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Burgwedel Wenn Golfer den Ball in die Ferne dreschen
Umland Burgwedel Wenn Golfer den Ball in die Ferne dreschen
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00:16 25.07.2018
Vom Eishockey zum Longdrive: David Sulkowsky verteidigt die Clubehre. Quelle: Patricia Chadde
Engensen

Martin Borgmeier gewinnt das German Longdrive Open in Burgwedel und hat sich dabei gegen schlagkräftige internationale Konkurrenz durchgesetzt. Auf dem Platz des Golfclubs (GC) Burgwedel ging es Sonnabend um die weitesten Schläge. Neben deutschen Golfern kamen auch Belgier, Finnen, Niederländer und zwei Schotten nach Engensen. Denn neben dem Wettbewerb, organisiert von Golfschul-Inhaber Jens Knoop, gibt es europaweit nur zwei weitere Möglichkeiten, um sich für die Teilnahme bei dem World Longdrive Championship in den USA zu qualifizieren.

Technik, Kraft und gute Laune gehören bei den Longdrive-Golfern zusammen. Die Ergebnisse sind herausragend, wie das German Longdrive Open von Organisator Jens Knoop in Engensen beweist.

Sonnabend auf der Terrasse des Golfclubs in Engensen. Auf dem Green ist niemand zu sehen, aber flotte Rhythmen, unterbrochen von lautem Gebrüll, sind zu hören. Ein paar hundert Meter weiter stehen zwei Golfspieler in der T-Box. Sie putten ihren Ball nicht sensibel in das nahe gelegene Loch, sondern holen zu einem gewaltigen Schlag aus. Rund hundert Zuschauer sitzen hinter ihnen auf der Tribüne. Gebannt verfolgen sie den Wettkampf, bei dem der Ball in ein dunkelgrün gefärbtes Spielfeld, genannt Grid, geschlagen wird. Damit Zuschauer wie Sportler trotz der enormen Distanzen erkennen, wem der jeweils längste Schlag gelingt, zeigt eine Tafel die Ballfarbe an, weiß oder gelb.

Das Zuschauer sind bunt gemischt und bester Dinge. „Die Stimmung ist einfach großartig", findet Annelie Ebeling aus Nürnberg. Sie liebt die einmalige Kombination aus Party und höchster Konzentration.

Die Gruppenphase ist abgeschlossen, das Halbfinale beginnt, die Sonne brennt. Jens Knoop greift wieder zum Mikrofon, um die besten Longdriver anzukündigen. Sie treten im K.O.-System gegeneinander an. Der Erstplatzierte spielt gegen Nummer 16, der zweite gegen Nummer 15 und so fort, während DJ Parao die Stimmung musikalisch aufheizt. 165 Sekunden Zeit bleiben im "Shoot out" für einen Satz mit sechs Bällen.

„In den USA ist das Interesse an diesem Sport riesig", weiß Dorothea Braunert. Anfang September wird das World Longdrive Championship aus Texas live im US-Fernsehen übertragen. „Die Bälle werden sogar in Slow Motion verfolgt und alle fiebern mit", schwärmt Braunert. Einer der Wettkämpfer vom Engenser Green wird dann über die US-Bildschirme flimmern. Vincent Palm hofft, dass er das sein wird.

Der gebürtige Koblenzer studiert in Wien Zahnmedizin und ist bereits Vize-Europameister. "So martialisch die Schläge wirken, ist doch absolute Zielgenauigkeit gefragt", erläutert der 22-Jährige. Wer den „Sweet Spot“, den perfekten Bereich des Schlägerkopfes trifft, kann die beeindruckende Distanz von 388 Yards (knapp 355 Meter) erreichen, wie es Sonnabend dem Schotten James Tait gelingt. Der Haken: Der Sweet Spot ist leider sehr, sehr klein. Wer ihn nicht exakt trifft, hat einen Ball, der mit enormer Abweichung auch rechts oder links vom Grid landen kann.

Vom Eis zum Green: David Sulkovsky zählt zu den wenigen Linkshändern der Longdrive-Szene und vertritt in Engensen "die Clubehre" des GC Burgwedel. Für den ehemaligen Eishockey-Profi ist der Wettbewerb wie ein Revival, weil Longdrive dem Eishockey-Schlagschuss ähnelt. Was dem 40-Jährigen besonders gefällt: „Die Stimmung ist so lebendig!" Das laute Anfeuern der Zuschauer findet Sulkovsky besonders inspirierend. „Außerdem muss man keine Bälle suchen."

Vollbart macht das Spiel: Martin Borgmeier ist 27 Jahre alt und die Nummer eins der European Tour. Golf spielt der gebürtige Paderborner und Wahl-Münchner seit 18 Jahren, seit August 2017 spezialisiert auf Longdrive. „Es ist die perfekte Verbindung aus Technik und Kraft", findet Borgmeier, der seit Januar 2018 als Profi unterwegs ist. 436 Yards können seine Bälle weit fliegen.

Der vollbärtige Golfer schwärmt vom „sensationellen“ Engenser Green und Knoops Organsiationstalent. Es sind nebenTechnik, Kraft und Kontinuität auch positive Gedanken, die ihn zum Sieg tragen: Abends ist Borgmeier die Nummer 1 und freut sich über ein –wegen der Brandgefahr auf Bühnenformat minimiertes –Feuerwerk zu seinen Ehren.

Von Patricia Chadde

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