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Umland Burgwedel Nachrichten Griemsmanns Kunst kann bewundert werden
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02:15 11.07.2014
Von Martin Lauber
Karin Griemsmann steht im Garten zwischen Steinskulpturen ihres verstorbenen Ehemanns Johann-Dietrich. Quelle: Martin Lauber
Burgwedel

Wer am verschwiegenen Ende des Amtshofs dem kleinen Steinweg auf das Grundstück mit der Nummer 32 folgt, vorbei am in rostig-rotes Eisen geschnittenen „Kuss“, der steht schon mittendrin im Griemsmann’schen Gesamtkunstwerk. Unter den weißen Blüten eines Trompetenbaums fließen die Linien von Frauenkörpern mit Menschen- und Vogelköpfen. Üppiges Grün zu Füßen, thront erhöht über einem Tümpelchen, den ein Frosch gerade friedlich besetzt hält, eine gehörnte Faunsgestalt.

Aus Steinmehl, wie Restauratoren es benutzen, sind die Statuen geformt, denen der subtil gegliederte Garten die Bühne bereitet. Bunte Damen aus Holz lehnen lebensgroß lässig neben der Gartentür an der Wand. Und mit den Porzellanfiguren, die drinnen hundertfach variiert Simse und Regale bewohnen, macht der Besucher schon erste Bekanntschaft, bevor er das Haus betreten hat, das der Künstler 1971 mit eigenen Händen geschaffen hat.

Wenn Karin Griemsmann von der „totalen“ Kreativität ihres verstorbenen Mannes spricht, ist das also wörtlich zu verstehen. Nicht nur, dass dessen Produktivität vor keinem Material und keiner Technik halt machte: Eisen und Ton, Seidenpapier, Marmor und Gips, sogar Fango hat der Künstler verarbeitet, daneben Verse gereimt und Möbel variiert - obwohl er doch zuallererst Zeichner, Maler und Collagist war.

Griemsmann erfand sich zuverlässig, fast zyklisch neu - wohl um der Langeweile zu entgehen, lange das Gleiche zu machen. Seinen „Frauenwelten“ blieb er treu, denen gab er mit nicht versiegender Fantasie lebenslang in Bildern und Skulpturen neue Ausdrucksformen.

Nach seinem Pädagogikstudium hatte der gebürtige Großburgwedeler als Grafiker gearbeitet, sich 1989 dann aber fürs freie Schaffen entschieden. Obwohl Autodidakt, nahm die berühmte Essener Folkwang-Schule ihn auf. Überall in Deutschland und in sieben europäischen Ländern hat das Mitglied des Bundes Bildender Künstler seine Arbeiten in Einzel- und Gruppenausstellungen gezeigt. Das Kunststück, seine Familie von seiner Kunst ernähren zu können, verdankte Griemsmann außer seinem Fleiß unter anderem vielen jungen Kunstliebhabern, die neue Arbeiten bei ihm im Abo bestellten und zu Sammlern wurden. Unter den öffentlichen Ankäufern machte seine Heimatstadt sich rar.

Mit dem Fundus, den ihr Mann hinterlassen hat, könnte Karin Griemsmann ein mittleres Museum reich ausstatten. Weil es das aber nicht gibt, übernimmt ihr Haus am Amtshof nun diese Funktion.

Ungezählte Bilder, große und kleine Skulpturen verbinden sich dort zu einem Kosmos, der unverkennbar nur Lebens- und Schaffensraum eines Künstlers sein kann. Wer sich darauf einlässt, das weiß die Hausherrin, braucht Zeit: „Ohne ausdauernde Besucher hätte mein Mann nicht so lange bei ,Kunst in Bewegung‘ mitgemacht.“

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