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Gericht bestraft erfundenen Betrugsvorwurf

Burgwedel Gericht bestraft erfundenen Betrugsvorwurf

Weil er eine Mitarbeiterin wider besseres Wissen wegen Untreue angezeigt hatte, muss ein 49-Jähriger jetzt 2400 Euro Geldstrafe zahlen. Sein Schwindel war schon in einem früheren Prozess geplatzt.

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Wegen einer falschen Beschuldigung verurteilt das Amtsgericht Burgwdel einen 49-Jährigen zu einer Geldstrafe in Höhe von 2.400 Euro.

Quelle: Frank Walter (Archiv)

Großburgwedel.  Der strafrechtliche Bumerang traf den 49-Jährigen mit Zeitverzug: Er hatte 2017 die Buchführerin seiner damaligen Firma wider besseren Wissens des Betrugs bezichtigt und sie damit vor Gericht gebracht. Nachdem die Unschuld der Frau erwiesen war, hatte die Staatsanwaltschaft jetzt noch eine Rechnung mit ihm selbst offen.  Und diese wurde 2.400 Euro teuer.

Alles hatte mit einem gemeinsamen Geschäftsprojekt dreier befreundeter Kollegen  aus der Taxibranche hoffnungsvoll begonnen, die sich mit einer Mietwagenfirma selbständig gemacht hatten. Die Unternehmung scheiterte jedoch, und der 49-Jährige stand hinterher nach eigener Aussage mit einem „Arsch voll Schulden“ da. Dafür wollte  er seine beiden früheren Mitstreitern mit in die Pflicht nehmen: Er zeigte seine Buchhalterin an, weil sie Zahlungen von 5.750 Euro veruntreut habe.

Kurzschlussreaktion? Von wegen

Wie sich aber dann vor Gericht herausstellte, war der Einzahler dieses Betrages ein Strohmann gewesen. Dass für dessen erfundenen Kredit sogar eine eidesstattliche Versicherung vorgelegt wurde, machte die Sache nicht besser. Denn im Verlauf des Prozesses enthüllte der 85-jährige Strohmann  dem Gericht, dass er dem damaligen Kläger nie Geld geliehen hatte. So stand zweifelsfrei fest, dass der 49-Jährige seine Mitarbeiterin völlig zu Unrecht beschuldigt hatte. 

Als Konsequenz aus dem Freispruch fand er sich nun selbst auf der Anklagebank wieder. Der mittlerweile angestellte Taxifahrer war voll geständig und sprach von einer „Kurschlussreaktion“. Er, der keine Ahnung habe von Buchführung, habe sich damals von seinen beiden Mitarbeitern hintergangen gefühlt. Er habe „die beiden ebenfalls bestrafen“  wollen – als Revanche.

Siebrecht: Ein halbes Jahr in Angst gelebt

Zwar habe der Angeklagte sich am Ende des letzten und auch im aktuellen Prozess geständig gezeigt, gestand der Staatsanwalt dem Angeklagten zu. Er trage aber mit seiner falschen Beschuldigung die Verantwortung dafür,  dass die Buchhalterin vor das Schöffengericht geladen wurde und eine Freiheitsstrafe von zwei bis vier Jahren gegen sie im Raum gestanden habe.

Amtsrichter Michael Siebrecht sah das genauso. Er ergänzte: „Wenn man eine von einer Anwältin abgesegnete eidesstattliche Versicherung anfertigt, um den Verdacht auf eine Person zu lenken, kann man nicht wirklich von einer Kurzschlussreaktion sprechen.“ Mit einer Geldstrafe von 80 Tagessätzen à 30 Euro folgte er dem Antrag des Staatsanwaltes. In seiner Urteilsbegründung bezog sich auch Siebrecht auf die Folgen der Falschbeschuldigung: „Die Buchhalterin hat damals ein halbes Jahr lang in der Angst gelebt, verurteilt zu werden.“

Von Philipp Bader

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