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Burgwedel Demenz: Bürger wollen Informationen
Umland Burgwedel Demenz: Bürger wollen Informationen
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15:39 08.07.2018
In der Seniorenbegegnungsstätte Burgwedel trifft sich der Gesprächskreis Demenzsensible Kommune am 26. September um 18 Uhr zu einer dritten Runde. Quelle: Sandra Köhler
Großburgwedel

Was benötigt eine Stadt, die sich auf die Fahne geschrieben hat, eine „demenzsensible Kommune“ zu werden? Niedrigschwellige und breit gestreute Informationsangebote, Räume für Begegnung zwischen Erkrankten und Nichterkrankten, Entlastungsmöglichkeiten für Angehörige und ein gutes Netzwerk all jener, die mit dem Thema in irgendeiner Weise zu tun haben.

Das ist die Quintessenz dessen, was rund 20 Interessierte und Betroffene beim Gesprächskreis „Demenzsensible Kommune“ in der Seniorenbegegnungsstätte (SBS) Burgwedel zusammengetragen haben. Moderiert von Professor Barbara Hellige von der Hochschule Hannover – sie hat die wissenschaftliche Begleitung des Pilotprojekts inne – formulierten die Teilnehmer sehr konkret Bedarfe und Ideen für die Praxis.

Noch sei das Thema Demenz ein Tabu und mit Stigmatisierung verbunden, befanden die Diskutierenden. Um das langfristig zu ändern, sei es nötig, Information mitten unter die Menschen auf der Straße zu bringen. Ein sogenannter „Demenz-Kiosk“, bei dem in einer Bude auf dem Wochenmarkt oder anderenorts in der Innenstadt jemand als Ansprechpartner bereits steht, und dabei Informationen oder auch Kontaktadressen weitergibt: Das konnten sich viele gut vorstellen.

Eine Diagnose, die einen erstmal erschlägt

Besonders Betroffene und ihre Angehörige fühlen sich von der Diagnose Demenz erstmal regelrecht erschlagen. Und wünschen sich umfangreiche Aufklärung über medizinische Fakten zum möglichen Verlauf der Krankheit, zu psychischen Veränderungen – aber auch zu Betreuungsangeboten von ehrenamtlicher Unterstützung über Tagespflege bis hin zu geeigneten Wohnformen und Tipps im Umgang mit den Erkrankten. Darüber informiere Case-Managerin Nina-Marie Dierking gern in persönlichen Gesprächen, sagte eine Vertreterin der SBS, wo es auch Broschüren und Materialien gibt, die eingesehen oder mitgenommen werden können. Zudem sind regelmäßige Vorträge angedacht.

Schulen und Kindergärten sollten in die Informationsarbeit einbezogen werden, regte Angelika Nicolai vom Senioren- und Pflegestützpunkt der Region Hannover an: „Kinder merken schon, wenn Oma oder Opa auf einmal so komisch sind.“ Ein Garten oder Park, demenzfreundlich gestaltet, könnte generationsübergreifend Erkrankte und Nichterkrankte zusammenbringen und somit ein Ort für Begegnung werden, lautete ein weiterer Vorschlag, Theaterprojekte ein anderer. Auch speziell auf männliche Erkrankte abgestimmte Aktionen seien noch rar, aber wichtig, hieß es.

Betreuung in der Gruppe auch in den Abendstunden

Tagespflegeangebote können wichtige Entlastung für pflegende Angehörige sein. Wenn sich mehrere Interessierte zusammen fänden, gebe es durchaus die Möglichkeit, auch in den Abendstunden eine Betreuung zu organisieren, boten Anja Sawukaitis vom Nordhannoverschen Pflegeservice und Frank Scharpenberg vom Wohnpark Großburgwedel an.

Ehrenamtliche zu finden, die sich um Demenzerkrankte kümmern, sei leider eher schwierig, sagte Hellige: „Da gibt es häufig Unsicherheit, wie man mit ihnen umgehen soll.“ Hier lohnt sich ein Blick in den Kirchenkreis Burgdorf: Dort gibt es die sogenannten helfenden Engel, die pflegende Angehörige stundenweise gegen eine Aufwandsentschädigung entlasten. Diese werden von einer hauptamtlichen Koordinatorin fachlich betreut. Und seien auch speziell im Umgang mit Demenzerkrankten geschult, wie Nicolai ausführte.

Dritte Runde am 26. September

Wichtig sei es, ein Netzwerk aufzubauen, das nicht nur die Kommune, Ärzte, Kliniken und alle fachlich Involvierten zusammen - und in den Austausch bringt. Vielmehr gilt es, auch Betroffene und deren Familien mit ins Boot zu nehmen. Denn, wie am Beispiel der Lebenshilfe zu sehen sei, sei die Motivation dort besonders hoch, regte ein Teilnehmer an.

Weil das Interesse so groß und die Ideen so viele sind, geht der Gesprächskreis in die nächste Runde. Am Mittwoch, 26. September, steht er, erneut in der SBS allen Interessierten offen. An diesem Tag wird die Erste Stadträtin Christiane Concilio berichten, was die Kommune selbst bereits an Ideen und Projekten angestoßen hat. „Wir haben uns natürlich auch schon Gedanken gemacht“, sagte sie zum Abschluss der Diskussionsrunde. Und: „Ich nehme heute sehr viele wertvolle Anregungen mit.“

Von Sandra Köhler

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