Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Burgwedel Abwasser speist Teiche im Naturidyll
Umland Burgwedel Abwasser speist Teiche im Naturidyll
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
15:24 27.09.2018
Schöne Schönungsteiche mit Schwanenfamilie Quelle: Martin Lauber
Großburgwedel

Zum Schwänefüttern braucht Tobias Morgenstern keinen Schlossparkteich. Beim täglichen Kontrollgang über das Gelände des Großburgwedeler Zentralklärwerks gleitet stets ein schneeweißes Paar mit seinen drei noch braun-mellierten Jungen schnurstracks auf ihn zu. Kaum zu glauben, dass das Element dieser stolzen Tiere nichts anderes ist als - das Abwasser der Burgwedeler. Nun ja, das geklärte Abwasser in den „Schönungsteichen“.

Die Hengstbeeke, die sich aus der Wedel und diversen Gräben speist, nimmt die gereinigten Abwässer aus der Kläranlage auf. Das leitet die Stadt erst nach einer Runde durch die „Schönungsteiche“ ein.

Vier von diesen, jeder mit 2.500 Kubikmeter Fassungsvermögen, reihen sich hintereinander zwischen der in Beton eingefassten Klärwerkstechnik und dem Bächlein namens Hengstbeeke, das der Kläranlage als Vorfluter dient. Durchschnittlich 3.500 Kubikmeter gereinigtes Abwasser durchströmen täglich die Teiche. Letzte Feststoffe setzen sich in ihnen ab, und biologische Prozesse verbessern die Wasserqualität, wenn auch nur noch minimal.

Wohl fühlen sich auf den von Schilf und Bäumen gerahmten Schönungsteichen nicht nur die Schwanen- und eine Nilgansfamilie sowie diverse Enten. Unter der Wasseroberfläche tummeln sich Karpfen, Barsche und Stichlinge, was wiederum Kormorane, Fisch- und Silberreiher freut. Zu soviel Artenreichtum passt, dass die Stadt Burgwedel das Abwasser final über eine Kaskade aus Feldsteinen entlässt. Beim Hinunterplätschern reichert es sich mit Sauerstoff an, bevor es einige Meter weiter in die Hengstbeeke fließt.

Abwassergebühr steigt 2019 auf 2,12 Euro

Sieben Jahre nach der letzten Erhöhung wird die Gebühr für die Abwasserbeseitigung in Burgwedel vom 1. Januar 2019 an erneut steigen. Damals ging es hoch von 1,58 auf 1,89 Euro, in dieser Woche hat der Rat den neuen Satz auf 2,12 Euro festgelegt. Beim Abgabenrecht geht so etwas nicht aus dem Bauch heraus. Die Gebühreneinnahmen haben die per Betriebskostenabrechnung ausgewiesenen Ausgaben für die Abwasseranlagen – Klärwerk samt Kanalisation, Fuhrpark und Personal – möglichst kostendeckend und genau abzubilden. Laut Kämmerer Christian Möhring spiegelt die jüngste Erhöhung, die gegen die Stimmen der beiden Ratsmitglieder der Unabhängigen beschlossen wurde, allgemeine Kostensteigerungen und Millionenausgaben für die Kanalsanierung wider.

„Wer die Teiche gebaut hat, dem können sie ein Denkmal setzen“, findet Abwassertechniker Karsten Krenn, einer der Kollegen von Tobias Morgenstern. Anno 1974, im Jahr der Gebietsreform, war Großburgwedels Kläranlage vom Bauhofgelände am Pappelweg ans nördliche Ende des Dritten Mühlenbruchdamms verlegt worden. Damals wurden auch schon die heute in solcher Großzügigkeit nicht mehr üblichen Schönungsteiche angelegt. Krenn lobt diese künstliche Seenlandschaft zwar auch, weil „wir hier tiermäßig gut aufgestellt sind“. In erster Linie aber bedeuteten die Schönungsteiche doppelte und dreifache Sicherheit für die Hengstbeeke.

Paragraph 27 des Wasserhaushaltsgesetzes schreibt grob gesagt vor, dass eine Verschlechterung der Wasserqualität des Vorfluters nach den Möglichkeiten der Technik zu verhindern ist. Im Alltagsbetrieb sei das kein Problem, sagt Jens Kalmbach, Meister auf der städtischen Zentralkläranlage. Alle Messwerte, zum Beispiel Phosphat, Nitrat oder Stickstoff, lägen im einstelligen Prozentbereich der gesetzlichen Grenzwerte. Andererseits sei die Vorbelastung der Hengstbeeke gar nicht so unerheblich, ergänzt der zuständige Bauamtsleiter Oliver Götze – der Vollständigkeit halber. So gelangten unter anderem Reifen- und Straßenabrieb oder Hundekot über die Mischwasserkanäle in Wettmar, Thönse und Engensen in das Fließgewässer.

Den Sicherheitsgewinn bringen die Schönungsteiche laut Krenn, wenn größere Schmutzfrachten das Abwasser belasten und die Hengstbeeke bedrohen. Dann können die Abwassertechniker das übermäßig verschmutzte Wasser in einem der vier Bassins festhalten und für einen zweiten oder notfalls dritten Reinigungsdurchgang durch die Klärbecken schicken. „Wir können jeden Teich einzeln abschieben“, erklärt Krenn. Als zum Beispiel 2016 beim Bau neuer Klärbecken stark eisenhaltiges Grundwasser abgepumpt und filtriert werden musste, diente ein Schönungsteich als Zwischenpuffer.

Im Jahrhundertsommer 2018 registrierte die Großburgwedeler Kläranlage übrigens einen heftigen Ausschlag nach unten: Gegenüber 2017 sank die zu reinigende Abwassermenge um ein Drittel – von 158.734 Kubikmeter auf 100.399 Kubikmeter im Juli und von 142.597 auf 106.170 Kubikmeter im August. So kam es, wie Jens Kalmbach beobachtet hat, dass im Bett des Vorfluters auch während der größten Trockenheit immer mehr Hengstbeekewasser als geklärtes Abwasser nordwärts murmelte.

Von Martin Lauber

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Die HAZ freut sich am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Die Tributeband The Cashbags klingt nicht nur authentisch, sondern June und Johnny Cash kommen auch optisch gut rüber – fast wie Kinoklassiker „Walk The Line“. Der Amtshof war ausverkauft.

27.09.2018

In Sachen Baulandpolitik schwenkt der Burgwedels Rat jetzt offenbar auf einen Kompromisskurs ein. Drei Anträge zu diesem Thema wurden in der ersten Sitzung nach der Sommerpause einstimmig beschlossen.

26.09.2018

Golf für Kinder: Spielerisch haben 70 Zwei- bis 17-Jährige die Sportart auf dem grünen Rasen ausprobiert – und Spaß und Lust an der Sportart bekommen.

26.09.2018