Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Burgwedel Schützenfest-Schläger muss ins Gefängnis
Umland Burgwedel Schützenfest-Schläger muss ins Gefängnis
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:20 03.09.2018
Das Amtsgericht Burgwedel verurteilte einen 40-Jährigen zu einer Haftstraße, weil er während seiner Bewährungszeit einem 19-Jährigen beim Schützenfest Kleinburgwedel ins Gesicht schlug. Quelle: Walter (Archiv)
Anzeige
Burgwedel

Das war keine Sternstunde des Kleinburgwedeler Schützenfestes: Obwohl Ordnungskräfte und Polizei einen angetrunkenen 40-Jährigen am Auftaktabend schon stundenlang auf dem Schirm hatten, kam dieser doch dazu, einem 19-Jährigen grundlos ins Gesicht zu schlagen. Das Amtsgericht Burgwedel hat den Bewährungsversager jetzt zu einem halben Jahr Haft. Ins Gefängnis muss der einschlägig vorbestrafte Mann für insgesamt 15 Monate.

Vor Gericht bestritt der kompakt gebaute Kleinburgwedeler die Körperverletzung: „Das entspricht nicht der Wahrheit“, ließ er den Staatsanwalt nach Verlesung der Klageschrift wissen. Dabei deckte diese sich eins zu eins mit den Schilderungen des Opfers und eines gleichaltrigen Zeugen, der den kurzen heftigen Gewaltausbruch aus nächster Nähe miterlebt hatte.

Prellungen und Kratzer

Gegen 23.30 Uhr passierte am 19. Mai, dem Schützenfest-Freitag, Folgendes: Der 19-jährige Schüler tritt aus dem Toilettenwagen, wo er zwei jungen Mädchen den Vortritt aufs Herren-WC gelassen hatte, ins Freie. Dort trifft er auf den 40-jährigen Angeklagten, der irgendetwas wie „Was war da los?“ unscharf artikuliert, ihn anschließend am Kragen packt, gegen den Süßigkeitenstand drückt und links und rechts ins Gesicht schlägt. Ob mit der glatten Hand oder mit der Faust, kann im Nachhinein niemand mit Bestimmtheit sagen. Der Arzt in der Notaufnahme das Krankenhauses vermerkt kurz später Prellungen an beiden Jochbeinen sowie eine Schramme am Hals des Schülers – aber es hätte auch noch schlimmer kommen können.

Polizeibeamte hatten an jenem Freitag bei ihren stündlichen Streifenrundgängen beobachtet, wie mit der Alkoholisierung des 40-Jährigen auch dessen Aggressionspegel stieg. Dies sagte zumindest ein 24-jähriger Beamter vor Gericht aus. Eine halbe Stunde vor den Schlägen hatte er eine Ermahnung ausgesprochen. Nach der Tat hatte er den Mann deshalb anhand der Personenbeschreibung schnell auf dem Festgelände gefunden. Bei der Festnahme habe es tumultartige Szenen gegeben, so der Zeuge. Auch auf der Wache ging es nicht ohne Widerstand ab. Die Blutalkoholprobe um 3.21 Uhr ergab dann 1,68 Promille, eine „sehr verwaschene“ Aussprache sowie einen leicht schwankenden Gang.

Strafe „am unteren Ende“

Der Angeklagte sei durch den Alkohol enthemmt, seine Schuldfähigkeit sei aber nicht beeinträchtigt gewesen, fand der Staatsanwalt in seinem Schlussplädoyer. „Gewalt ist Ihr großes Problem“, hielt er dem 40-Jährigen mit Blick auf dessen Strafregister vor. Der Strafantrag lautete: Sechs Monate Haft. Der Verteidiger des Kleinburgwedelers versuchte sich gar nicht erst an Relativierungen des Aussetzers seines Mandanten. Er bat schlicht um ein „mildes Urteil“. Das letzte Wort vor dem Urteil hatte der 40-Jährige selbst: Er bot an, das bei seinem Angriff zerrissene T-Shirt seines Opfers zu ersetzen. Seit „Tut mir leid“ bezog sich mehr auf seine eigene Situation: Seit Juni hat der ungelernte Mann einen Job im Landschaftsbau, dort sei er „fest eingeplant“.

Die Firma wird indes auf ihren Mitarbeiter vorübergehend verzichten müssen. Nach sechs Vorstrafen in 15 Jahren, fünf davon wegen teils schwerer Körperverletzung, stand der Kleinburgwedeler nach einer Verurteilung im Hamburg zu einer neunmonatigen Haftstrafe noch unter Bewährung, als er auf dem Schützenfest zuschlug. Die Bewährung ist mit der neuen Verurteilung aufgehoben, die sechs Monaten Haft aus Burgwedel kommen nun obendrauf, sodass er für 15 Monate ins Gefängnis muss. Amtsrichter Michael Siebrecht sprach von einem „Strafmaß am unteren Ende“. Hätte das Opfer schlimmere Verletzungen oder bleibende Schäden erlitten, so stellte Siebrecht klar, wäre die Strafe deutlich höher ausgefallen – mit oder ohne Geständnis.

Von Martin Lauber

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Die HAZ freut sich am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

In Kürze beginnt die Sanierung der giftigen Altlast einer früheren chemischen Reinigung. Zuvor kommen Fachleute nach Großburgwedel, um Anwohner und Interessierte aus erster Hand zu informieren.

03.09.2018

Decke oder Klappstuhl einpacken ist angesagt für alle Kinofreunde: Am heutigen Freitagabend flimmert am Würmsee der Film „Die Tollkühnen Männer in ihren Fliegenden Kisten“ über die Leinwand.

31.08.2018

Nächsten Montag sollte nach 10 Monaten Bauzeit die Engenser Ortsdurchfahrt endlich geöffnet werden. Daraus wird jetzt wegen eines Rohrbruchs noch nichts.

02.09.2018
Anzeige