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Nachrichten Autoverkäufer wirtschaftet in eigene Tasche
Umland Burgwedel Nachrichten Autoverkäufer wirtschaftet in eigene Tasche
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17:56 28.06.2018
Amtsgericht Burgwedel.Walter Quelle: Frank Walter
Isernhagen/Burgwedel

Früher hatte er „eigentlich ein gutes Leben“ – mit ordentlich bezahltem Prokuristenjob in einem großen hannoverschen Autohaus. Ein Leben mit Familie. Unbescholten. Heute ist er: ausgebrannt und hoch verschuldet. 56-jährig lebt er wieder bei seinen betagten Eltern in seinem alten Kinderzimmer und pflegt seine Mutter. Frau und Tochter haben sich abgewandt. Zweimal hat er nach eigener Aussage „an der Bahnsteigkante gestanden“. „Ich bin dermaßen am Boden ...“ . Aber das Selbstbekenntnis hätte er sich sparen können: Sein Zustand ist nicht zu übersehen.

Vor dem Schöffengericht Burgwedel sitzt ein körperlich und psychisch gebrochener Mann auf der Anklagebank, der keinerlei Anstalten macht, irgendwelche Vorwürfe zu beschönigen: Zehnmal hat er laut Anklage zwischen August 2015 und Januar 2016 seine Vertrauensstellung als Verkäufer eines Isernhagener Autohauses ausgenutzt, um so insgesamt rund 30.000 Euro aus dem Weiterverkauf von in Zahlung genommenen Gebrauchtwagen in die eigene Tasche zu lenken. Weil der Buchführer-Posten in der Firma damals gerade verwaist und die Seniorchefin erkrankt war, dauerte es Monate, bis der 50-Jährige Chef seinem vermeintlich vertrauenswürdigen Verkäufer keine Ausflüchte mehr abnahm und Anzeige erstattete.

Ein Fall gewerbsmäßiger Untreue und auch ein klassischer Fall eines missglückten Sprungs in die Selbstständigkeit: Als der 1997 gegründete Betrieb des gelernten Kaufmanns in Schieflage geriet, setzte sich die klassische Abwärtsspirale in Gang: Tag und Nacht habe er gearbeitet, bis er seine Familie und schließlich auch den finanziellen Überblick verloren habe, offenbarte der Angeklagte vor Gericht. Der Schuldenberg wuchs nach seiner Schätzung auf mindestens 200.000 Euro. „Ich habe nur noch den Kopf in den Sand gesteckt und die Post nicht mehr geöffnet.“ Als der Autoverkäufer in Isernhagen anheuerte, waren ihm Geldeintreiber, die körperliche Gewalt androhten, auf den Fersen. „Ich habe nur noch an Heute und die nächste Rate gedacht, um meine Familie zu schützen“, erinnerte sich der 56-Jährige.

Laut Klageschrift hat der Mann sich zehnmal der Untreue schuldig gemacht – jeder einzelne Fall ist laut Strafgesetzbuch mit sechs Monaten bis zwei Jahren zu ahnden. Zusätzlich hatte das Gericht eine 2016 verhängte sechsmonatige Bewährungsstrafe wegen Betruges und Unterschlagung mit zu berücksichtigen. Doch das voll umfängliche Geständnis und die schwierigen persönlichen Verhältnisse des Angeklagten verfehlten ihre Wirkung nicht. Staatsanwältin, Verteidiger und Schöffengericht waren sich einig, dass eine zweijährige Gesamtstrafe zur Bewährung ausgesetzt werden kann - allerdings nicht ohne besondere Auflagen, „damit Sie wieder auf die Spur kommen“, wie der Vorsitzende Richter Michael Siebrecht erläuterte. Der gestrauchelte Autoverkäufer bekam eine Bewährungshelferin an die Seite gestellt, die sich um die Einleitung eines Betreuungsverfahrens und einer psychotherapeutischen Behandlung des unter massiven Depressionen leidenden 56-Jährigen kümmern soll. Außerdem muss der Verurteilte 300 Stunden gemeinnützige Arbeit ableisten. Die Strafe für die „verwerfliche Ausnutzung des Treueverhältnisses“ müsse auch wehtun.

Der geschädigte Autohändler hat nach eigener Aussage insgesamt gut 70.000 Euro durch die Betrügereien seines ehemaligen Mitarbeiters verloren. Schlaflose Nächte habe ihn das gekostet, für seine kleine Firma sei der Schaden bedrohlich gewesen, auf einen geplanten Anbau musste der Isernhagener verzichten. Die vom Gericht angeordnete Einziehung der 30.000 Euro aus der Anklage – aktuell eine Luftbuchung – verjähre nicht, sagte Siebrecht, was das 50-jährige Opfer nicht wirklich hoffnungsvoll zurückließ.

Von Martin Lauber

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