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Burgwedel Trockenheit macht vielen Sorge
Umland Burgwedel Trockenheit macht vielen Sorge
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00:17 02.08.2018
"Da ist nichts zum Ernten": Detlef Decker betrachtet das spärliche Gras auf einer seiner Heuwiesen. Quelle: Frank Walter
Burgwedel

Die anhaltende Hitzewelle treibt Nutztierhalter zunehmend die Sorgenfalten auf die Stirn. Pferdehöfe bangen um ihre Heuvorräte, Kuhbauern um die Grassilage. Und die massive Trockenheit lässt alte Bäume starke Äste abwerfen. Ein Fachmann warnt davor, sich insbesondere unter Eichen aufzuhalten.

Am Montagvormittag steht für Marcus Fortmüller fest, dass die 100 Jahre alte Eiche an der Straße Eiermarkt in Großburgwedel nicht mehr zu retten ist. Würde seine Baumpflegefirma die betroffenen Äste herausschneiden, käme die Baumkrone ins Ungleichgewicht und würde zudem zu windanfällig.

Tonnenschwere Äste stürzen zu Boden

In der Nacht zu Sonnabend hatten herabstürzende tonnenschwere Starkäste der Eiche ein fahrendes Auto getroffen. Die Insassen – eine vierköpfige Familie – kamen mit dem Schrecken davon, der Wagen wurde stark beschädigt. Die Ortsfeuerwehr hatte mit Drehleiter-Unterstützung zwei Stunden zu tun, um die Gefahrenstelle zu beseitigen und die Fahrbahn wieder freizuräumen.

Diese Eiche am Eiermarkt hat mehrere dicke Äste abgeworfen, diese dann weitere beschädigt. Quelle: Frank Walter

Anzeichen habe es nicht gegeben, keinen Sturm und auch keine Fäulnis, sagt Fortmüller – „der Baum war gesund“. Schuld sei vielmehr die anhaltende Trockenheit, unter der insbesondere alte Eichen litten – und außerdem Pappeln, Kastanien und Buchen. Dadurch lasse der Zelldruck nach, das Holz werde spröde. Ähnlich einer welken Blume, die dann ihre Blätter abwerfe, um den Rest zu schützen, könnten auch alte Bäume angesichts der ausbleibenden Niederschläge nicht mehr alle Äste versorgen. Welche Äste ein Baum dann abwerfe, das sei genetisch festgelegt. „Das kann man aber im Vorfeld nicht erkennen.“

Nach ähnlichen Vorfällen auch in Kleinburgwedel und Langenhagen am Wochenende rät Fortmüller dazu, sich im Moment möglichst nicht länger als nötig unter alten Bäumen aufzuhalten, besonders nicht unter Eichen. „Da sollte man besser keine Grillparty machen.“

Gras für Heu wächst nicht nach

Die Trockenperiode sorgt aber nicht nur für Gefahren durch Waldbrände oder herabstürzende Äste. Nutztierhalter sorgen sich um das Futter für ihre Tiere. Auf den Heuwiesen wie rund um den Pferdehof Heisterholz wächst kein frisches Gras nach. Der erste Schnitt im Juni habe eine gute Qualität ergeben, die Menge sei aber um ein Drittel niedriger als üblich ausgefallen, erzählt Detlef Decker, auf dessen Hof rund 50 Pferde zu versorgen sind. Unter dem Heuschober, wo er seine Rundballen lagert, ist deshalb reichlich Platz geblieben. „Dabei macht man die Menge Heu mit dem ersten Schnitt“, sagt Decker, der 30 Hektar Grünland bewirtschaftet.

Normalerweise wäre dieser freie Platz auf dem Pferdehof Heisterholz auch mit Heu-Rundballen gefüllt. Quelle: Frank Walter

Bis zum sonst im September anstehenden zweiten Schnitt bleibe dem Gras jetzt nicht mehr viel Zeit zum Wachsen, „aber ohne Wasser wächst nichts“. Das Gewitter am Sonnabend habe den Pflanzen etwas Erholung gebracht, aber das reiche nicht. „Wenn es so jetzt konstant zweimal die Woche regnet, dann wäre das okay.“ Zu seinem Glück hat er einen Liefervertrag mit einem Landwirt abgeschlossen – was ihm an Heu fehlt, muss der Bauer selbst bringen oder sonst anderswo besorgen. Eigene Heureserven aus dem Vorjahr hat Detlef Decker nicht – da war es so nass, dass kaum Zeit blieb, das Heu trocken einzubringen.

Christian Büchtmann geht es da noch etwas besser. Der Thönser Landwirt kann bei der Versorgung seiner 130 Milchkühe noch auf Grassilage aus dem Vorjahr zurückgreifen. Für Silage darf das Gras feuchter sein, „und die ersten beiden Schnitte 2017 waren sehr gut“. In diesem Jahr leidet jedoch auch er unter der Trockenheit. Der erste Schnitt sei schon schlecht gewesen, der zweite habe dann noch weniger erbracht. An den dritten Schnitt für die Grassilage – normalerweise Anfang bis Mitte August – sei bislang nicht zu denken, den üblichen vierten habe er schon ganz abgeschrieben. Am Markt sei eine steigende Nachfrage zu bemerken, die Preise zögen an –und vielleicht müsse mancher Landwirt mit Blick auf die Futtervorräte sogar seine Herde verkleinern.

Ein Gewitterschauer wie am Sonnabend könne der Natur und den Landwirten in der anhaltenden Trockenheit nur wenig helfen, sagt Christian Büchtmann. „Da läuft das Wasser einfach weg.“ Was es nun dringend brauche, seien drei oder vier Tage „mit schön langsamen Regen“.

Von Frank Walter

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