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Mit der Waldschänke schließt das letzte Gasthaus

Wettmar Mit der Waldschänke schließt das letzte Gasthaus

Ein Tag vor Silvester ist für Friederike und Walter Renke Schluss. Dann schließt das Restaurant Waldschänke für immer. Mitte Februar soll das Gebäude abgerissen und das Grundstück neu bebaut werden.

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Walter und Friederike Renke zapfen noch eins der letzten Biere, denn die Waldschänke in Wettmar schließt einen Tag vor Silvester - für immer.

Quelle: Jarolim-Vormeier

Wettmar.  Der letzte Monat bescherte noch mal Hochkonjunktur. Jeden Abend war die Wettmarer Gaststätte „Waldschänke“ voll belegt.  Das Wirts-Ehepaar Friederike und Walter Renke tischte in der Vorweihnachzeit vorzugsweise Gänsekeule mit Rotkohl und Knödel oder Kartoffeln auf – und das verlässlich in Portionen, die satt machen.  Zusätzlich offerierte die kleine Karte weitere gutbürgerliche Gerichte wie hausgemachtes Sauerfleisch oder Lendchen vom Schweinefilet an Bratkartoffeln, Kaisergemüse, geschmorten Champignons und Sauce Bernaise. Die Adventsfeiern des Ortsrates und der Vereinen im großen Saal im  Dezember – sie waren die letzten. 

Am Sonnabend Friederike Renke zum letzten Mal am Zapfhahn, und ihr Walter bereitet zum letzten Mal ein leckeres Mahl. Am vorletzten Tag des Jahres hat das Ehepaar die letzten Gäste im Gasthaus an der Hauptstraße 73:  Die Eigentümerin des Gebäudes feiert ihren 80. Geburtstag.

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Der Landtagsabgeordnete Rainer Fredermann hatte im Saal der Waldschänke seine Hochzeit gefeiert. Er ist aber nicht der einzige, der das Ende der einzigen Gaststätte in Wettmar bedauert.

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Jahrzehnte in der Gastronomie des Dorfes

20 Jahren lang haben die Renkes die Waldschänke betrieben. „Wir wollen nicht klagen und behalten das Schöne in Erinnerung“, sagt er. Vor seiner Zeit in diesem Gasthaus hatte er bereits acht Jahre lang bei Brockmann gekocht – einer gastronomischen Institution weit über das Dorf hinaus, doch das Gasthaus brannte ab.  Friederike Renke ist sogar schon seit 54 Jahren in der Gastronomie in Wettmar tätig. Der 74-Jährigen fällt es denn auch besonders schwer, die Türen der Waldschänke für immmer zu schließen. Die Arbeit habe Spaß gemacht, viele nette Kontakte seien entstanden.  Aber beide seien sie gesundheitlich etwas angeschlagen, erklärt sie. „Wir verlassen Wettmar mit einem lachenden, aber auch einem weinenden Auge.“ 

Ganz ans Aufhören denkt Koch Walter Renke allerdings nicht. Er und seine Frau ziehen nach Sahlenburg in der Nähe von Cuxhaven. „Dort haben wir uns seit 1992 ein zweites Domizil aufgebaut.“ Der 64-Jährige will dort in einem Restaurant ein wenig aushelfen. Bis Mitte Januar werden die beiden noch in der Waldschänke räumen, um alles ordentlich zu hinterlassen. Bereits im Februar soll der Abrissbagger kommen. An gleicher Stelle sind ein Doppelhaus und vier Einfamilienhäuser geplant.

Wehmut in Wettmar

Natürlich wird die Schließung der letzten Gaststätte in Burgwedels zweitgrößter Ortschaft bedauert. Rainer Fredermann, der 18 Jahre lang Ortsbürgermeister war, für die CDU im Landtag und im Rat der Stadt Burgwedel sitzt, meint, dass mit dem Ende der Waldschänke auch eine Stück Kultur im Dorf  verloren gehe. Er hat ganz persönliche Gründe, die Schließung der Waldschänke mit Wehmut zu betrachten: In deren Saal hatte er 1985 seine Hochzeit gefeiert – da hängen Erinnerungen dran. „Schade, dass keiner gefunden werden konnte, der deutsche Küche anbietet“, bedauert der 58-Jährige. Fredermann räumt allerdings auch ein, dass in das Gebäude hätte investiert werden müssen, dazu sei die Eigentümerin nicht mehr bereit gewesen. Somit könne er den Schritt nachvollziehen und verstehen.

Das Aus für die Waldschänke ist laut Gerhard Brenneke, langjähriger Vorsitzhender des Heimatvereins und personifiziertes Ortsgedächtnis, Tagesgespräch im Dorf – zumal keine neue Restauration in Sicht sei. In den Sechziger- und Siebzigerjahren seien sieben Kneipen in Wettmar gleichzeitig in Betrieb gewesen, erinnert sich Brenneke. Nun müssten die Einwohner sich mit der Schließung der letzten Gastronomie abfinden – insbesondere für die Vereine sei das eine Katastrophe.

Von Katerina Jarolim-Vormeier

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