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Umland Burgwedel Nachrichten Hoppenstedt wehrt sich gegen Gutte-Buch
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00:16 26.02.2017
Von Martin Lauber
Das Buch von Rudolf Gutte über die Entstehungsgeschichte des Mahnmals auf dem Friedhof an der Thönser Straße schlägt auch ein halbes Jahr nach Erscheinung noch hohe Wellen. Quelle: Archiv
Großburgwedel

Bis zur Einweihung des heutigen Mahnmals auf dem Friedhof an der Thönser Straße war im Großburgwedeler Ortsrat jahrelang hitzig gestritten worden um das richtige Gedenken an die Opfer von Krieg und Nationalsozialismus. Nachdem eine erste Mahnmal-Version 2009 von Unbekannten mutwillig zerstört worden war, fand der zweite, unter Mitwirkung der Stiftung niedersächsische Gedenkstätten 2011 realisierte Entwurf breite Zustimmung. Einen „beschämenden Mangel an Empathie“ unterstellte Rudolf Gutte dem Ortsrat rückblickend in seiner im Sommer veröffentlichten Dokumentation über die Mahnmal-Debatte.

Mehr als ein halbes Jahr danach widerspricht nun Burgwedels damaliger Bürgermeister Hendrik Hoppenstedt in einer Stellungnahme energisch zahlreichen Aussagen, durch die er sich auch persönlich diskreditiert sieht. In dem Buch, das nach seiner Auffassung nicht zufällig kurz vor der Kommunalwahl veröffentlicht wurde, werde ein für Außenstehende verzerrtes und falsches Bild über die Kontroverse, die Stadt und ihre Bürger gezeichnet, kritisiert Hoppenstedt (CDU). Damit es nicht die einzige Quelle über die Mahnmal-Debatte bleibt, habe er sich anhand von Protokollen, Briefwechseln und anderen Quellen in die Vorgänge von damals wieder eingearbeitet.

In der Einleitung seiner Stellungnahme erklärt Hoppenstedt, er habe als Bürgermeister, der in der Ortsratsangelegenheit Mahnmal nur begrenzte Kompetenzen besaß, stets zu vermitteln versucht und manches Mal das damalige SPD-Ortsratsmitglied Rudolf Gutte verteidigt, das „trotz aller massiven Entgleisungen einen wichtigen Beitrag bei der Errichtung eines zeitgemäßen Mahnmals geleistet“ habe. Im Buch stelle Gutte sich als Anwalt der NS-Opfer sowie als einsamer Kämpfer gegen die Ewiggestrigen dar, die die Stadt jahrelang führten und die sich der Vergangenheit nicht stellen wollten. Hoppenstedt geht es in seiner mit 21 Anlagen versehenen Stellungnahme im Kern darum zu entkräften, dass, wie von Gutte behauptet, ein rückwärtsgewandter Ortsrat sowie er persönlich versucht hätten, die Ortsgeschichte von Großburgwedel von den dunklen Flecken der NS-Vergangenheit zu säubern, die Opferbilanz zu beschönigen und Opfergruppen aus dem Gedenken auszuschließen. Auf solche Weise habe Gutte auch während der Mahnmal-Beratungen schon versucht, den politischen Gegner und ihn persönlich in die rechte Gesinnungsecke zu stellen, bei anderer Gelegenheit sogar in eine antisemitische. Hoppenstedt nennt solche Vorwürfe „abstoßend“.

