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Burgwedel Altlast wird aufwendig saniert
Umland Burgwedel Altlast wird aufwendig saniert
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12:45 13.09.2018
Justus Eggeling von der Region Hannover erläutert die Darstellung der Schadstofffahne, die bislang noch aus punktuellen Messungen berechnet wurde. Sein Zeigefinger ist auf die Quelle der Altlast im Mitteldorf 16 gerichtet - je blasser die Farbe, desto geringer die CKW-Werte. Quelle: Martin Lauber
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Großburgwedel

Vom Mitteldorf aus erstreckt sich eine Schadstofffahne über mehrere Hundert Meter Richtung Nordwesten: Die Hinterlassenschaft einer chemischen Reinigung, die den zulässigen Grenzwert für giftige chlorierte Kohlenwasserstoffe (CKW) punktuell um das 2900-Fache überschreitet, sitzt acht bis zwölf Meter in der Tiefe in der Grundwasser-führenden Bodenschicht. Wie die 350.000 Euro teure mikrobielle Sanierung vonstatten gehen soll, darüber haben sich am Mittwochabend im Sitzungssaal des Rathauses circa 20 betroffene Anlieger informieren lassen – vom Leiter der Unteren Bodenschutzbehörde, Justus Eggeling, von Dr. Michael Gerth von der Detmolder Geo-Infometric GmbH sowie von Mark Zittwitz von der Berliner Firma Sensatec, die die auf drei Jahre angelegte Sanierung konzipiert hat.

Die Hinterlassenschaften einer chemischen Reinigung im Großburgwedeler Mitteldorf wirken nach: Eine Schadstofffahne zieht sich Hunderte Meter durch den Untergrund, die Altlast muss saniert werden.

Wo kommt das Gift her?

Über eine defekte Abwasserleitung der chemischen Reinigung Gehrmann war bis zum Jahr 2000 über viele Jahre hinweg damals handelsübliches CKW-haltiges Lösungsmittel vom Grundstück Mitteldorf 16 in den Boden gelangt. Es war in die Grundwasser-führende Schicht gesickert, von dort hat es sich ausgebreitet. Nach heutigem Wissensstand, der auf mittlerweile rund zehn Einzelgutachten basiert, gelangte insgesamt eine Menge von „mehreren Hundert Kilogramm“ CKW, so Eggerling, ins Grundwasser.

Wie gefährlich sind chlorierte Kohlenwasserstoffe?

Leicht-flüchtige chlorierte Kohlenwasserstoffe können das Nervensystem, die Nieren und die Leber schädigen, sie sind gentoxisch und können Krebs verursachen – „wenn Sie damit in Kontakt treten“, wie Michael Gerth präzisierte. Von der von vielen Metern Erdreich bedeckten Großburgwedeler Altlast gehe für die Anwohner keine Gesundheitsgefahr aus, das hat die Region immer wieder beteuert. Für das kontaminierte Grundwasser aus Hausbrunnen im Bereich der Schadstofffahne gilt laut Mark Zittwitz allerdings: „Aus Gründen des Gesundheitsschutzes ist von jeglicher Nutzung des Grundwassers abzuraten – auch während der Sanierung“. Von potenziellen Ausgasungen gehen keine Risiken aus, hieß es. Sie bewegten sich im nicht mehr nachweisbaren µ-Bereich.

Wie ausgedehnt ist die Altlast?

Die Lage der Schadstofffahne mit unterschiedlichen CKW-Konzentrationen auf unterschiedlichen Höhenleveln, wie sie beim Info-Abend auf einer Karte gezeigt wurde, basiert bisher nur auf Berechnungen anhand punktueller Messungen. Sie erstreckt sich vom Mitteldorf aus über die Meineworth-Kreuzung in die Heinrich-Wöhler-Straße hinein und zieht sich eng anliegend zu beiden Seiten der Dammstraße Richtung Nordwesten bis über die Von-Eltz-Straße hinaus.

