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Umland Burgwedel Nachrichten Wo ist das Wasser im Würmsee?
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19:16 08.12.2014
Von Martin Lauber
Wo ist das Wasser? Ob ein Ausbaggern des Schlamms hilft, ist bislang nicht bekannt. Quelle: Martin Lauber
Burgwedel

Wegen seiner geringen Tiefe ist der Würmsee im Winter stets das erste Gewässer weit und breit, das zufriert und Schlittschuhläufer magisch anzieht. Doch zwischen seinen Ufern kann der Frost zurzeit keinen Eispanzer wachsen lassen. Dazu bräuchte es Wasser, das sich in diesem niederschlagsarmen Jahr schon vor Monaten verabschiedet hat. Stattdessen erobert zusehends ein Grasflor den allenfalls noch feuchten Matschpanzer auf dem freigelegten Grund des Würmsees. Und auch der Schilfgürtel ist auf dem Vormarsch.

Dabei hängt für die ambitionierten Naherholungspläne, die sich die Stadt Burgwedel und die Region Hannover vor zwei Jahren von einem Planungsbüro in ein 13.000 Euro teures „Entwicklungskonzept Würmsee“ gießen ließen, alles vom Wasser ab. Das sieht nicht nur der Realverband Kleinburgwedel so, dem das Gewässer gehört. Das haben auch die Burgwedeler Ratsgremien deutlich gemacht.

Wird der Würmsee entschlammt?

Eine halbe Million Euro, so die Übereinkunft aus dem Jahr 2012, sind Stadt und Region bereit, in neue Wege und Stege, einen umweltpädagogischen Spielplatz, eine Aussichtsplattform und eine Anbindung des Würmsees ans Netz der Radwanderwege zu investieren. In den Entwurf ihrer Finanzplanung hat die Region denn auch bis 2017 alljährlich 70.000 Euro eingestellt, das entspricht einer 40-Prozent-Förderung des Projekts. Im Burgwedeler Etatentwurf sucht man die 60-prozentige Kofinanzierung vergebens. Kämmerer Christian Möhring versichert aber, dass das bislang unangetastete Geld für den städtischen Part übertragen werde und abrufbereit sei.

Auf einen Förderantrag aus dem Rathaus wird die Region wohl aber weiter warten müssen. Denn die Gretchenfragen - Entschlammen oder nicht? Und wie? - sind unbeantwortet. Ein hydrologisches Gutachten, das Aussagen zur Menge des Schlamms, zur Belastung des Sediments und zu den Kosten des Ausbaggerns macht, liegt seit September im Rathaus. Umweltkoordinator Malte Schubert ist aber nach eigener Aussage noch nicht dazu gekommen, diese Studie auszuwerten, geschweige denn, sie den Ratsgremien zu präsentieren. Schuberts Chef, Bürgermeister Axel Düker, hatte schon im Mai durchblicken lassen, dass die Stadt wegen begrenzter Personalkapazitäten zurzeit Priorität auf andere Projekte setze.

Realverbandschef Friedhelm Leisenberg bedauert, dass nichts vorangeht. Um den See zu retten, helfe auch kein Zupumpen mehr. Wann, so fragt der Kleinburgwedeler, sollte man den Würmsee mit weniger Aufwand - ganz ohne Saugbagger - ausbaggern können als jetzt, da er trockengefallen ist? Der Realverband Kleinburgwedel hatte sich zu einem Beitrag zur Naherholungsplanung im Gegenwert von 50.000 Euro bereit erklärt. Falls er seine Verbandskollegen zum Arbeitseinsatz auffordern sollte, kenne er die Antwort schon jetzt, sagt Leisenberg. Sie laute: „Lass mich in Ruhe!“

Kommentar zum Würmsee

Riskante Indifferenz

Schon vor mehr als zehn Jahren verliefen sich wahlkämpfende Politiker an den Würmseestrand, um Abhilfe zu versprechen gegen dessen fortschreitende Verlandung. Nichts ist passiert seitdem. Jetzt ist es kurz vor zwölf, vielleicht auch schon zu spät für eine Rettung. Mehr wüsste man nach der Auswertung des eigens dafür bestellten Gutachtens. Nun den Umweltkoordinator dafür zu verurteilen, dass das noch nicht passiert ist, wäre zu kurz gesprungen. Malte Schubert ist reichlich eingedeckt worden mit Arbeit vom Busbahnhof bis zur Abwehrschlacht gegen die Starkstromtrasse Südlink, die für Burgwedel sicherlich noch existenziellere Fragen aufwirft als der trockene Würmsee. Trotzdem: Irgendwann einmal muss Schluss sein mit der Indifferenz gegenüber dem von vielen Burgwedelern geliebten Kleinod Würmsee. Mal sehen, wann wir Zeit dafür finden? Dieses Prinzip verbietet sich schon mit Blick auf die Regionspolitiker. Die könnten sonst leicht auf die Ideen kommen, dass andernorts Zuschüsse willkommener sind als in Burgwedel.

Von Martin Lauber

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