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Im Café Adam geht der Backofen aus

Burgwedel Im Café Adam geht der Backofen aus

Im Café Adam endet Heiligabend eine Ära. Nach anderthalb Jahrhunderten Backtradition geht an der Dorfstraße der Backofen für immer aus. Ein Trost: Daniela Warnecke, die das Gebäude in dieser Woche erworben hat, verspricht, dass es „für die Fuhrberger ein öffentlicher Ort bleiben“ soll.

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Bei Meister Frank Ekkenga kann Adam Ismail Hussein seine Ausbildung fortsetzen.

Quelle: Martin Lauber

Fuhrberg.  Seit dem unerwarteten Tod von Konditormeister Axel Adam im Herbst 2015 hatte dessen Witwe Alke alles dafür getan, dass dessen handwerkliches Erbe weiterlebt. Und dafür bekam sie unter großer öffentlicher Anteilnahme viel Unterstützung. Alt-Bäckermeister Siegfried Götz aus der Wedemark sprang ein, damit Lehrling Adam Ismail Hussein aus dem Nordsudan seine Ausbildung fortsetzen konnte. Und mit jedem neuen Ausstellungs- und Kultur-Highlight wuchs auch die Zahl der moralischen Unterstützer, die die Lehmofen-Atmosphäre des Cafés, aber auch Brot und Butterkuchen à la Adam nicht missen wollten.

„Am Ende unsagbar dankbar“

Als sich abzuzeichnen begann, dass es keine Möglichkeit gab, mit dem Zwei-Personen-Betrieb den in Österreich lebenden Kindern Axel Adams ihren Erbteil auszuzahlen, lotete ein Förderkreis alle Finanzierungsmöglichkeiten aus. Vor wenigen Wochen schien dann plötzlich eine Rettung in Gestalt des „Back- und Naschwerk“-Bäckermeisters Frank Ekkenga nahe, der Café samt Backstube weiterführen wollte. Mit seinem Kaufgebot kam er aber nicht zum Zuge, wird jetzt allerdings doch zum „weißen Ritter“ in anderer Hinsicht: In seinem Betrieb in Negenborn wird Adam Ismail Hussein seine Ausbildung jetzt fortsetzen können. Möglicherweise darf der 31-jährige Sudanese sogar einige Spezialitäten seines väterlichen ersten Lehrherrn Axel Adam wie Borkentrüffel und Holländer Kirsch ins Sortiment seines neuen Ausbilders hinüberretten.

Alke Adam blickt nicht mit Bitterkeit zurück. „Wir haben gekämpft und gehofft“, sagt sie – „und sehr viel gewonnen.“ Gemeint ist damit die Solidarität und Empathie der Menschen, die ihr in der schweren Zeit zur Seite gestanden hätten. „Am Ende bin ich ihnen allen unsagbar dankbar.“

Weiterhin Anlaufpunkt fürs Dorf

Die studierte Musikerin, die vor ihrer Ehe mit Axel Adam in verschiedenen Kunstgalerien gearbeitet hatte, braucht jetzt einen Ort, um die Trauer nachzuholen, zu der ihr Café und Backstube nicht die Zeit gelassen hatten. In Brasilien, wo sie schon gelebt hat, gibt es Musikerfreunde, bei denen sie willkommen ist.

Das Café Adam schließt Heiligabend. Aber es soll nach Sanierung und Renovierung des gesamten Hauses ein Anlaufpunkt im Dorf bleiben, erklärt Daniela Warnecke, deren Familie eng mit den Adam-Söhnen befreundet ist. „Sicher wird es keine Produktionsstätte mehr“, sagt sie. Aber den Charme des Cafés mit seinem Lehmofen als Herzstück wolle sie versuchen wiederzubeleben. Die Chefin eines Pflegedienstes hat noch kein fertiges Konzept: Seniorenfrühstücke kann sie sich vorstellen, ein Event-Center mit Brunch und in den Sommermonaten sicher einen offenen Kaffeegarten.

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Alke Adam geht „traurig und müde“, aber ohne Bitterkeit.

Quelle: Martin Lauber
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