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Burgdorf Unverhofft zur Deutschen Para-Meisterschaft
Umland Burgdorf Unverhofft zur Deutschen Para-Meisterschaft
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15:38 25.07.2018
Stute Stella, Fahrerin Pamela Witte und Beifahrerin Katrin Steinmetz sind ein eingespieltes Team. Quelle: privat
Obershagen

„Heinrich ist schuld“, sagt Pamela Witte lachend. Wegen ihm, erläutert die 43-Jährige, sei sie nicht nur zum Fahrsport gekommen, sondern starte auch bei der 18. Deutschen Meisterschaft (DM) der Para-Gespannfahrer. Sie wird am Wochenende in sächsischen Schildau ausgetragen. Dort gehen Menschen mit amtlich festgestellten Einschränkungen durch Behinderungen, Unfälle oder Krankheiten im Team mit Gesunden an den Start. „Wir haben schon gewonnen, weil wir dabei sind“, sagt ihre Trainingspartnerin und Beifahrerin Katrin Steinmetz: „Wir sind ganz entspannt und warten ab, was sich ergibt.“ Bei der Hitze stehe die Gesundheit des Pferdes absolut im Vordergrund. „Wenn ich merken sollte, es geht nicht, bin ich die erste, die die Hand hebt und aussteigt“, sagt Witte.

Doch der Reihe nach. Heinrich – das ist Heinrich Habermann, Landwirt und Pferdezüchter in Obershagen. Ihm gehört achtjährige Stella, mit der Witte bei den Deutschen Meisterschaften an den Start gehen wird. „Eine Prinzessin, die aber genau weiß, wann es drauf ankommt und auf dem Platz wächst. Lernwillig, charakter- und willensstark mit guten Grundgangarten“, beschreibt Witte die Stute, deren Vater Deutscher Meister war. Durch Habermann stieg die zweifache Mutter vom „Einfach-aus-Spaß-Fahren“ mit den von ihr 2012 erworbenen drei Shetlandpony-Hengsten tiefer in den Fahrsport ein. „Erst war ich nur seine Beifahrerin, dann sagte er mir: „Mach mal dein Fahrabzeichen, damit du sie ab der nächsten Saison selber fahren kannst.“ Das tat Witte. Seit November 2015 fährt sie offiziell – und zahlte Lehrgeld. „Die erste Saison war mehr schlecht als recht.“

Bei einem Lehrgang lernte sie die 42-jährige Steinmetz kennen. Die beiden Frauen mochten sich – und begannen gemeinsam zu trainieren. Steinmetz war es auch, die Witte motivierte, sich ans Deutsche Kuratorium für therapeutisches Reiten zu wenden: „Mach mal die Untersuchung, vielleicht kannst du ja bei den Parafahrern starten.“ Und so kam es. Wittes durch einen Gendefekt bedingten Einschränkungen in Rücken, Schulter und Arm wurden anerkannt. „Seither geht es sportlich bergauf“, sagt Witte, die seitdem zahlreiche Trainingswochenenden, Lehrgänge und auch regelmäßige Trainingseinheiten mit dem ehemaligen Bundestrainer Eckhardt Meyer absolviert hat.

Beim Training: Pamela Witte auf dem Bock und Katrin Steinmetz hinter ihr. Quelle: privat

„Beim Osterlehrgang der Parafahrer hieß es dann: ’Du fährst mit zur DM’. Und ich sagte nein“, erinnert sich Witte. Denn zu dem Zeitpunkt sei sie noch nicht in der notwendigen Leistungsklasse gewesen. Doch Meyer wusste Rat, organisierte in einer Dreiviertelstunde einen Platz in einem Lehrgang fürs große Fahrabzeichen. „Seit 1. Juli habe ich Leistungsklasse 5, am 3. Juli kam das Go vom Bundestrainer“, sagt Witte, die für die DM fünf bis sechs mal in der Woche trainiert hat. Dort stehen für sie in der Kategorie Einspänner Klasse M drei Prüfungen an: Dressur, Kegelfahren und Gelände. An den Start geht die 43-Jährige übrigens für die Pferde- und Kutschenfreunde Burgdorf.

„Pam ist schnell und mutig“, sagt Steinmetz über ihre Gespannpartnerin, zu deren Team als Beifahrer auch noch Dennis und Amelie gehören. Wittes Stärke sei das Geländefahren, nicht zuletzt deshalb, weil sie die Parcours gut lesen und optimal auf ihre und Stellas Möglichkeiten anwenden könne: „Dressur üben wir noch, das wird nächstes Jahr ihre Lieblingsdisziplin“, sagt Steinmetz. Denn ein gutes Abschneiden in der Dressur sei bereits die halbe Miete. „Ein Platz im ersten Drittel wäre schön“, verrät Witte, worauf sie heimlich hofft.

Aktuelle Ergebnisse und Berichte zur Deutschen Meisterschaft in Schildau, wo parallel auch die sogenannten Regelsportler im Einspänner an der Start gehen, finden sich im Internet unter www.turnierdienst-brinkmann.de, www.hippoevent.at und www.hoefnet.nl/de .

Das nötige Equipment ist nicht ohne

„Fahren ist kein günstige Hobby“, sagt Pamela Witte. Da braucht es ganz viel Equipment: ein Auto, mit dem sich mal locker 3,5 Tonnen Gewicht ziehen lassen, ein Pferdeanhänger mit Plattform, eine Kutsche für die Dressur und eine weitere speziell fürs Gelände. „Dazu Trainingsstunden und Lehrgänge, die auch bezahlt werden wollen“, zählt Witte auf. Eine fünfstellige Summe verschlangen diese Investitionen in den vergangenen zwei Jahren. Für die Deutsche Meisterschaft kommen noch Benzin, Unterkunft für die Mannschaft und Pferdestellplatz hinzu, sowie Verpflegung und Startgeld. „Ich bin froh, dass ich einige Sponsoren gefunden habe“, sagt die Parasportlerin. Kistenweise Wasser und Brötchen, Wasserkanister und Spanngurte habe sie so erhalten. „Und mein Bruder hat auch noch was auf den Tisch gelegt und eine Uhr und Gamaschen spendiert.“

Von Sandra Köhler

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