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Burgwedel Stadtverwaltung übt für den Alarmfall
Umland Burgwedel Stadtverwaltung übt für den Alarmfall
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15:17 27.06.2018
Der Gefahrenabwehrstab tagt im Sitzungszimmer des Rathauses. Quelle: privat
Burgwedel

Ein Stromausfall, der halb Großburgwedel lahmlegt, pflegt sich ebenso wenig anzukündigen wie ein im Bahnhof gestrandeter ICE, dessen 750 Passagiere untergebracht und versorgt werden müssen. Eine schnelle und koordinierte Reaktion ist dann gefordert. Zuständig für die Gefahrenabwehr - unterhalb der Katastrophenschwelle – ist die Stadt. Um sich fit zu machen für den Alarmfall, hat die Verwaltung sich einer fünftägigen Schulung unterzogen. Erstmals überhaupt kam der Gefahrenabwehrstab komplett zu einer Übung zusammen. Im Sitzungszimmer des Rathauses, wo sonst die Fachausschüsse tagen, hätte dieser auch im Ernstfall seinen „Stabsraum“.

Malte Schubert hält den Stab über die Lage auf dem laufenden. Quelle: privat

Lagezentrum im Sitzungssaal

Den ICE mit hungrigen Fahrgästen auf dem Großburgwedeler Bahnhof hat es tatsächlich gegeben, ebenso massive Unwetter, bei denen das Ordnungsamt mehr als 100 Einsatzstellen an die Feuerwehr übermittelte, weil die Leitstelle in Hannover nicht mehr erreichbar war. Nach dem Fund einer englischen Fliegerbombe vor zwei Jahren im Gewerbegebiet Kleinburgwedel war eine Evakuierung der Bevölkerung nicht nötig – dem Stab hätte es dabei an der nötigen Routine gefehlt. Ordnungsamtsleiterin Andrea Stroker räumt das ein, und ebenso, dass die Fortschreibung des Alarmplans und regelmäßige Übungen in den letzten Jahren etwas auf der Strecke geblieben seien – wohl auch, weil die Unterbringung der Flüchtlinge ihr Amt so stark beansprucht habe. Immerhin: Seit 2017 kann die Stadt via T-Mobile-Alarmruf, differenziert nach Gefahrenlage, die Mitglieder des Stabes alarmieren. Neue Handys und Laptops für die Stabsarbeit hat sie angeschafft. Und den Sitzungssaal so ausgestattet, dass er jederzeit als „Stabsraum“ funktioniert. Alarmpläne sind dort in eigens dafür angeschafften Sideboards hinterlegt, für die Lagepläne wurden Magnetleisten montiert. „Es könnte ja jederzeit losgehen“, sagt Bürgermeister Axel Düker, der im Gefahrenabwehrfall kraft Amtes zum Einatzleiter wird. Ansonsten haben dienstliche mit den Hierarchien im Stab nichts zu tun.

Erste Stadträtin leitet den Stab

An einer Alarmplan-Grundlagenschulung haben sich vergangene Woche 30 Stadtbedienstete am Montag und Dienstag beteiligt –bis auf die Führungsebene alle freiwillig. Am Mittwoch folgte eine Evakuierungsübung, am Donnerstag und Freitag wurden diverse Gefahrenszenarien in Zehner-Stabsbesetzung durchgespielt. Aufgabenstellung war es laut Stroker, dass hinterher jeder im Gefahrenabwehrfall seine Aufgabe bis ins Detail kennt – ob die Erste Stadträtin als Leiterin des Stabes oder die sechs Verantwortlichen für die Sachgebiete Personal, Lage, Einsatz, Versorgung, Informations- und Kommunikationswesen sowie Presse- und Medienarbeit, zu der auch das Bürgertelefon gehört. Zum erweiterten Stab zählen Fachberater von Polizei, Feuerwehr und Sanitätsdiensten ebenso wie „Funktionspersonal“, zum Beispiel „Sichter“ oder Boten. Der Hausmeister-Pool und der städtische Bauhof sind Teil der der Alarmierungskette. Und damit im Bedarfsfall Lebensmittel für eine große Zahl zu betreuender Menschen vorhanden ist, sind in den Anlagen zu den Alarmplänen Kontaktdaten der Leute hinterlegt, die nachts oder am Sonntag Supermärkte oder Bäckereien öffnen können.

Konzentrierte Arbeit mit Lagekarten und Schablonen für taktische Zeichen. Quelle: privat

Szenario: Klärschlamm droht auszutreten

In der theoretischen Schulung mit Dieter Diedrich, der auch die Regionsbereitschaft des THW coacht, wurden unter anderem taktische Zeichen gepaukt und Krisenkommunikation trainiert. Als in exklusiverer Runde der Gefahrenabwehrstab hinter verschlossener Tür tagte, hatte der obligatorische Einsatztagebuchführer viel zu schreiben. „Ja, es geht auch alles analog und bei Kerzenschein und mit Durchschlägen“, berichtete Düker hinterher.

Das Übungsszenario: Kaum sind die 750 Passagiere aus dem gestrandeten ICE im Gymnasium untergebracht – das Rote Kreuz kümmert sich um Feldbetten und Verpflegung – kommt schon eine neue Meldung: Unwetter in Texas, die Splittersiedlung nördlich von Wettmar ist von der Welt abgeschnitten. Aber dabei bleibt es nicht: Nach einem großflächigen Stromausfall in Thönse wird auch noch die Energiezufuhr zur Zentralkläranlage unterbrochen. Klärschlamm droht auszutreten, das THW muss helfen, eine Grube auszukoffern. Malte Schubert, im Verwaltungsalltag Umweltkoordinator, hält den Stab über die Lage auf dem laufenden: Hier ist der Betreuungsdienst, dort wird verpflegt, dort sind Sanitäter ...

„Das ist eine ganz andere Welt, extremer Stress“, so schildert Düker die Anspannung während der Übung. Aber das Team habe dabei viel Sicherheit gewonnen. „Und das erwartet die Bevölkerung ja auch von uns: dass die Verwaltung weiß, was zu tun ist und besonnen handelt.“ Rund 7000 Euro hat die Alarmplan-Schulung Stroker zufolge insgesamt gekostet. Geprobt werde in Zukunft in kürzeren Intervallen. „Wir müssen kontinuierlich am Ball bleiben“, ergänzt Götz Gero Moeller. Im Gefahrenabwehrstab ist der Hauptamtsleiter der Mann für Pressearbeit und das Bürgertelefon.

Von Martin Lauber

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