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Nachrichten Verdienstmedaille für Rudolf Bembenneck
Umland Burgdorf Nachrichten Verdienstmedaille für Rudolf Bembenneck
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00:15 15.12.2016
Rudolf Bembenneck.  Quelle: Dethard Hilbig
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Burgdorf

"Heute verneigt sich Deutschland vor Ihnen und Ihrem ehrenamtlichen Engagement", sagte Regionspräsident Hauke Jagau, als er dem 83-Jährigen die Auszeichnung im Namen des Bundespräsidenten überreichte. Mit dieser Ehrung erfährt Rudolf Bembenneck im großen Rahmen Anerkennung für das, was er auf seine ruhige und sehr nachhaltige Art für die Burgdorfer Stadtgesellschaft geleistet hat. Vorgeschlagen hatten ihn zeitgleich zwei seiner Wegbegleiter: Dr. Judith Rohde vom Arbeitskreis 9. November und Harald Scherdin-Wendtland vom Arbeitskreis Stadtgeschichte Burgdorf.

Mit seiner eigenen Person im Mittelpunkt stehen: Das ist nichts für Rudolf Bembenneck. So sehr er sich für andere und seine Überzeugungen einsetzt, sich auch nicht zu fein ist, Klinken zu putzen, wenn es nötig ist, so wenig kann der bescheidene Theologe persönliche Huldigungen abgewinnen. Doch die ließ er vor fast 100 Gästen im Haus der Region über sich ergehen. Damit ihm wichtige  Themen zur Sprache kommen konnten.

Weithin nach außen sichtbar sind dies die Aufarbeitung der Geschichte Burgdorfs insbesondere im Nationalsozialismus, das Schaffen einer Gedenkkultur und die Verständigung zwischen Christen und Juden. Von Stolpersteinen vor Häusern, in denen Juden lebten, über den Gedenkfries für Holocaustopfer im Ratssaal, von Ausstellungen über Publikationen und Gedenkveranstaltungen bis hin zu Projekten mit Jugendlichen reicht die Spanne dessen, was er initiiert hat. Darüber hinaus setzt sich Bembenneck in verschiedensten Einrichtungen und Gremien für Geflüchtete, Behinderte, Alte und Ausgegrenzte ein: gelebte Diakonie. Kein Wunder also, dass jeder Redner viel und sehr Persönliches über Begegnungen mit Bembenneck zu berichten wusste.

Scherdin-Wendtland erzählte mit Tränen in den Augen, wie er dank Bembenneck das Schicksal seines Vaters als Zwangsarbeiter für sich aufarbeiten konnte. Rohde nannte ihn ihren Mentor. Professor Dr. Gabor Legyel von der Liberalen jüdischen Gemeinde Hannover nennt ihn Bruder: "Er schaut nicht auf die Unterschiede, sondern auf die Gemeinsamkeiten." Andor Izsák, Ehrenpräsident der Siegmund-Seligmann-Stiftung, improvisierte statt eines Grußwortes an einer Orgel über die Melodie "Heiliges Gefühl", die sowohl in Synagogen als auch in Kirchen angestimmt wird: "Auch wenn wir uns nicht oft sehen, sind wir uns nahe." Bürgermeister Alfred Baxmann bemühte den eigentlich mit dem kürzlich verstorbenen Hans Werner Dannowski verbundenen Begriff "Stadt-Weisen" und ergänzte den um das Attribut "Wegweisender".

Wollte man alle Verdienste des aus der Gemeinde Schlangen/Lippe stammenden Theologen aufzählen- dann bedürfte dies nicht Zeilen, sondern Seiten. Auf seine  Initiative wurden in den Neunzigerjahren erstmals die Folgen des Holocausts für das Zusammenleben der beiden Religionen innerhalb der Hannoverschen Landeskirche thematisiert. 2013 sogar die Kirchenverfassung dahingehend geändert, dass die Kirche ihre Schuld anerkennt, nach Versöhnung sucht und Begegnungen mit Juden und Judentum fördert. "Wenn die Kirche ihre Verfassung ändert, ist das, als würde das Grundgesetz geändert", machte  die ehemalige Superintendentin Oda-Gebbine Holze Stäblein die Bedeutung deutlich.

"Es tut mir gut und ich bin sehr dankbar, dass ihr heute alle hier seid", bedankte sich Bembenneck gerührt. Sein Leben und Wirken sei "mäßig" gewesen, konstatierte der Geehrte: "angemessen dem, was ich an Lebenskraft, Begabungen und Freundschaften mitbekommen habe." Ans Ende seines Dankwortes stellte er einen  Apell, der mehr als alles andere über sein Wesen und seinen Antrieb aussagt: "Nicht nur der Staat, sondern jeder Bürger ist in der Pflicht, Menschenleben zu achten und zu schützen."

