Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Burgwedel Die Feuerwehr kommt auf dem Motorrad
Umland Burgwedel Die Feuerwehr kommt auf dem Motorrad
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
17:24 09.07.2018
Diesmal ohne Motorrad: Jacob Ester (links) und Michael Busch von der Ortsfeuerwehr Großburgwedel sind zusätzlich Kradmelder bei der Regionsbereitschaft. Quelle: Gabriele Gerner
Großburgwedel

Sie sind so etwas Ähnliches wie die berittenen Melder beim Militär – die Kradmelder der Regionsbereitschaft der Feuerwehr. Bei so genannten Großschadenslagen, beispielsweise bei Hochwasser oder Sturm, erkunden sie für die Feuerwehr den Einsatzort per Motorrad, bevor die großen Fahrzeuge anrücken. Sie schätzen ein, ob die Lösch- und Rettungsfahrzeuge sicher zum Unglücksort und wieder zurück kommen. Fünf Feuerwehrleute sind derzeit im Brandabschnitt V, der für Burgwedel, Langenhagen, Isernhagen und die Wedemark zuständig ist, als Kradmelder aktiv. Drei von ihnen kommen von der Ortsfeuerwehr Großburgwedel: Tibor Biczók, Jacob Ester und Michael Busch.

„Ich bin immer gern Motorrad gefahren und bin in der Feuerwehr, seit ich 14 Jahre alt bin“, sagt Michael Busch. Der ehemalige Bundeswehrsoldat ist inzwischen Pensionär. Während seiner Berufstätigkeit musste er viele Jahre lang mit dem Ehrenamt pausieren. „Doch jetzt habe ich Zeit, mich wieder stärker in der Feuerwehr einzubringen“, sagt der 54-Jährige. Bei der Ortsfeuerwehr Großburgwedel ist er als Schirrmeister für den Fuhrpark zuständig. Seit über einem Jahr gehört er zusätzlich zu den Kradmeldern der Region.

Jacob Ester ist seit einigen Wochen neu bei den Kradmeldern. Als Gruppenführer und erfahrener Motorradfahrer erfüllte er die Voraussetzungen für dieses spezielle Amt. „Ich wurde gefragt, ob ich das machen würde, und da habe ich Ja gesagt“, erzählt der 32-Jährige. Genau wie Busch ist er seit seiner Jugend aktiv bei der Feuerwehr. Im Hauptberuf ist er leitender Software-Entwickler bei Madsack Online. „Im vergangenen Jahr bin ich nach Großburgwedel gezogen, da bin ich gleich hier in die Ortsfeuerwehr eingetreten“, sagt er. Privat fährt Jacob Ester eine Ducati 1098 und eine Suzuki RGV 250. „Doch zur Arbeit nach Bemerode nehme ich lieber S- und Stadtbahn“, betont er. „Damit umgehe ich den täglichen Stau.“

„Die Geländegängigkeit ist der große Vorteil“

Hindernisse umgehen, das Gelände erkunden und die besten Wege finden – das ist auch seine Aufgabe als Kradmelder bei der Regionsfeuerwehr. „Die Geländegängigkeit des Motorrads ist der große Vorteil“, betont Jacob Ester. „Wenn nach einem schweren Sturm viele umgestürzte Bäume auf den Wegen liegen, kann die Zufahrt für einen RTW versperrt sein. Ist das Gelände zusätzlich noch eng, könnte das dazu führen, dass ein Rettungsfahrzeug kilometerweit rückwärts fahren muss, um aus dem Bereich wieder herauszukommen.“ Solche Szenarien, die im Notfall unnötig Zeit kosten, gelte es zu vermeiden. Dazu tragen Kradmelder bei, indem sie bessere Wege erkunden und dem Einsatzteam vorschlagen. „Das Gleiche gilt für schlammige Wege nach Hochwasser. Wir müssen einschätzen, ob sich ein Rettungsfahrzeug darin festfahren kann und gegebenenfalls Alternativwege erkunden“, ergänzt Michael Busch.

Einen echten Einsatz als Kradmelder hatten die beiden Großburgwedeler bislang noch nicht. „Ich weiß von Kollegen, die schon länger dabei sind, dass die Kradmelder einmal bei Hochwasser in Hildesheim im Einsatz waren“, weiß Busch. Wenn es Alarm gibt, müssen die ehrenamtlichen Helfer blitzschnell reagieren: Abmelden von der Arbeit, zur Regionszentrale fahren, das Dienst-Motorrad besteigen, sich mit den anderen Helfern abstimmen und zum Einsatzort fahren. „Damals waren die Kradmelder nach nur sieben Stunden vor Ort“, sagt Busch beeindruckt.

Ein- bis zweimal im Jahr werden die Kradmelder auf mehrtägigen Übungen geschult. „Bei der letzten Übung im Harz habe ich festgestellt, dass wir in bergigem Gelände mit dem Funk an Grenzen stießen“, berichtet Busch. „Wenn die Funkverbindung nicht klappt, müssen die Kradmelder nach dem Erkunden wieder zurück fahren und ihre Beobachtungen und Empfehlungen mündlich übermitteln.“ Dass dies zeitaufwändig ist, stört ihn nicht: „Hauptsache ist doch, die Information kommt an. Bergen und retten kann die Feuerwehr nur, wenn sie selbst nicht feststeckt.“

Von Gabriele Gerner

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Die HAZ freut sich am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Noch bis zum 13 Juli und von 10. bis 12. Oktober können keine nachmittäglichen Online-Termine für das Bürgerbüro Burgwedel vereinbart werden. Spontane Besuche sind aber möglich.

09.07.2018

Nach dem Massensturz auf der L 310 haben die schwedischen Radfahrer ihre Tour nach Paris fortgesetzt. Der Audifahrer, der als mutmaßlicher Verursacher gesucht wurde, will nichts damit zu tun haben.

09.07.2018

Bereits zum zweiten Mal hat sich der Gesprächskreis „Demenzsensible Kommune“ getroffen. Betroffene, Interessierte und mit dem Thema Vertraute benannten konkrete Wünsche und entwickelten Ideen.

08.07.2018