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Burgwedel Feuerwehr zieht Bilanz und kämpft für eine Drehleiter
Umland Burgwedel Feuerwehr zieht Bilanz und kämpft für eine Drehleiter
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00:15 23.01.2019
Ortsbrandmeister Carsten Rüdiger hält eine emotionale Rede über die von der Politik nicht genehmigte Drehleiter. Quelle: Katerina Jarolim-Vormeier
Großburgwedel

Der Stachel sitzt tief: Weil die CDU-/FDP-Gruppe mit ihrer Mehrheit gegen SPD und WEB die Anschaffung im Feuerwehrausschuss abgelehnt hatte, bekommt Burgwedel keine Drehleiter. Diese Entscheidung fiel im Sommer, doch Großburgwedels Ortsbrandmeister Carsten Rüdiger wurmt sie bis heute. Und so wurde die nicht beschaffte Ausrüstung zum Hauptthema der Jahresversammlung der Freiwilligen Feuerwehr am Freitagabend in der Sporthalle der Grundschule Großburgwedel. 120 Feuerwehrleute und Gäste hörten Rüdigers emotionale Jahresbilanz.

Als das Votum gegen die Drehleiter Mitte Juni im Ausschuss fiel, weilte Rüdiger gerade im Urlaub in Norwegen. Die Nachricht schlug bei ihm wie eine Bombe ein: „Ich habe aber einen Fehler begannen“, gestand er ein. „Das Mobiltelefon hätte ich lieber zu Hause lassen sollen“, damit spielte darauf an, dass ab dem Zeitpunkt an Erholung für den Ortsbrandmeister nicht mehr zu denken war.

Beifall für Ortsbrandmeister Carsten Rüdiger nach seiner Rede über die die Drehleiter, die der Feuerwehr Burgwedel durch die Politik versagt wurde. Quelle: Katerina Jarolim-Vormeier

Ein „Schlag unter die Gürtellinie“

Und er stieg noch einmal in die Diskussion ein, warum Großburgwedel eine Drehleiter braucht: Der Ort habe Gebäude der Klasse 4, die eine Höhe bis 13 Meter aufwiesen. Muss man dort löschen, dann braucht man ein Drehleiter. Auch das Argument, die Kommunen Uetze, Nienburg und Hoya hätten nicht eine solche Ausrüstung und somit bräuchte Burgwedel ebenfalls keine, konterte er: „In Uetze gibt es keine Industrie und kein Krankenhaus wie bei uns.“ Auch die Behauptung, dass der Feuerwehrbedarfsplan, der die Richtschnur des Handelns sei, die Notwendigkeit einer Drehleiter nicht sehe, brachte ihn schier auf die Palme. Letztendlich bezeichnete Rüdiger die Argumente gegen die Drehleiter als „einen Schlag unter die Gürtellinie“. Das war eine Rede, die zumindest den anwesenden Feuerwehrleuten aus der Seele sprach – sie spendeten ihrem Chef lang anhaltenden Beifall.

Es geht um die Sicherheit in der Stadt

Auch Stadtbrandmeister Ingo Motl bekräftigte in seinen Grußworten die Forderung des Stadtkommandos nach einer Drehleiter, die notwendig sei. Am Geld – so Motl – liegt es nicht. Er verdeutlichte die Notwendigkeit, weil die aushelfenden Städte und Kommunen Altwarmbüchen, Burgdorf, Langenhagen und die Wedemark allesamt mindestens 17 Minuten für die Anfahrt nach Großburgwedel bräuchten. Zudem habe sich die Stadt mit den Gewerbegebieten rasant entwickelt. „Wir hoffen, dass künftig die Notwendigkeit einer Drehleiter gesehen wird“, sagte Motl. Schließlich gehe um die Sicherheit in der Stadt.

Matthias Tote (SPD), Vorsitzender des Feuerwehrausschusses, hegte in der Versammlung die Hoffnung, dass das Stadtkommando nochmal einen Antrag stelle. „Ein parteipolitischer Kleinkrieg in der Sache fehl am Platz.“ Stattdessen wünscht sich Tote, dass eine neue Diskussion entfacht. „Ich würde mich freuen, wenn ich im nächsten Jahr die Anschaffung der Drehleiter in der Versammlung verkünden könnte“, erklärte der Sozialdemokrat. Bürgermeister Axel Düker und Ortsbürgermeister Rolf Fortmüller kommentierten das Thema Drehleiter in ihren Grußworten nicht. Beide bescheinigten der Ortsfeuerwehr, dass sie eine tolle Truppe sei und sich durch die vielen Übungen stets auf dem neuesten Stand befände.

Tibor Biczok ist für sechs weitere Jahre zum stellvertretenden Ortsbrandmeister gewählt worden. Quelle: Katerina Jarolim-Vormeier

Tibor Biczok bleibt Rüdigers Vize

Im Anschluss stand die Wahl Stellvertreters an. Tibor Biczok wurde in einer geheimen Wahl in seinem Amt mehrheitlich für weitere sechs Jahre bestätigt. Von 59 Wahlberechtigten, aktiven Feuerwehrleuten, erhielt der 42-Jährige 58 Ja-Stimmen und lediglich eine Gegenstimme.

Das Feuerwehrjahr 2018 in Zahlen

Die Ortsfeuerwehr Großburgwedel zählt aktuell 572 Mitglieder: Davon sind 73 im aktiven Dienst, 31 gehören dem Musikzug an, 25 machen bei der Jugendfeuerwehr mit, 19 Alterskameraden und 424 Freunde, die die Großburgwedeler Wehr fördern. Insgesamt rückten die Einsatzkräfte im Jahr 2018 zu 93 Einsätzen aus, berichtete Ortsbrandmeister Carsten Rüdiger. Sie wurden zu 46 Bränden, 47 technischen Hilfeleistungen – darunter seien acht schwere Unfälle gewesen, bei denen die Fahrer eingeklemmt waren, gerufen. Sie absolvierten insgesamt 15.079,25 Stunden Dienst: die Einsatzfahrzeuge setzten sich 500 Mal in Bewegung, fuhren 7407 Kilometer mit den Einsatzwagen und verbrauchten dabei 1897 Liter Diesel. Es sei ein ruhiges Jahr gewesen, bilanzierte Rüdiger. „Und ohne einen Großbrand“, das sei im Blick auf die fehlende Drehleiter auch besser so.

Von Katerina Jarolim-Vormeier

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