menschen in Uetze und Teilen von Lehrte mit Trinkwasser. Um den Bedarf in diesen heißen Tagen zu decken, speise das Wasserwerk stündlich bis 400 Kubikmeter Trinkwasser ins Netz ein. Das sei die maximale Produktionsmenge. Wie Ramdohr weiter ausführt, sorge eine vorausschauende Systemsteuerung bei der Befüllung und der Abgabe aus den Wasservorratsbehältern für einen stabilen Netzbetrieb. Zudem seien die für diese Woche geplanten Rohrnetzspülungen verschoben worden. An die Verbraucher appelliert Ramdohr, beim Wasserverbrauch umsichtig zu handeln. „Ein umwelt- und ressourcenschonender Umgang mit Trinkwasser sollte selbstverständlich sein, zum Beispiel beim Gießen des Gartens.“

Für die Landwirte in Uetze, Burgdorf und Lehrte bedeutet die aktuelle Trockenheit gepaart mit Temperaturen jenseits der 30 Grad und einem leichten Wind lange Arbeitstage. Denn sie müssen ihre Beregnungsmaschinen fast rund um die Uhr in Betrieb haben. „Die Beregnung bestimmt derzeit den Tagesablauf in den Familien“, sagt der Schwüblingser Landwirt Carsten Fricke. Was auch schon mal zu Spannungen führe.

Die Trockenperiode komme zu früh. Das Sommergetreide befinde sich in einer Phase, die entscheidend für den Ertrag und Qualität sind. Zurzeit bilden die Pflanzen ihre Ähren aus, erklärt Fricke, der selbst sieben Beregnungskanonen laufen hat. „Wir müssen kontinuierlich beregnen, um die erforderlichen Qualitätsstandards wie die Kornausbildung einzuhalten.“ Das Problem sei vor allem die Hitze und der leichte Wind aus Nordost, Ost und Südost, sodass sich nachts kaum Tau bildet. Tau können Pflanzen sehr effektiv nutzen, um ihren Durst zu stillen. Fricke und seine Berufskollegen befürchten, das bei anhaltender Trockenheit selbst der genügsame Roggen zusammenbricht.

Ein Wetterumschwung ist nicht in Sicht. Zwar soll es lokal heftige Gewitterschauer geben, doch deren Wirkung für die Pflanzen und die Grundwasserneubildung ist nicht vergleichbar mit einem Landregen. „Zurzeit zehren wir noch von den überdurchschnittlich hohen Niederschlagsmengen im Herbst und Winter“, sagt Fricke. Bleibt es so trocken, kommt auch die Beregnung an ihre Grenzen, nicht nur von der Kapazität her, sondern auch in ihrer Wirkung. Denn die Pflanzen haben ihre eigenen Mechanismen, um der langen Trockenheit zu begegnen: Die Getreidekörner reifen schneller ab. Folge dieser sogenannten Notreife sind Körner mit sehr kleinem Mehlkörper. Das bedeute nicht nur einen hohen Ertragsausfall. Das Getreide wäre auch nicht zum Backen geeignet. Im Wintergetreide sind laut Fricke bereits die ersten Trockenschäden erkennbar.

Immer häufiger bleibt der Regen im Frühsommer aus

„Ähnliches Wetter hatten wir im Expojahr“, erinnert sich Landwirt Carsten Fricke, der seit rund 40 Jahren ein Wettertagebuch führt. Auch damals sei die Temperatur schon Ende April auf 28, 29 Grad gestiegen. „Auch der Mai war sehr warm. Am 28. Juni kam dann der Wetterumschwung, und der Sommer war vorbei“, berichtet Fricke. Juli und August, die klassischen Sommermonate, waren nass und kühl. Anhand seiner jahrzehntelangen Aufzeichnung beobachtet Fricke, dass es immer häufiger im April und Mai eine lange Trockenperiode gibt. „Die Frühsommer-Trockenheit nimmt definitiv zu.“ Dabei benötigen die landwirtschaftlichen Kulturen gerade in dieser Zeit viel Feuchtigkeit, wie schon die alte Bauernregel besagt: „Mai kühl und nass, füllt dem Bauern Scheun’ und Fass.“

„Wir haben in den letzten vier Wochen keinen Westwind gehabt“, sagt Fricke. Der Westwind bringt die Feuchtigkeit von den Meeren ins Land. Er befürchtet, dass es noch längere Zeit so bleibt. Denn eine alte Wetterregeln besagt: „Woher der Wind in der Quatember-Woche weht, wird er auch im nächsten Vierteljahr herkommen.“ Die Quatember-Woche war erst vor Kurzem, und der Wind wehte laut Fricke aus Nordost, Ost und Südost.

Von Anette Wulf-Dettmer

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