Warum geht die Sanierung erst jetzt los?

Bekannt ist das Problem tatsächlich schon gut 20 Jahre. Aber nicht nur die Untersuchungen – insbesondere der Fließrichtung des oberflächennahen Grundwassers – gestalteten sich schwierig, sondern bereits der Zugriff der Behörden auf die Schadstoffquelle. Bereits in den Neunzigerjahren war der Betreiber der Reinigung zu eigenen Messungen aufgefordert worden. Nach seiner Insolvenz hielten die Behörden sich zunächst an den Vermieter, der als „Zustandsstörer“ rechtlich aber nur für das eigene Grundstück zuständig war. Er beauftragte erste Untersuchungen, nach seinem Tod verkauften die Erben das Grundstück an einen privaten Investor. Dieser hat die Altlast mittlerweile auf eigene Kosten – laut Region erfolgreich – von der Firma Sensatec sanieren lassen. Die CKW-Quelle ist also trockengelegt. Immerhin.

Warum muss überhaupt saniert werden?

Nach Aussage aller drei Experten gibt es Tausende Altlasten in Deutschland, die vergleichbar oder noch weitaus giftiger sind, aber nicht saniert werden. Großburgwedel habe „Glück“, dass die CKW-Fahne in der Schutzzone III b des Trinkwasser-Gewinnungsgebietes Fuhrberger Feld liegt, das zwinge zur Intervention. Wäre das nicht der Fall, würde nur die Quelle beseitigt, die Schadstofffahne bliebe aber liegen.

Wie geht es weiter?

„Bisher haben wir kleinklecker gearbeitet, jetzt kommen die großen Aufgaben“, sagte Sensatec-Mann Zittwitz. Bis Ende September läuft die Ausschreibung für die Herstellung von 40 Messstellen, die quer zur Hauptrichtung der Schadstofffahne als „Kontroll-Ebenen“ dienen sollen. Geplant sind sie auf Höhe von Heinrich-Wöhler-Straße/Lührshof, Bertrams Hof und Von-Eltz-Straße. Über drei Jahre hinweg soll mit ihrer Hilfe halbjährlich der Sanierungserfolg überwacht werden.

Sobald nach der ersten Messreihe der Ist-Zustand umfassend bekannt ist, soll es losgehen mit der eigentlichen Sanierung. Mit kleinen mobilen Bohranlagen werden in einem engen Raster – Zittwitz: „Alle 10 Meter ein Loch“ – Lanzen in den Untergrund getrieben, durch die mit hohem Druck eine mit Bakterien versetzte Speziallösung in die kontaminierte Bodenschicht injiziert wird. Zittwitz sprach von „Abwehrriegeln“. Das verunreinigte Grundwasser wird, während es sie durchströmt, mikrobiologisch gereinigt. Das Präparat mit Lebensmittelqualität sei „unheimlich teuer“, verriet der Sensatec-Mann, dafür soll aber eine einmalige Injektion ausreichen.

Wer ist Ansprechpartner?

Die Anwohner forderten vor allem Transparenz. Gefordert wurde am Mittwochabend, dass alle Messergebnisse veröffentlicht werden – möglichst über die Stadt-Homepage. Auch ein „Projektplan“ mit dem Zeitablauf der Sanierung wurde gewünscht. Justus Eggeling bot an, die Region Hannover werde, soweit das noch nicht geschehen ist, die Kosten für Wasserproben aus Hausbrunnen im Bereich der Schadstofffahne übernehmen. Der Leiter der Bodenschutzbehörde ist unter der E-Mail-Anschrift Bodenschutz@region-hannover.de und unter Telefon (0511)616-22641 ansprechbar. Mark Zittwitz von der Firma Sensatec ist erreichbar per E-Mail an berlin@sensatec.de und telefonisch unter (030) 80941576. Er sucht Anlieger, die bereit sind, auf ihrem Grundstück Überwachungsbrunnen bohren zu lassen.

Von Martin Lauber

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