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Burgwedel Haftstrafe für 0,2 Gramm Marihuana
Umland Burgwedel Haftstrafe für 0,2 Gramm Marihuana
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16:27 06.12.2018
In Burgwedel musste sich jetzt ein Mann wegen der Weitergabe von 0,2 Gramm Marihuana an einen 15-Jährigen verantworten. Quelle: dpa (Archiv)
Großburgwedel

Dass die Weitergabe von 0,2 Gramm Marihuana im Straßenverkaufswert von gerade einmal 2 Euro jemanden beinahe ins Gefängnis bringen kann, musste ein 27-jähriger Mann am Donnerstag im Amtsgericht Burgwedel feststellen. Er hatte das Rauschgift an einen 15-Jährigen und damit Minderjährigen weitergegeben. Und das wird nach dem Gesetz besonders hart bestraft.

Bis es zu dem Schuldspruch kam, gestaltete sich der Weg für Richter Michael Siebrecht und seine beiden Schöffen bei der Aufarbeitung des Falls äußerst holprig. Die geladenen Zeugen präsentierten vor Gericht sehr unterschiedliche Darstellungen der Geschehnisse, die obendrein, zum Teil auch noch den bei der Polizei gemachten Aussagen widersprachen.

Der Fall: Der Angeklagte hatte dem 15-Jährigen im August vergangenen Jahres etwas zum Rauchen weitergegeben. Soweit herrschte Einigkeit unter allen Beteiligten. Doch dann folgten verschiedene Versionen des Geschehenen. Während der Angeklagte und eine Zeugin aussagten, dass es sich dabei um Tabak gehandelt habe, legten sich der Empfänger und eine weitere Zeugin fest, dass es Marihuana gewesen sei. Aufgeflogen ist der Fall letztendlich, weil die Betreuerin des Jungen – er war zum Tatzeitpunkt in einer Wohngruppe untergebracht – von dem Vorfall erfahren hatte. Sie stellte ihren Schützling zur Rede. Ein durchgeführter Drogentest führte zu einem positiven Ergebnis.

Daraufhin ging sie mit dem jungen Mann zur Polizei. Dort belastete er den 27-Jährigen als den Lieferanten des Rauschgiftes. Er hätte das Marihuana von dem Angeklagten „geschnorrt“ sagte er vor Gericht aus. Ein Verkauf habe nicht stattgefunden. Aber die Anzeige hatte gleich mehrere Folgen für den Mann: Zum einen ermittelte nun die Polizei gegen ihn als Drogenlieferanten und zum anderen dürfte er sich nicht mehr im Umfeld der Wohngruppe aufhalten. Die Leitung der Einrichtung sprach ein Hausverbot aus. Bitter für ihn: In der Wohngruppe wohnte auch seine Freundin, mit der er mittlerweile ein gemeinsames Kind hat.

Bei der Bewertung der Geschehnisse lagen dann Staatsanwaltschaft und Verteidigung auch weit auseinander. Verteidiger Michael Fastabend sah seinen Mandaten als Opfer eines Komplotts. Der Vorwurf der Drogenlieferung sei konstruiert, um gegen ihn ein Hausverbot aussprechen zu können, so der Rechtsanwalt. „Da wollte ihm jemand einen Storch braten“, sagte er in seinem Plädoyer. Ganz anders die Staatsanwältin: Sie sah die Schuld des 27-Jährigen als erwiesen an. Ihre Forderung: 6 Monate Haft, keine Bewährung. Ungünstig für den Angeklagten wirkte sich dabei vor allem sein langes Vorstrafenregister aus. Darin sind unter anderem Raub, Körperverletzung, Betrug als Delikte und eine mehrjährige Jugendstrafe eingetragen. Außerdem sind noch weitere Verfahren gegen ihn anhängig.

Die Richter folgten in ihrem Urteil der Anklägerin, setzten die Strafe aber für 3 Jahre zur Bewährung aus. Außerdem muss der 27-Jährige 200 Stunden gemeinnützige Arbeit ableisten. „Wir wollen Ihnen hier nicht im Wege stehen“, sagte Siebrecht in seiner Urteilsbegründung mit einem Blick auf sein kleines Kind, dass in den Armen der Mutter im Zuschauerraum saß.

Von Thomas Oberdorfer

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