Tatsächlich sei im Rückblick gar nicht klar gewesen, dass mit dem Mahnmalprojekt fast 70 Jahre nach Kriegsende umfangreich Neuland betreten wurde. Insofern sei es normal, „dass sich bei fortschreitender Debatte immer mehr Fragen ergaben, die strittig diskutiert wurden“. Die Skala der Vorhaltungen im Buch reicht von der mutwilligen Verschleppung von Informationen zur SS-Zugehörigkeit gefallener Soldaten aus Großburgwedel bis hin zu Versäumnissen bei der Einbeziehung der jüdischen Gemeinden in die Planung des Mahnmals. Nach dem Schema „Behauptung – Tatsache – politische Wertung“ hat Hoppenstedt, der seit 2013 im Bundestag sitzt, seine Version des Mahnmalstreits dargelegt und Dokumente angefügt, um Widersprüche zwischen Guttes Darstellung und der Aktenlage zu offenbaren und die Vorwürfe als „Skandalisierung wider besseres Wissen“ kenntlich zu machen.

Ohne Kenntnis der Hoppenstedt-Schrift könne er keine Stellungnahme abgeben, sagt Gutte jetzt auf Anfrage. „Jeder muss es darstellen, wie er es erlebt hat. Jeder ist subjektiv, Herr Hoppenstedt auch.“ Für neue Gesichtspunkte sei er bei dieser komplexen Materie immer offen. Er habe viel positives Echo bekommen. Die Startauflage von 600 Exemplaren sei ausverkauft, eine zweite in Vorbereitung.

Interessenten übersendet Hoppenstedt seine Stellungnahme nach einer E-Mail an hendrik.hoppenstedt@bundestag.de. Das Buch von Rudolf Gutte „Vom Soldatenehrenmal zum Denkmal für alle Opfer des Nationalsozialismus – ein Lehrstück deutscher Erinnerungskultur“ ist im Berliner Verlag Hentrich & Hentrich erschienen.

Stadtverwaltung hat das Buch auch geprüft

In seiner Dokumentation geht das frühere SPD-Ortsratsmitglied Rudolf Gutte, mittlerweile Ratsherr der Unabhängigen, bisweilen hart mit Akteuren des Mahnmal-Streits ins Gericht. Wie Bürgermeister Axel Düker auf Anfrage bestätigte, habe die Stadtverwaltung auf Antrag der CDU-Fraktion (gestellt im nicht öffentlichen Verwaltungsausschuss) das Buch auf mögliche Falschdarstellungen untersucht. Die Erste Stadträtin Christiane Concilio habe es mehrfach gelesen. Das Fazit: „Es gibt viele Ungereimtheiten“, so Düker. Eine weitere Schwäche sei, dass im Buch häufig nicht erkennbar sei, wer gemeint ist, wenn von „der Stadt“ die Rede ist – Verwaltung, Bürgermeister, Rat oder Ortsrat. Einen Aufhänger, um sich formaljuristisch mit dem Buch oder seinem Autor Gutte auseinandersetzen zu müssen, gebe es jedoch nicht.

Der Kommentar von Martin Lauber

Sowohl der Trauer um die Toten wie auch der Mahnung an die nachfolgenden Generationen bietet Großburgwedels Mahnmal einen zeitgemäßen Gedenkort. Auf dem Weg dorthin waren oft die Fetzen geflogen – wahrlich ein Lehrstück deutscher Erinnerungskultur namens Mahnmalstreit. Wer sich dafür interessiert, der kann jetzt auch aus Hendrik Hoppenstedts Perspektive auf die Kontroverse zurückblicken. So viel sei allerdings verraten: Es ist nicht gerade leicht, beim Abgleich seiner Darstellungen und zahlreicher Dokumente mit denen von Rudolf Gutte eine 100-prozentige historische Wahrheit zu isolieren. Vielleicht liegt das daran, dass zu dieser Wahrheit eben auch gehört, dass beide am positiven Ergebnis großen Anteil hatten – trotz aller ihrer Differenzen. Eine Wiederbelebung der alten Debatte braucht jetzt aber wirklich niemand. Ganz im Gegenteil: Sollen sich eines Tages alle Burgwedeler mit dem im Streit geborenen Mahnmal identifizieren können – auch jene, die mit seiner Modernität noch hadern –, sollten die Gemeinsamkeiten seiner Entstehung in den Vordergrund gestellt werden.

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