 Welches Verdienst schätzen Sie besonders an Rudolf Bembenneck?

 "Neben vielen anderen Verdiensten ist es vor allem seine unermüdliche und akribische Forschungsarbeit, die ihn auszeichnet. Ihm haben wir es zu verdanken, dass wir heute sehr viel mehr wissen über unsere lokale Geschichte in ihrer Gänze, auch und gerade über ihre „dunklen“ Kapitel. Er vermittelt Wissen, um Gewissen zu bilden. Rudolf Bembenneck ist eine der beeindruckendsten Personen, die ich kennen lernen durfte."

Bürgermeister Alfred Baxmann

"Ich muss zwei Verdienste nennen, die mir persönlich gleich wichtig sind. Das erste ist sein Beitrag zur Neubestimmung des Verhältnisses von Kirche und Judentum in der Landekirche Hannover. Das zweite für mich wichtige Verdienst ist, dass durch ihn die Namen der im Nationalsozialismus ermordeten Juden und Jüdinnen Burgdorfs im Gedenkfries gleichsam in Heimaterde einen Erinnerungsort gefunden haben. Und dieser Erinnerungsort ist dort, wo der Rat der Stadt über Sozial- und Flüchtlingspolitik diskutiert und entscheidet."

Dr. Judith Rohde, Sprecherin Arbeitskreis Gedenkweg 9. November

"Richtig kennen und schätzen gelernt habe ich ihn, als ich in ihm für den Förderkreis für Burgdorfer Senioren einen neuen 1. Vorsitzenden gefunden habe. Das war ein wahrer Glücksfall. Mit ihm kam der Verein in Schwung, wurden tolle Ideen entwickelt und energisch umgesetzt. Er war es, der hauptsächlich für die erforderlichen Spenden sorgte. Seine Bescheidenheit hindert ihn, sich außer durch fundierte Beiträge im Seniorenrat Geltung zu verschaffen. Wenn er dann geredet hat, ist die Diskussion entweder ein gutes Stück weiter gekommen oder entschieden. Der letzte Punkt ist seine bewundernswerte Geduld und seine Art, jedermann nicht nur zu tolerieren sondern auch zu akzeptieren, seinen Fleiß und seine Akribie. Die Ehrung ist längst überfällig."

Wolf Büttner, Vizevorsitzender des Förderkreis Burgdorfer Senioren und Mitglied im Burgdorfer Seniorenrat

 "Ich schätze seine intensive und umfassende Forschung über das Leben und Sterben der früheren jüdischen Mitbürger. In mühseliger Kleinarbeit und mit dem Stöbern in diversen Archiven in Deutschland und im Ausland hat er die Fakten ermittelt. Ohne ihn gäbe es weder die Stolpersteine, noch das Relief mit den Namen und Daten der Burgdorfer Juden in mit verarbeiteter Burgdorfer Erde im Ratssaal, weder die Nutzung der ehemaligen Synagoge für Ausstellungszwecke, noch den Bilderzyklus "Schweigespuren" von Uwe Appold. Seine Mitarbeit an der Erforschung und Sammlung von Daten zum Nachweis über die Zwangsarbeiter in Burgdorf und deren Schicksale ist ein weiterer wichtiger Beitrag. Der Arbeitskreis 9. November lebt auch von seinen Ideen und Beiträgen. Sein Einsatz gegen das Vergessen unserer Geschichte ist von unschätzbarem Wert."

 Adolf W. Pilgrim, langjähriger Vorsitzender der Burgdorfer SPD-Ratfraktion

"Ich kenne Pastor Bembenneck nun schon einige Jahrzehnte, seitdem ich als Vorsitzender des Landesverbandes der Jüdischen Gemeinden von Niedersachsen Eigentümer von mehr als 200 Friedhöfen geworden bin. Herr Bembenneck war stets bemüht, bei der Aufarbeitung der Verbrechen, die Deutsche an ihren jüdischen Mitbürgern begangen haben, mitzuwirken. Das war ihm ein großes Anliegen, für Verständnis zwischen Christen und Juden zu werben. Bembenneck ist ein Mann der leisen Worte, aber das heißt nicht, dass man seine Worte nicht hört. Er ist „deutlich“ leise, nicht zu überhören und stets auch sehr nachhaltig, wenn er seine Anliegen durchsetzen will. Ich freue mich, dass er dafür geehrt wird. Er hat das wirklich verdient"

Michael Fürst, Präsident des Landesverbandes der jüdischen Gemeinden von Niedersachsen

Fotostrecke Burgdorf: Verdienstmedaille für Rudolf Bembenneck

Von Sandra Köhler

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