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Umland Burgwedel Nachrichten Sekundenschlaf lässt sich nicht nachweisen
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00:19 14.06.2018
Weil ihm seine Schuld am Unfall nicht nachzuweisen war, hat das Amtsgericht Burgwedel einen 40 Jahre alten Berufskraftfahrer freigesprochen. Quelle: Symbolbild (dpa)
Großburgwedel

Im Zweifel für den Angeklagten: Nach diesem Grundsatz hat jetzt das Amtsgericht Burgwedel entschieden, das sich mit einem folgenschweren Lastwagenunfall auf der Autobahn 7 im Dezember beschäftigen musste. Dass der 40-jährige Fahrer sich trotz Übermüdung ans Lenkrad gesetzt hatte, das ließ sich nicht nachweisen.

Sattelzug kippt auf die Seite

Der Mitarbeiter einer Spedition war an jenem Dezembernachmittag mit seinem Sattelzug auf der rechten Spur der Autobahn in Richtung Süden unterwegs gewesen, ein mittlerweile verstorbener Zeuge war hinter ihm gefahren. Laut des damaligen Vernehmungsbeamten soll der Lastwagen dem Zeugen zufolge nahe Großburgwedel innerhalb mehrerer Sekunden immer weiter nach rechts abgekommen und dabei nur wenig langsamer geworden sein. Die Signale des hinterherfahrenden Autofahrers, der wohl mehrmals die Lichthupe betätigte, blieben ohne Auswirkung: Der Sattelzug geriet auf den Grünstreifen, beschädigte einen Leitpfosten und einen Wildschutzzaun und kippte im Graben auf die Seite.

Spuren deuten auf Sekundenschlaf

Dem Prozess wegen fahrlässiger Straßenverkehrsgefährdung sah sich der Fahrer entgegen, weil einiges darauf hindeutete, dass er sich verbotenerweise übermüdet hinters Lenkrad gesetzt hatte und dann in einen „Sekundenschlaf“ gefallen war. Diesen Eindruck hatte angesichts der Spurenlage ohne Gegenlenkversuche damals auch ein Autobahnpolizist gehabt, der nun als Zeuge aussagte. Die Übermüdung stritt der 40-Jährige, dem bei einer Führerscheinsperre das Aus als Kraftfahrer drohte, vor Gericht vehement ab. Seiner Aussage nach müsse vielmehr ein technischer Defekt die Unfallursache gewesen sein: Wie bei einer Spurrille habe der Sattelzug nach rechts gezogen, „ich habe mit aller Kraft gegengelenkt“, schilderte der Angeklagte. Er stand dabei auf und demonstrierte gestenreich die angeblichen Lenkversuche. „Ich bin froh, dass ich da wieder rausgekommen bin“, sagte der Mann, der bei der Karambolage nur leichte Verletzungen erlitten hatte.

Dem angeblichen Defekt am Fahrzeug spürte Amtsrichter Michael Siebrecht höchstpersönlich nach. Nach mehreren Telefonaten direkt aus dem Gerichtssaal bis nach Süd-Niedersachsen und an die niederländische Grenze hatte er den neuen Eigentümer des damals verkauften Unfallfahrzeugs an der Strippe. Mit der Lenkung war demnach alles in Ordnung gewesen. Allerdings war dem Käufer der geplatzte rechte Vorderreifen in Erinnerung geblieben, der der Autobahnpolizei möglicherweise entgangen war – das Wrack hatte auf der rechten Seite gelegen.

Zweifel führen zum Freispruch

Bei ihren Plädoyers lagen Staatsanwältin und Verteidiger weit auseinander. Die Anklagevertreterin sah den Vorwurf der Straßenverkehrsgefährdung als erwiesen an und forderte neben einer Geldstrafe auch, dem Berufskraftfahrer seine Fahrerlaubnis zu entziehen und ein Jahr Führerscheinsperre zu verhängen. Der Strafverteidiger hingegen forderte einen Freispruch, Unfallursache sei vermutlich der geplatzte Reifen gewesen. Für den Amtsrichter blieben genug Zweifel, so dass er den Angeklagten auf Kosten der Landeskasse freisprach. War es Müdigkeit oder doch ein Reifenplatzer? „Wir wissen es einfach nicht“, so Siebrecht.

Von Frank Walter

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